Login

Grassilage: Wie Siliermittel wirken

Silageernte-Silierung-Siliermittel
Wer seine Silageernte und den Siliermitteleinsatz gut vorgeplant hat, kann auch bei großer Hektik richtig reagieren. © Kalzendorf
Dr. Christine Kalzendorf, LWK Niedersachsen
am
03.05.2018

Siliermittel müssen bei der Grassilageernte richtig eingesetzt werden. Ohne Planung geht das nicht. So finden Sie sich im Mittel-Dschungel zurecht.

Lohnt sich der Siliermittelzusatz bei der Grassilagebereitung? Die Frage ist immer einzelbetrieblich zu beantworten:

  • Welche Ziele strebe ich mit meinem Milchviehbestand an?
  • Will ich Milchleistungen über 9.000 l?
  • Sollen meine Kühe gleichzeitig  langlebig sein?

Dafür ist eine hohe Grundfutteraufnahme mit bester Futterqualität erforderlich.

Grassilagezubereitung vom ersten und zweiten Schnitt

Vor allem Betriebe mit Hochleistungsherden haben den Einsatz von Siliermitteln als festen Bestandteil bei der Grassilagebereitung für den ersten und zweiten Schnitt integriert. Andererseits zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass die Schönwetterperioden oft nicht zum Zeitpunkt des optimalen Mahdtermins auftreten.

Das Wetterrisiko mit häufigen Niederschlägen und kühlem Wetter sollte bei der Siliermittelwahl mit ins Kalkül gezogen werden:

  • Für solche Fälle können meist nur chemische Siliermittel das Problem lösen helfen.
  • Hierfür müssen Dosiergeräte mit Leistungen von 3 bis 4 l/t zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass der Lohnunternehmer bzw. Maschinenring die entsprechende Applikationstechnik da haben muss.

Prinzipiell können mit Siliermitteln Gärqualität und Schmackhaftigkeit des Futters verbessert werden. Das setzt voraus, dass

  • die richtige Mittelwahl und
  • homogene Verteilung der Mittel im Siliergut gewährleistet sind.
  • Zusätzlich dürfen keine Mängel beim gesamten Silierverfahren auftreten.

Siliermittel der Wirkungsrichtung 1

    DLG-geprüfte Siliermittel mit der Wirkungsrichtung 1 werden in drei Anwendungsbereiche unterteilt:

    • Silierzusätze für den vorrangig schwer vergärbaren Bereich (Anwendungsbereich a)
    • Für den mittelschwer vergärbaren Bereich (Anwendungsbereich b)
    • Für den leicht vergärbaren Bereich (Anwendungsbereich c).

    Im Rahmen des DLG-Gütezeichens werden die Anwendungsbereiche durch die Buchstaben 1a, 1b oder 1c gekennzeichnet.

    So erfolgt die Einstufung der Futtermittel in leicht oder schwer vergärbares Material (siehe Tabelle 1). Prinzipiell fließt in die Bewertung sowohl die Zusammensetzung des Grasbestandes als auch der Trockenmassegehalt ein.

    Um die Gärqualität im schwer vergärbaren Bereich abzusichern, kommen nur chemische Siliermittel in Betracht. Hier werden auf dem Markt vor allem Siliersalze angeboten. Ein Zusatz von Siliersäuren ist zwar ebenfalls möglich, doch ihre Anwendung ist in den letzten Jahren rückläufig.

    Siliersalze

    Siliersalze sind nicht mit Viehsalz gleichzusetzen. Ihre chemische Zusammensetzung unterscheidet sich grundlegend:

    • Siliersalze enthalten Wirkstoffe, die durch eine gezielte Hemmung der Fehlgärungserreger den Gärverlauf verbessern.
    • In aller Regel greifen die Wirkstoffkomponenten der Siliersalze auf bestimmte Enzymsysteme der Fehlgärungserreger ein und hemmen somit ihre Aktivität.

    Mittelschwer vergärbare Grasbestände

      Bei mäßigen bis guten Witterungsbedingungen sind die Grasbestände der ersten Schnittnutzung im Allgemeinen dem mittelschwer vergärbaren Bereich zuzuordnen. Hierfür können sowohl chemische Siliermittel als auch Bakterienpräparate eingesetzt werden.

      Bakterienpräparate, die zur Verbesserung der Gärqualität beitragen, setzen sich zumeist aus homofermentativen Milchsäurebakterien zusammen. Sie haben die Eigenschaft, sich bei Luftabwesenheit schnell zu vermehren und dabei den Pflanzenzucker rasch in Milchsäure umzusetzen. Die Milchsäure senkt den pH-Wert ab und hemmt dadurch unerwünschte Mikroben.

