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Verband der Landwirtschaftskammern

Landwirtschaftliche Betriebe "verbrennen" gerade Kapital

Geld auf dem Tisch
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
21.11.2016

Wenig Kapital auf Deutschlands Bauernhöfen: Dem Verband der Landwirtschaftskammern liegen jetzt für das Wirtschaftsjahr 2015/16 erste Zahlen vor.

Viele landwirtschaftliche Betrieb „verbrennen“ gerade Kapital.  Erste Auswertungen der Buchführungsabschlüsse für das Wirtschaftsjahr 2015/16 (1.7. bis 30.6.) vom Verband der Landwirtschaftskammern weisen auf „ verheerende“ Ergebnisse hin.Mit einem Unternehmensergebnis zwischen 50.000 und gut 70.000 Euro schnitten die Ackerbaubetriebe noch am besten ab.

Bei diesem Wert ist zu beachten, dass der Betrag für die auf dem Hof wirtschaftende Familie erzielt wird und Kranken- und Rentenversicherung und Steuern, zumeist für zurückliegende bessere Jahre, sowie private Abgaben und weitere Versicherungen wie auch Nettoinvestitionen zu finanzieren sind. Mit dem Betriebsergebnis muss zudem das Einkommen des Betriebsleiters und seiner Familie finanziert werden.

Landwirte "verbrennen" Kapital

Deutlich unter den Ackerbauern liegen die Veredelungsbetriebe wie Sauenhalter oder Schweinemäster mit einem Betriebsergebnis von um die 30.000 Euro. Für die Milchviehhalter, im betriebswirtschaftlichen Vergleich als Futterbaubetriebe bezeichnet, sah es mit 30.000 bis 40.000 Euro ebenso schlecht aus. Von einem derart geringen Betriebsergebnis bleibt nach Abzug aller Abgaben kaum genug zum Leben über. Die Betriebsleiter müssen daher auf Reserven zurückgreifen oder Substanz abbauen.

Besonders fatal sind die genannten Entwicklungen, da es auf der Kostenseite durchaus Entlastungen gegeben hat. So konnten beispielsweise Diesel oder Düngemittel preiswerter eingekauft werden, der Pflanzenschutzmittelaufwand wurde reduziert, bei den Milchviehbetrieben entfielen mit dem Auslaufen der Mengenregulierung die Kosten für zugekaufte Quote. Diese Einsparungen reichten nach ersten Auswertungen der Buchführungsabschlüsse aber bei weitem nicht aus, die Verluste durch geringere Preise aufzufangen.

Abwärtstrend auch für Ackerbauern befürchtet

Veredelungs- und Futterbaubetriebe benötigen über einen langen Zeitraum stabil hohe Erzeugerpreise, um zunächst die in der jüngsten Vergangenheit aufgelaufenen Verluste ausgleichen zu können. Sie sind damit von Gewinnen weit entfernt. Während es bei den Milchbauern ganz leicht nach oben geht, befürchten Betriebswirtschaftlicher nun auch für die Ackerbauern einen Abwärtstrend.

Die auf einigen Agrarmärkten zu beobachtende leichte Erholung kann daher noch längst nicht als Ende der Krise in der Landwirtschaft eingestuft werden. Im Gegenteil: Betriebswirtschaftler warnen für 2016/17 vor einem weiteren äußerst schwierigen Jahr für die deutschen Bauern.

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