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Reisebericht

Irisches Weidemanagement begeistert Niedersachsen

Irland-Milchviehhaltung
Grünlandzentrum
am
17.04.2018

Die Iren arbeiten erfolgreich mit einem ausgeklügeltem Weidemanagement. Was deutsche Milchviehhalter von ihren irischen Kollegen lernen können.

Die irische Art zu weiden: Das war das Motto einer viertägigen Exkursion auf die grüne Insel, organisiert vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen. 27 Teilnehmer aus dem vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft informierten sich über das ausgeklügelte Weidemanagement der Iren.

Irische Milchviehbetriebe

So sieht ein irischer Durchschnittsbetrieb aus:

  • Familienbetrieb mit 65 Kühen und 35 ha Grünland, das vornehmlich beweidet wird.
  • Das Jungvieh wird vertraglich auf einem anderen Betrieb aufgezogen und
  • ca. 93% der irischen Milchviehbetriebe kalben saisonal im Februar innerhalb von 6 Wochen ab.

Frühjahrsaufwuchs vom Herbst des Vorjahres

    Interessante Einblicke in die praktische Weidehaltung gab es bei der Begehung des Versuchsbetriebes Teagasc sowie bei drei Betriebsbesichtigungen. Die Grünlandwissenschaftler Michael Egan und Deirdre Hennessey stellten etablierte Ansätze für das Frühjahrsmanagement wie z.B. das on/off grazing und den Frühjahrsplaner vor:

    • Der Frühjahrsaufwuchs wächst bereits im Herbst des Vorjahres.
    • Der Herbstweideplaner ist ein wichtiges Instrument, um einen möglichst frühen Weideauftrieb im Folgejahr zu ermöglichen.
    • In diesem Frühjahr stellen dennoch die schwierigen Witterungsbedingungen auch für die erfahrenen irischen Landwirte eine große Herausforderung dar. Fröste, Schnee und durchnässte Böden verspäteten den Weideaustrieb und vermindern das Nachwuchsverhalten der Gräser. Die Futtervorräte werden knapp und die Qualität der Silagen ist nicht mit den deutschen Grassilagen zu vergleichen.

    Vergleich mit der Wesermarsch

    Irland-Milchviehhaltung-Reise

    Die Situation irischer Milchviehbetriebe erinnert an die hiesigen Bedingungen in der Wesermarsch. Der beeindruckende Milchviehbetrieb der Familie Heffernan nahe Kilkenny im County Leinster zählt zu den besten Grünlandbetrieben Irlands:

    • Im letzten Jahr wurde der Landwirt für sein erfolgreiches Weidemanagement und den hohen Jahresertrag von 19 t TM/ha ausgezeichnet.
    • Doch auch der Betriebsleiter berichtet von schwierigeren Weidebedingungen, einem geringeren Milchertrag und niedrigeren Milchinhaltsstoffen als im Vorjahr.
    • Die Vorteile der Heffernans gegenüber vielen irischen Berufskollegen sind zum einen, das im letzten Jahr genügend Futter einsiliert wurde und zum anderen der neue Stall genügend Platz und einen guten Tierkomfort bietet. Auf anderen Betrieben im Lande ist die Situation oftmals eine andere.

    Was deutsche Grünlandbauern von den irischen Kollegen lernen können

    • Das irische Weidemanagement ist ein interessantes und ausgeklügeltes System. Das gewisse Gefühl für Gras und daraus Geld zu machen, steckt in jedem irischen Landwirt.
    • Die einzelnen Weideflächen und deren Wachstumsdynamik kennen die Grünlandbauern wie ihre eigene Westentasche.
    • Das Messen der Aufwüchse ist deren große Stärke, wodurch sie Ausnutzung aus Gras effizient gesteigert haben.
    • Sie weiden zum richtigen Reifegrad des Grases, da sie die Wachstumsdynamik der Gräser durch wöchentliche Weiderundgänge im Blick behalten.
    • Irischen Landwirte sehr gut miteinander vernetzt sind und sich regelmäßig über betriebsindividuelle Themen wie z.B. dem Weidemanagement, Kosten und Infrastruktur austauschen. Fast jeder Landwirt ist mit seinen Berufskollegen und Beratern über eine digitale Diskussionsgruppe verknüpft. Auch die Grünland-Datenbank „PastureBase Ireland“ stellt eine gute Plattform zum Wissens- und Erfahrungsaustausch dar. Bereits 5000 Betriebe in Irland nutzen das Dienstleistungsangebot von Teagasc, um die Aufwuchsmengen zu dokumentieren und Überblickgrafiken wie die Feedwedge als Entscheidungsunterstützung anzuwenden.

    Über weitere Erkenntnisse der Exkursionsteilnehmer lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben der LAND & Forst.

    Grünlandzentrum plant weitere Reise

    Vom 4. bis 10. Juni bietet das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen eine weitere Reise an. Das Motto lautet: Drei Länder, sieben Tage, ein Thema - Maximierung der Weideeffizienz.

    Während der siebentägigen Reise durch die Niederlande, Belgien und Frankreich wird die Weidehaltung in unseren europäischen Nachbarländern mit ihren vielfältigen Facetten beleuchtet.

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