      Bei der homofermentativen Milchsäurebildung sind die Trockenmasse- und Energieverluste äußerst gering. Es entstehen kaum Nebenprodukte wie beispielsweise Kohlendioxid.

      Leicht vergärbare Grasbestände

      Solche Bestände können durch einen biologischen Siliermittelzusatz noch besser silieren. Hierbei wirken sich vor allem die Vorteile der sehr effizienten und verlustarmen Milchsäuregärung homofermentativer Art aus.

      Da leicht vergärbares Futter aber auch schneller Nacherwärmungsprozessen unterliegen kann, können Siliermittelmischungen zum Einsatz kommen, die neben dem DLG-Gütezeichen in der Wirkungsrichtung 1 auch ein DLG-Gütezeichen in der Wirkungsrichtung 2 besitzen. 

      Siliermittel der Wirkungsrichtung 2

      Bei den Siliermittelmischungen handelt es sich entweder um Bakterienmischungen von homo- und heterofermentativen Milchsäurebakterien oder um Kombinationen aus Bakterienpräparaten und Siliersalzen.

      Neben den Mischungen können aber auch die Einzelkomponenten (also heterofermentative Milchsäurebakterien, Siliersalze oder Siliersäuren) eingesetzt werden.

      Heterofermentative Milchsäurebakterien

      Neben einer gewissen Milchsäurebildung bewirken heterofermentative Milchsäurebakterien auch eine verstärkte Essigsäureproduktion. Essigsäure hemmt vor allem Hefen und nur im eingeschränkten Maße auch Pilze.

      Die kombinierte Anwendung von homo- und heterofermentativen Milchsäurebakterien soll in der ersten Gärphase zunächst Milchsäure entsteht lassen und im weiteren Verlauf die heterofermentativen Milchsäurebakterien aktivieren:

      • Je tiefer die pH-Absenkung durch die Milchsäurebildung ist, desto mehr kann der undissoziierte Anteil an Essigsäure die Hefeaktivität einschränken.
      • Heterofermentative Milchsäurebakterien beginnen ihre Arbeit im Gegensatz zu den homofermentativen Milchsäurebakterien nicht sofort in den ersten Gärstunden, sondern zeitlich versetzt.
      • So kann es sein, dass eine erneute Gärgasbildung nach dem siebten oder gar erst nach dem 14. Gärtag zu verzeichnen ist, weil dann ein Teil der Milchsäure zu Essigsäure umgewandelt wird.
      • Vor diesem Hintergrund ist es ratsam, die Silos auch mindestens sechs Wochen unter Verschluss zu halten.

      Homofermentative Milchsäurebakterien und Siliersalz

        Das Wirkungsziel der kombinierten Anwendung von homofermentativen Milchsäurebakterien und einem Siliersalz besteht in einer raschen Milchsäurebildung und pH-Absenkung, was durch Bakterienimpfkulturen erzielt wird:

        • Durch die pH-Abnahme dissoziiert das Siliersalz.
        • Damit entstehen Säureverbindungen, von denen vor allem der undissoziierte Anteil hemmend auf die Nachgärflora wirkt.
        • Je tiefer das pH-Niveau, desto größer ist auch der Anteil undissoziierter Säure und damit auch die Hemmwirkung der Säuren.

        Organische Salze

          Die organischen Salze oder Säuren, die im Rahmen der Wirkungsrichtung 2 als alleiniger Zusatz oder in der Kombination mit Milchsäurebakterien eingesetzt werden, unterscheiden sich in ihrem Potenzial, Hefen und Schimmelpilze zu unterdrücken. Es gilt:

          • Die Hemmung der Nachgärflora ist um so größer, je mehr Kohlenstoffatome die Verbindung enthält.
          • Von den Siliersalzen Benzoat (bzw. Benzoesäure) oder Sorbat (bzw. Sorbinsäure) kann die höchste pilzhemmende Wirkung erwartet werden (siehe Tabelle 2).
          • Die Essigsäure schränkt dagegen vorrangig die Aktivitäten von Hefen ein. Schimmelpilze werden von ihr nicht genug unterdrückt.
          • Treten alljährlich Probleme mit nacherwärmten und verpilzten Silagen auf, sollte ein chemisches Mittel mit hoher Wirksamkeit gegen die Verderbflora genutzt werden.
          Auch interessant