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Kommentar

Landwirtschaft - ein Lebensgefühl, das in keiner Bilanz steht

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Carolin Hasemann-Bär, LAND & Forst
am
20.07.2016

Landwirtschaft ohne Emotionen geht nicht. Warum Gefühle eine ganze Branche tragen, beschreibt LAND & Forst-Redakteurin Carolin Hasemann.

Schon von weitem höre ich den Mähdrescher meines Vaters. Ich schaue aus dem Fenster. Das Scheinwerferlicht durchbricht die Dunkelheit. In der Küche bereiten wir das Abendbrot vor und kurze Zeit später sitzt die ganze Familie am Tisch.

Auch wenn es schon Mitternacht ist, wird bei kühlen Getränken, Brot und Wurst die erste Erntebilanz gezogen. Ich schaue in die Runde und fühle mich wohl.

Landwirtschaft nicht nur ein Wirtschaftszweig

Landwirtschaft ist eben nicht nur ein Wirtschaftszweig, der sich aus Zahlen, Daten und Fakten zusammensetzt. Es ist weit mehr. Ein Lebensgefühl, das sich in keiner Bilanz widerspiegelt. Es ist ein roter Faden, der sich durch die gesamte Branche zieht. Ein Gefühl, das alle eint.

Starke emotionale Aussagen auf Facebook

Das wird auch im sozialen Netzwerk Facebook deutlich. Auf unserer LAND & Forst-Seite sind Bilder mit starken emotionalen Aussagen besonders beliebt. Sie zeigen, wie groß die Liebe zur Landwirtschaft ist. Die erfolgreichste Botschaft mit knapp 300.000 erreichten Personen ist die von Jan-Henrik Schöne aus dem Vorstand der Niedersächsischen Landjugend: „Auch wenn die Milch 20 Cent kostet, geben die Bauern 100 Prozent für ihre Tiere.“

Weitere beliebte Motive sind: ein Landschaftsbild mit dem Titel „Die Liebe zum Land ist unendlich“ oder ein kleiner Liebesbrief an die Landwirtschaft, der sich mit den unterschiedlichen Empfindungen dieses Berufs beschäftigt.

Emotionen statt Sachlichkeit?

Emotionen spielen eine große Rolle. Sollten wir also sachliche Botschaften künftig nur noch emotional verpacken und an die Verbraucher schicken, um mehr Akzeptanz zu bekommen? Oder an die Politiker, um für mehr Verständnis zu werben? Schließlich steht auf den neuen Wahlplakaten der Grünen derzeit auch nur die simple Botschaft „Tierschutz: Saurichtig“.

So einfach funktioniert es sicherlich nicht. Dieser Weg wird kaum die sachlichen Diskussionen in der Agrarpolitik ersetzen oder für ein Umdenken in der Gesellschaft sorgen.

Das wunderbare Lebensgefühl teilen

Doch es ist eine von vielen Möglichkeiten, sich selbst und auch Kollegen mehr Selbstvertrauen zu schenken sowie den Zusammenhalt in unserer Branche zu stärken. Nehmen Sie sich also ab und an Zeit, sich und anderen dieses einzigartige und in Worten schwer zu beschreibende Lebensgefühl bewusst zu machen.

Ob am Küchentisch mit der Familie, mit Berufskollegen auf einer Messe oder eben auch in sozialen Netzwerken. Und vielleicht schaffen wir es, einen Bruchteil dieses wunderbaren Lebensgefühls nicht nur auf Facebook zu teilen.

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