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Betriebsführung

Landwirt zwischen Markt und Meinung

von , am
12.03.2013

Tierhalter zwischen den Anforderungen der nachgelagerten Fleischverarbeitung/-vermarktung und den Forderungen der Gesellschaft - um dieses Thema ging es beim 13. Forum Emsländischer Landwirte.

Die Aufmerksamkeit des Publikums war ihm in Meppen sicher, als er die jüngsten Lebensmittel-"Skandale" kommentierte: Udo Pollmer, bekannter und streitbarer Ernährungswissenschaftler.   © Diekmann-Lennartz

Wie Tierhalter hier ihren Weg finden können, wurde in Meppen auf der Gemeinschaftsveranstaltung von LWK, Beratungsgemeinschaft Meppen/Aschendorf und Volks- und Raiffeisenbanken im nördlichen Emsland von verschiedenen Seiten beleuchtet.  

Eine Einschätzung der Agrarmärkte gab es zu Beginn der Veranstaltung von Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LWK Niedersachsen. Er wies darauf hin, dass die aktuellen Diskussionen um mehr Tierwohl in der intensiven Tierhaltung erhebliches Konfliktpotential in sich trügen. Mehr Tierwohl heiße in den allermeisten Fällen auch mehr Kosten für die Produktion. Ob diese dann tatsächlich vom Markt wieder erlöst würden, sah er zumindest als fraglich an. Kritisch in diesem Sinne beurteilte er auch eine einseitige Förderung der Tierproduktion in Richtung "Bio".

Bio ist teure Nische

Der Markt für Bioprodukte sei aufgrund der hohen Produktpreise in Deutschland nur ein sehr begrenzter Markt. Eine Umstellung der Produktion ohne entsprechende Verbrauchernachfrage sah er als nicht zielführend an.

Wie er betonte, ist die Landwirtschaft jedoch auf Dauer auf einen Konsens mit der Gesellschaft angewiesen. Anforderungen/Ansprüche der Gesellschaft an die Tierhaltung würden über die Politik an die Landwirtschaft herangetragen oder kämen auch von Marktseite. Zu Letzterem nannte er das Beispiel Kastrationsverzicht.

Hier gebe es inzwischen jedoch das Problem, dass in den Niederlanden, die Vorreiter bei der Ebermast waren, die Menge des zu vermarkteten Eberfleisches schon an eine Grenze gekommen. sei. Quantitatives Wachstum ist derzeit vielfach nicht mehr möglich oder sinnvoll. Deshalb empfahl der Berater wachstumswilligen Betrieben, ihre innerbetrieblichen Leistungsreserven anzugehen und ggf. eine "Kriegskasse" aufzubauen.

Wenig Hoffnung auf bessere Preise machte den Veredlungslandwirten Dr. Wilhelm Uffelmann von der namhaften Roland Berger Unternehmensberatung. Sein Thema waren die Fleischmärkte in Deutschland und der EU.

Nach Einschätzung Dr. Uffelmanns ist das Wachstum bei den Discountern wie Aldi oder Lidl noch nicht am Ende. Die starke Konkurrenz im Lebensmitteleinzelhandel führe dazu, dass gerade Fleisch und Wurstwaren weiter genutzt würden, Käufer mit "Kampfpreisen" in die Läden zu locken. Ein weiteres Wachstum des Fleischkonsums in der EU werde es, so der Unternehmensberater, aber nicht mehr geben.

Durchschnitt reicht nicht

Da der Handel nicht bereit sei, mehr Geld für die Rohware Fleisch zu bezahlen, bleibe der Produktionskette bis zum Handel nur eine Optimierung der Kosten: "Mit Durchschnitt kommen Sie nicht mehr durch!" Da der Handel der "Flaschenhals" der Lebensmittelproduktion sei, müsse man hier ansetzen, wenn man neue Produkte mit höheren Qualitätsstandards oder auch einem Plus an Tierwohl an den Mann bringen wolle.

Zum Thema Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Produktion kam für ihn dann jedoch auch die Politik ins Spiel: "Die ‚neuen‘ Politiker wissen nicht, was sie tun. Es kann nicht sein, dass hier andere Maßstäbe gelten als in anderen Ländern."

Udo Pollmer, stimm- und wortgewaltiger Kenner der Ernährungsbranche, ist aus zahlreichen Auftritten im Fernsehen bekannt. Er räumte mit einigen Binsenweisheiten und Vorurteilen aus dem Bereich Lebensmittel/Ernährung auf. Er forderte von der Landwirtschaft, gegenüber dem Verbraucher mehr Mut und Selbstbewusstsein zu zeigen, wenn es um eine realistische Darstellung der Produktion geht.

Da Verbraucher aber nur noch wenig über Landwirtschaft wissen, müsse man dabei aber schon genau überlegen, wie die heutige Praxis vermittelt, wie Zusammenhänge dargestellt werden könnten.
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