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Betriebsführung

Kulturlandschaft stark verändert

von , am
03.04.2013

In Niedersachsen hat sich der Maisanbau durch den Zubau von Biogasanlagen seit der EEG Novelle 2004 fast verdoppelt. Der Getreideanbau ging parallel dazu sehr stark zurück. Statistische Daten zu den Anbauverhältnissen aus 2012.

Der Maisanbau belegt in Niedersachsen ein Drittel der Ackerfläche. Ab diesem Jahr rechnen Fachleute nicht mehr mit einer Anbauausdehnung. © landpixel

Der Maisanbau ist seit 2004 um 300.000 auf 630.000 ha im Jahr 2012 gestiegen und nimmt das Ackerland inzwischen zu einem Drittel in Beschlag. Diese Entwicklung, die zudem von dem Wegfall der allgemeinen Stilllegungsverpflichtung begleitet war, hat sich auf die Fruchtfolge ausgewirkt.

Verstärkt wurde die Auswirkung durch Umwandlung von Grünland in Ackerland und nicht zuletzt durch den fortschreitenden Flächenverbrauch für die zunehmende Besiedlung einschließlich Ausgleichsmaßnahmen.

Die Anbauverhältnisse haben sich von 2003, dem Jahr vor dem Start der Bioenergieförderung, bis 2012 signifikant zugunsten des Maisanbaus verschoben, wobei die Intensität dieser Veränderung mit der regionalen Verteilung der Biogasanlagen korrespondiert. In den Landkreisen mit hoher Maisdichte wird inzwischen schon doppelt so viel Mais als Getreide angebaut. Hier liegt der Maisanteil an der gesamten LF bei über 40 %, in einem Landkreis über 50 %.

Diese Entwicklung ist nicht ohne Auswirkung auf die gesamten Anbauverhältnisse im Ackerbau geblieben. Um diesen Wandel in einem jährlichen Rhythmus nach Kreisen abbilden zu können, wurden die Daten der GAP-Direktzahlungsstatistik der Landwirtschaftskammer herangezogen. Da diese Daten erst ab einer Zeit nach dem Start der Bioenergiegewinnung zur Verfügung stehen, mussten zur Darstellung des Status quo in 2003 die Daten der amtlichen Agrarstatistik dienen.  

Die Auswertung dieser Daten ergibt, dass die Maiszunahme um 300.000 ha seit 2003 ausschließlich den Silomais betrifft und der Anbau von Körnermais einschließlich CCM dagegen stagniert. Weiterhin ist festzustellen, dass sich die Maiszunahme im Wesentlichen aus einer Verringerung des Getreideanbaus und der Flächenstilllegung sowie aus einer Zunahme des Ackerlandes durch Grünlandumbruch rekrutiert.

Soweit sich die Maiszunahme unter anderem aus einer Verringerung des Grünlandes ergab, scheint diese Entwicklung allerdings seit dem 2010 erlassenen Umbruchverbot gestoppt zu sein. Seit 2010 hat sich die Grünlandfläche auf gut 700.000 ha stabilisiert. Im Übrigen fällt eine parallel zur Grünlandverringerung erfolgte Zunahme des Ackergrasanbaus auf, die etwa der Hälfte der Verringerung entspricht und einen antragsstrategischen Hintergrund haben könnte.

Getreide der Verlierer

Größter Verlierer der Anbauentwicklung ist der Getreideanbau, der um 143.000 ha zurückgegangen ist. Hier hat sich auf der bis 2012 verbliebenen Getreideanbaufläche von nur noch 790.000 ha die Dominanz des Wintergetreides und davon des Winterweizens weiter erhöht, weil der Anbaurückgang weit überproportional beim Sommergetreide stattgefunden hat. Dass dieser Trend für 2012 nicht zutrifft, geht auf die erheblichen Auswinterungsschäden zurück, die zwangsläufig durch Sommergetreide und zu einem geringen Teil wohl auch durch Maisanbau ausgeglichen werden mussten. Von diesem temporären Ereignis abgesehen, spielt Sommergetreide eine immer geringere Rolle, Kulturen wie Hafer oder Sommermenggetreide fast keine mehr.

Die Entwicklung geht ganz eindeutig dahin, auf der stark verkleinerten übrigen Ackerfläche verstärkt hochwertige Kulturen wie Weizen und Raps anzubauen. Neu hinzugekommen ist der Anbau von Getreide als Ganzpflanzensilage (GPS). Dabei handelt es sich um spezielle Züchtungen von Roggen und Triticale, die in der Teigreife vorwiegend für Biogasanlagen einsiliert werden. Der GPS-Anbau zählt statistisch gesehen zum Futterpflanzenanbau und ist eine Alternative zum Silomais. Ebenfalls neu ist die Zwischennutzung durch Grünroggen als Substrat für Biogasanlagen. Statistisch bleibt der Grünroggen unerfasst.
 
Die erhebliche Zunahme des Rapsanbaus bewirkt im Nebeneffekt eine Auflockerung der durch die Maisausdehnung wesentlich enger gewordenen Fruchtfolge. Der besonders hochwertige Zuckerrübenanbau konnte sich trotz Zuckermarktordnung auf konstant 100.000 bis 110.000 ha behaupten. Leicht rückläufig entwickelt sich der Kartoffelanbau. Er ist inzwischen von über 120.000 auf unter 110.000 ha gesunken.

Die aufgezeigten Veränderungen von 2003 bis  2012 waren begleitet von einer sehr deutlichen Zunahme der beantragten Ackerfläche um über 90.000 ha und einer ähnlich deutlichen Abnahme der Grünlandfläche um knapp 70.000 ha sowie einer Verringerung der Stilllegungsfläche um annähernd 130.000 ha (Wegfall der Stilllegungsverpflichtung seit 2008). Diese enormen Ressourcen sind allerdings inzwischen ausgeschöpft. Denn die LF nimmt aufgrund Inanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke ab, die Ackerfläche nicht mehr weiter zu, sondern ebenfalls leicht ab und die Grünlandfläche bleibt konstant. Weiterer Flächenbedarf für Mais geht somit nur noch zu Lasten der übrigen Ackerkulturen, insbesondere zu Lasten der Getreidefläche.

Fazit

Das Bild unserer Kulturlandschaft hat sich seit der EEG-Novelle 2004 stark verändert. Maisfelder prägen heute stärker das Bild. Auf der übrigen Fläche findet eine Konzentration auf hochwertige Kulturen wie Winterweizen statt.

Die Getreideerzeugung ist so weit zurückgedrängt, dass Deutschland an der Schwelle zur Importabhängigkeit steht. Eine weitere Zunahme des Maisanbaus hängt zum einen vom noch möglichen Zubau an Biogasanlagen ab, zum anderen von pflanzenbaulichen Alternativen für deren Substratbedarf. Letzteres vergrößert jedoch nicht die Getreidefläche für Ernährungs- und Fütterungszwecke.

Zurzeit wird der aktuelle Bestand an Biogasanlagen erhoben, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Auszugehen ist von 1.400 Biogasanlagen gegenüber rund 1.300 Anlagen in 2011. Der anzunehmende erneute Zubau um 100 Anlagen könnte die für 2012 festgestellte weitere Maiszunahme um 25.000 ha erklären: Bis zu 20.000 ha würden dem zusätzlichen Substratbedarf dieser Anlagen entsprechen, die übrigen 5.000 ha könnten durch Auswinterungsschäden bei Wintergetreide bedingt sein.
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