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Betriebsführung

Gute Aussichten

von , am
28.08.2014

Bei nahezu allen Milchprodukten waren die Preise in Deutschland erheblich höher als in den Jahren zuvor. Dies war aber auch im Hinblick auf die Milchmenge der Fall.

Die Milchproduktion wird voraussichtlich weiter über Vorjahresniveau liegen. © Bergmann

Das Milchaufkommen hat sich nahezu weltweit oberhalb der Vorjahresmengen bewegt. In der EU stand von Januar bis Mai mit rund 63 Mio. t gut 5 % mehr Milch zur Verfügung als im gleichen Zeitraum des Jahres 2013. In Deutschland waren im 1. Halbjahr monatliche Zuwachsraten von teils mehr als 5 % zu verzeichnen

Hohe Milchanlieferung und schwächere Preise


An den heimischen Märkten waren im Zuge dessen im Mai die Verarbeitungskapazitäten knapp, was kurzfristig zu einem massiven Druck auf den Rohstoffmärkten geführt hat. Bei Magermilchkonzentrat wurde der niedrigste Stand seit Anfang 2010 ermittelt. Im Fe-bruar fielen dann die Preise für Butter; bei abgepackter Ware um 20 % und bei Blockware bis Ende Mai um rund 15 %. Schrittweise gaben auch Vollmilch- und Magermilchpulver in vergleichbarem Umfang nach. Am Markt für Schnittkäse hat die Abschwächung zeitlich verzögert eingesetzt.

Auch bei den Abschlüssen mit dem Lebensmitteleinzelhandel, die im 1. Halbjahr anstanden, mussten die Molkereien im weißen und im gelben Sortiment Preiszugeständnisse machen. Abgepackte Butter wurde in 3 Schritten nach unten verhandelt, seit März kostet abgepackte Ware im Laden 99 Cent und damit 20 Cent weniger als Ende 2013. Anfang Mai sind darüber hinaus die Molkereiabgabepreise für Konsummilch und andere Milchfrischprodukte leicht zurückgegangen.

Für die Verbraucher hat sich dies jedoch lediglich bei abgepackter Butter ausgewirkt. Zur Jahresmitte kam es nach dem Überschreiten der saisonalen Milchspitze nahezu produktübergreifend zu einer Stabilisierung. Insgesamt bewegten sich die Produktmärkte trotz der Rückgänge in der langjährigen Betrachtung weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau.

Trotz der teils deutlichen Korrekturen sowohl rohstoff-, als auch produktseitig, waren die Auswirkungen für die Milch-erzeuger nur moderat. Mit durchschnittlich mehr als 40 Cent/kg haben die Molkereien im 1. Quartal 2014 ein Milchgeld auf Rekordniveau für diese Jahreszeit ausgezahlt. Im 2. Quartal zeichnete sich ebenfalls ein vergleichsweise hohes Preisniveau ab, wenngleich gewisse Abschläge in Folge der Schwächen nicht zu verhindern waren. Im 1. Halbjahr dürften die Molkereien in Deutschland im Schnitt gut
39 Cent/kg Milch ausgezahlt haben.

Stabilisierung zur Jahresmitte

Zur Jahresmitte hat sich die heimische Marktlage weitestgehend stabilisiert. Am Weltmarkt zeigten die Preise jedoch im Zuge der hohen Milchproduktion nach wie vor einen schwächeren Verlauf. Das Milchaufkommen in Europa dürfte weiterhin hoch bleiben. Hierfür sprechen die gestiegenen Milchkuhbestände und die anhaltend hohen Milchpreise.

Für das Milchwirtschaftsjahr 2014/15 machen die Rahmenbedingungen wenig Hoffnung auf eine Entspannung der Quotensituation. Für das neue Quotenjahr hat es keine weitere Erhöhung der nationalen Garantiemenge gegeben. Das hat zur Folge, dass selbst für den Fall, dass die Milchanlieferung in Deutschland nicht weiter wächst, die nationale Garantiemenge um rund 2 % überliefert würde. Die ersten Monate des aktuellen Quotenjahres waren allerdings von anhaltend steigenden Milchmengen gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund ist auch der Bedarf an Lieferrechten und die Zahlungsbereitschaft für diese hoch.

Beim Quotenbörsentermin im Juli ist der bundesweite Gleichgewichtspreis auf 9 Cent gestiegen. Sollten Unterlieferer in nennenswertem Umfang ihre Lieferrechte an der noch ausstehenden Quotenbörse im November verkaufen, würde dies in der Endabrechnung für das Milchwirtschaftsjahr 2014/15 die Verrechnungsmöglichkeiten von Über- und Unterlieferungen erheblich einschränken und zu einer Verringerung des Saldierungssatzes und damit zu einer deutlichen höheren finanziellen Belastung der Überlieferer führen als im Abrechnungszeitraum 2013/14.

Auch die globale Milchproduktion, wird im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich deutlich oberhalb des Vorjahresniveaus liegen. Dem stehen aber durchaus positive Vorzeichen hinsichtlich der Nachfrage gegenüber. Die wachsende Weltbevölkerung, die steigende Kaufkraft und das veränderte Konsumverhalten in den Schwellenländern bringen auch zusätzliche Exportmöglichkeiten für Milcherzeugnisse aus der EU. Das lässt ein anhaltend vergleichsweise hohes Preisniveau erwarten.

Insgesamt positive Aussichten erwartet

Kurzfristige Schwankungen sind jedoch nicht auszuschließen, da der Milchmarkt von teils unwägbaren Entwicklungen, beispielsweise der allgemeinen Wirtschaftslage, Wechselkursschwankungen, Witterungseinflüssen oder auch den Rahmenbedingungen für den Export beeinflusst wird. Trotz der bisherigen Korrekturen dürfte 2014 aber dennoch kein schlechtes Jahr für den Milchmarkt und die Milcherzeuger werden.

Abzuwarten bleibt jedoch, wie sich der jüngst von Russland verhängte Importstopp für Molkereiprodukte aus der EU auswirken wird. Sofern in der 2. Jahreshälfte keine deutlichen Marktkorrekturen auftreten, kann der Erzeugerpreis für Milch in Deutschland 2014 im Mittel durchaus im Bereich des Rekordwertes von 2013 liegen - auch wenn die Milchpreise ab Juli voraussichtlich niedriger ausfallen als im Jahr zuvor.
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