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Kommentar

Klimaschutz in der Landwirtschaft: Einfach mal anfangen

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
13.10.2016

Betriebsdaten optimieren und das Klima schützen. Über eine Klimabilanz nachzudenken kann sich für alle lohnen, findet LAND & Forst-Redakteurin Renate Bergmann.

Renate Bergmann

Noch mehr Schreibkram, noch mehr Auflagen und Kontrollen – das wird wohl so mancher denken, der in der LAND & Forst 41/16 ab Seite 12 das Thema der Woche „Klimaschutz“ liest. Doch so schlimm ist es nicht.

Erstens: Eine Klimabilanz für den eigenen Betrieb zu erstellen, ist freiwillig (und bleibt es hoffentlich auch). Zweitens: Warum sich gerade in Zeiten von Marktkrisen nicht einmal aus einem anderen Blickwinkel mit den Betriebsdaten auseinandersetzen?

Neue Ideen abseits von Leistungssteigerung und Kostenminimierung zu entwickeln, wird von Junglandwirten heute als Chance gesehen, das Bild in der Öffentlichkeit zu verbessern und gleichzeitig erfolgreich zu bleiben.

Betriebsindividuelle Klimabilanz ausweisen

Die betriebsindividuelle Klimabilanz auszuweisen, könnte so eine Chance sein. Das Signal an die Verbraucher wäre: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, betreiben Landwirtschaft auf so schonende Weise, dass Sie mit ruhigem Gewissen Fleisch essen können. Aber werden wir das Klima damit retten? Wohl kaum.

Die Bundesregierung will den Treibhausgasausstoß bis 2050 um 80 bis 95 % gegenüber 1990 reduzieren. Das ist, vorsichtig ausgedrückt, ambitioniert. Reduzierungen in Deutschland sind global gesehen der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Aber darum anderen Ländern den Schwarzen Peter zuzuspielen, ist etwas zu kurz gedacht.

Sicher, China und Indien haben einen deutlich höheren Gesamtausstoß als wir. Umgerechnet in Tonnen pro Einwohner kommen wir jedoch nicht gut weg. Es ist, wie immer, eine Frage der Perspektive. Doch wer selbst nichts tut, sollte andere nicht zum Handeln verdonnern.

Landwirtschaft ist von biochemischen Prozessen abhängig

Auf der anderen Seite: Der Entwurf des Klimaschutzplanes 2050 des Bundesumweltministeriums sieht für die Landwirtschaft eine Reduzierung von 70 Mio. (Stand 1990) auf 35 Mio. Tonnen (2050) Kohlendioxid vor. Das ist, auch bei Ausnutzung aller bekannter Minderungsmaßnahmen, nicht zu schaffen. Wir können Elektroautos fahren statt Benziner. Aber in der Landwirtschaft sind wir von biochemischen Prozessen abhängig.

Weder lassen sich die Wiederkäuer am Verdauen hindern noch Bakterien aus dem Boden verbannen. Um das Ziel zu erreichen, müssten wir Tierbestände und Stickstoffdüngung um die Hälfte reduzieren. Da die Weltbevölkerung trotzdem weiter wächst, wird die Nahrungserzeugung abwandern in Länder, wo wir weder Einfluss auf Haltungs- noch auf Produktionsbedingungen haben. Das wären dann ganz schlechte Aussichten – für das Klima und für unsere Landwirtschaft.

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