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Zukunft der Landwirtschaft

Krisenmanagement: Stärke zeigen

Externer Autor ,
am
26.11.2015

Der Druck von außen erreicht Ausmaße, die Betriebsleiter in der Landwirtschaft an ihre Grenzen bringen. Ein gutes Krisenmanagement ist gefragt. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan kommentiert.

Ein Dreiklang aus Wissen, Persönlichkeit und Kompetenz ist wichtig für die Karriere. Das führte die Landwirtschaftskammer dem Berufsnachwuchs auf ihrem Arbeitnehmertag während der Agritechnica vor Augen. Wie die Auszubildenden bei der Sache waren, bewies diese Frage aus dem jungen Publikum: Was passiert mit der Persönlichkeit, wenn jemand gegen seinen Willen Dinge tun muss, die er nicht vertreten kann?


Die Antwort von der Bühne passte in die typische Ausbildungssituation, die einem vermutlich als erstes in den Sinn kommt: sachlich und offen die Meinung sagen, im Gespräch bleiben und ähnliches - letztlich aber tun, was der Chef sagt. Beim zweiten Nachdenken wird plötzlich klar, dass die Frage des jungen Mannes nicht nur auf den Alltag eines Azubis passen könnte. Was, wenn sie ein Gefühl ausdrückt, das im Moment auch viele Betriebsleiter bewegt? Gestandene Landwirte, die Zweifel plagen, wenn ihnen Gesellschaft, Politik, Medien, Nachbarn, Lehrer ihrer Kinder ständig Vorhaltungen machen. Die sich fragen, wie fest sie hinter dem stehen können, was sie heute tun, oder hinter dem, was morgen von ihnen verlangt wird. Wenn jetzt die Betriebsergebnisse auf dem Tisch liegen, wird es nicht leichter, entschlossen zu sein.

Krisenmanagement gegen Krankheit

So viel weiß die Wissenschaft inzwischen: Menschen, die ständig gegen Widerstände arbeiten müssen, können krank werden. Krank nicht am Körper, sondern an der Seele. Die inneren Widerstände wirken dabei besonders stark. Für die Runden starker Männer am Stammtisch war dies bisher eher kein Thema, doch in modernen Unternehmerschulungen haben die Gefährdungen durch Burn-out und Depressionen schon lange ihren festen Platz.


Der Druck von außen erreicht inzwischen solche Ausmaße, dass nicht nur klassische „Managertypen“ von psychischen Folgen betroffen sind. Deshalb ist gut beraten, wer sich auch in dieser Hinsicht kritisch beobachtet und bei Bedarf professionelle Unterstützung sucht.

Guter Zukunftsplan in der Krise

Um mentale Probleme schon im Ansatz zu verhindern, hilft meistens ein guter Zukunftsplan - sofern er realistisch ist. Auch hier war es ein junger Landwirt, der auf der Agritechnica für einen besonders erfrischenden Denkanstoß sorgte. Der Ackerbauer aus England begründete seinen Optimismus mit einem Churchill-Zitat: „Verschwende niemals eine gute Krise“, soll der Staatsmann gesagt haben. Wir formulieren ähnlich, aber ziemlich dröge: In jeder Krise steckt auch eine Chance. Sollten am Ende die Briten mit mehr Biss an die Sache gehen? Mit richtig „guten“ Krisen kennen sie sich schließlich aus.

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