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Stimmung in der Landwirtschaft

Auch kleinste Zeichen sollten den Bauern Mut machen!

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
03.03.2016

Alle sind gegen die Bauern. Alle? Bitte genau hinschauen! LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan plädiert für mehr Mut und Vertrauen.

Drei Tage Messe - drei Tage im Gespräch mit den Lesern. Das kommt bei einem, der in der Redaktion das trockene und sehr theoretische Thema Agrarpolitik zu betreuen hat, selten genug vor.

An Diskussionsstoff mangelte es an unserem Messestand und auf der Bühne zu keiner Minute. Über den Milchmarkt zum Beispiel hätten wir uns wohl noch länger die Köpfe heiß geredet, wäre nicht kurz nach 22 Uhr das Licht in den Weser-Ems-Hallen abgeschaltet worden.

Stimmung zwiespältig

Der mitgenommene Eindruck indes ist zwiespältig. Vor sich hat man ein und den selben Landwirt: Mit Blick auf die Preismisere ist er abgeklärt und selbstbewusst;  kommt aber die Rede auf Politik und Öffentlichkeit, reagiert er verletzt und emotional. Dafür gibt es zwar, wie an dieser Stelle schon oft festgestellt, reichlich Anlass.

Nur Negatives wird wahrgenommen

Aber jetzt sei auch einmal dieses offene Wort gestattet: Manchmal hat man den Eindruck, inzwischen wird fast nur noch das wahrgenommen, was an Negativem durch die Medien geistert. Was an guten Voraussetzungen gesetzt ist, scheint vergessen oder nicht mehr auszureichen.

Landwirte gesellschaftlich sehr angesehen

Beispiele gefällig? Aber gern: Der Beruf des Landwirts zählt in der Bevölkerung nach wie vor zu denen mit dem höchsten gesellschaftlichen Ansehen. Das bestätigen die jährlichen repräsentativen Umfragen.

Oder: Das Bild der Landwirtschaft mag in einigen Medien schlecht (oder besser: schlecht dargestellt) sein - aber längst nicht in allen. Lokale Redaktionen greifen die aktuelle Krise landesweit engagiert und sachlich auf. Krebserreger Fleisch? Glyphosat im Bier? Die Medien, die nicht auf die plumpe Anmache der Kampagne-Aktivisten hereinfielen, dürften in der Mehrheit gewesen sein.

Keine politischen Spielchen auf Rücken der Bauern

Bleibt die Politik. Unbestritten weht den Bauern der Wind von hier scharf ins Gesicht. Doch es gibt da auch keinen Geringeren als den Ministerpräsidenten, der sich vor den ISN-Mitgliedern für eine starke Schweinehaltung im Land ausspricht.


Und in der vorigen Woche rief der Landtagspräsident seine Kollegen auf, sich klar zur Landwirtschaft in diesem Land zu bekennen und politische Spielchen auf dem Rücken der Bauern zu unterlassen.

Das Glas ist viertelvoll

Endlich, könnte man verdrossen stöhnen. Oder: Das reicht nicht. Einverstanden, das Glas ist höchstens viertelvoll. Aber es ist eben zu einem Viertel voll - und nicht zu drei Vierteln leer.  So jedenfalls würde es der Landwirt sehen, wenn es um die Wirtschaft ginge.

In Sachen Öffentlichkeit gilt es aber genauso. Auf jeden Fall stärkt diese Sichtweise das Vertrauen, auch das noch packen zu können.

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