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Betriebsführung

Knapp und teuer

von , am
29.01.2014

Die Nachfrage nach Agrar- und Forstflächen durch Landwirte und Kapitalanleger ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wie der Markt sich in 2014 entwickeln könnte, lesen Sie hier.

Am Bodenmarkt sind für außerlandwirtschaftliche Käufer Grenzen nötig, meinen DBV und Agrarminister Dr. Aeikens. © DLG
Aufgrund der vielerorts stark gestiegenen Preise sind zudem immer seltener Flächen verfügbar, die nachhaltige, laufende Pachtrenditen von zwei Prozent und mehr ermöglichen. Eine Verschärfung des Grundstücksverkehrsgesetzes könnte eine weitere Einschränkung der Handelbarkeit von Agrarflächen mit sich bringen und dadurch Preisrückgänge für die Flächen nach sich ziehen“, lautet die Kalkulation des Finanzexperten Sandy Hotowetz von der Berenberg Bank auf einer Veranstaltung im Rahmen der DLG-Wintertagung in München.
Keine Sorgen macht sich der Anlagespezialist über die Marktlage und das Angebot an Flächen und Betrieben. "Aufgrund der vielen Betriebsnachfolgen wird sich auch das Angebot an Agrarbetrieben weiter erhöhen. Allerdings kommt ein Kauf kompletter Betriebe nur für einen sehr kleinen Teil der Kapitalanleger in Betracht", so Hotowetz. Für Anleger, die an Agrarinvestitionen interessiert sind, gibt es auch noch alternative Möglichkeiten.

Viele Betriebe suchen Kapital für die Flächensicherung und zur Umsetzung notwendiger Investitionen, um die Betriebe fit für die Zukunft zu machen. Trotz günstiger Zinsen ist eine Bankfinanzierung nicht immer die optimale Lösung. "Eine Kooperation mit einem Eigenkapitalgeber kann in vielen Fällen die wirtschaftlichere Lösung sein", erläutert der Finanzexperte.

Hotowetz sieht neben den klassischen Motiven der Investition in Land, nämlich die eigene Bewirtschaftung, Jagd oder Finanzanlagen, auch rechtliche und politische Faktoren, die Renditechancen beeinflussen.

Kaufpreissteigerungen könnten längst nicht mehr wegdiskutiert werden. Das bestätigte Dr. Ekkehard Wallbaum vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Magdeburg. Auffällig für Wallbaum ist der deutliche Kaufpreisanstieg nach der Finanzkrise ab 2007/2008. Eine Ursache der steigenden Preise liegt in der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten für Kapital.

Eigentümer sind zunehmend  gerade in den neuen Bundesländern nicht ortsansässig (auch nicht in Region oder Land). Ursache für den Regierungsvertreter ist unter anderem die durch die Rechtsprechung gedeckte Praxis des Grundstücksverkehrsrechts, das auch bei großen Betrieben bei einem Eigentumsanteil kleiner 50 Prozent Aufstockungsbedürftigkeit anerkennt und zu Gunsten des jeweiligen Betriebes eingesetzt wird.

Eigentum wird in Dimensionen auf den Bodenmarkt gehandelt (z. B. wenn eine Betriebsaufgabe oder -übergabe zu regeln ist), die für bäuerliche Familienbetriebe oder Junglandwirte in der Regel nicht finanzierbar sind. Auf der anderen Seite werden große Eigentumsblöcke für Kapitalanleger interessant. Als Konsequenz erhöhen sich bei Verkäufen die Chancen von Finanzinvestoren, die meist über mehr disponibles Kapital verfügen als landwirtschaftliche Mitbewerber. Wallbaum bestätigte auch, dass die für Kauf von Flächen oder Betrieben aufzubringenden Summen Dimensionen erreichen, die Interesse von überregionalen oder weltweit agierenden Kapitalanlegern wecken.

Die Einschätzungen, dass land- und forstwirtschaftlicher Grund- und Bodenmarkt seit Jahren ein vermehrtes Interesse erfährt, kann Jakob von Richthofen, Immobilienmakler in Springe, bestätigen. Die Sicherung der betriebsnotwendigen Fläche wird für die aktiven Betriebe von immer größerer Bedeutung. Für den Makler schießen die Pachten aufgrund der verbesserten Einkommenslage "durch die Decke" und die Kooperationen sind nach seiner Einschätzung weniger geworden.  Zum Teil hat sogar eine Verdoppelung des Preises stattgefunden.

Das Thema der außerlandwirtschaftlichen Investoren ist  schwierig einzustufen. Für ihn ist es in diesem Zusammenhang notwendig, den Begriff des Landwirtes zu definieren. Außerdem stellen sich dann die Fragen, wer ist also Landwirt und wer nicht? Wer darf kaufen und wer nicht? Welche Einkünfte dürfen für einen Erwerb genutzt werden?

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung geht von Richthofen von einem bleibendem Interesse am Bodenmarkt aus. Fraglich ist für ihn die Preisentwicklung. Außerdem könnte sich das Interesse an Investment ändern, wenn der Zinsmarkt anzieht und alternative Investments interessant werde. "Derzeit befinden wir uns in einem historischen Zinstief ", so von Richthofen. Unabhängig von der Zinspolitik geht der Flächenverzehr für Siedlungs- und Infrastrukturmaßnahmen weiter. Dadurch wird der Bedarf an Kompensations- sowie Umwelt- und Naturschutzflächen steigen. Fazit: Land ist nicht vermehrbar und bleibt knapp.
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