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Erntebilanz

LWK Niedersachsen: Lehren aus dem Dürrejahr ziehen

Mais-Trockenschäden
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Werner Raupert, LAND & Forst
am
10.10.2018

Erst ein verregnetes und jetzt ein sehr trockenes Jahr. Die Bauern müssen sich an Extreme gewöhnen. Um die Erträge zukünftig zu stabilisieren, müssen alte Gewohnheiten überdacht werden, rät die LWK Niedersachsen.

Die Ernte-Pressekonferenz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen  (LWK) am Montag (8. Oktober) war geprägt von Schreckensmeldungen. Keine Kultur konnte der Dürre ohne Zusatzwasser widerstehen und reagierte mit zum Teil drastischen Mindererträgen. Das wird trotz der angestiegenen Produktpreise auch auf den Gewinn der Betriebe durchschlagen.

Erntebilanz-2018-LWK Niedersachsen

Nach Angaben des Kammerpräsidenten Gerhard Schwetje liegt der zweittrockenste und zweitheißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 hinter den niedersächsischen Landwirten. Und die Folgen sind dramatisch.

So verzeichneten Betriebe insbesondere auf den Sandböden in den nördlichen und nordöstlichen Regionen Niedersachsens drastische Ertragseinbußen. Am besten stehen laut Schwetje Betriebe mit Beregnungstechnik da, obwohl auch sie ein Ertragsdefizit nicht komplett verhindern konnten.

Deutliches Minus bei Getreide und Raps

„Eine so geringe Ernte wurde zuletzt 1976 eingefahren“, blickte der LWK-Präsident weit zurück.

  • Bei Getreide belief sich das Ertragsminus im Einzelfall auf bis zu 70 %.
  • Der durchschnittliche Hektarertrag nahm um 17,6 % auf 61 dt/ha gegenüber dem Vorjahr ab.
  • Insgesamt fiel die Getreideernte mit knapp 4,7 Mio. t um etwa 22 % geringer aus als 2017.

Erfreulich habe der Markt auf das auch global knappere Angebot reagiert, so Schwetje. Die Preise legten in Niedersachsen zwischen 6 und 14 % gegenüber dem Vorjahr zu. „Das kompensiert die Mindererträge bisher aber nicht“, relativiert Schwetje die Zahlen. Insgesamt errechne sich im Vergleich zu 2017 ein um 4,7 % geringerer Erlös je Hektar.

Enttäuschend war auch die Rapsernte. Die Hektarerträge verfehlten das Fünf-Jahres-Mittel um knapp 25%. Damit fiel der durchschnittliche Ertrag zum vierten Mal in Folge. Da auch der Rapspreis um etwa 2% unter Vorjahresniveau lag, ergibt sich damit ein Erlösrückgang je Hektar von 10%, nach einem Minus von 13% in 2017 und 8% in 2016.

Kartoffelernte: Rückgang um 25 %

Trotz intensiver Beregnung sind in Niedersachsen 2018 nur knapp 4,1 Mio. t Kartoffeln geerntet worden. Das entspricht einem Rückgang um 25 % im Vergleich zum Vorjahr.

ausgetrockneter Kartoffelbestand 2018

Die Erträge sind laut Schwetje von 485 dt/ha im Vorjahr auf aktuell 360 dt/ha abgesunken. Positiv sei, dass sich die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln gegenüber dem niedrigen Niveau von 2017 fast verdoppelt haben. „Da aber der überwiegende Teil der Knollen auf Vertragsbasis erzeugt wird, kommen diese besseren Preise nur zu einem kleinen Teil auf den Höfen an“, relativierte Schwetje.

Die Zuckerrübenerträge schwanken zurzeit je nach Region sehr stark zwischen 30 und 75 t/ha. „Die Landwirte stellen sich auf unterdurchschnittliche Rübenerträge, allerdings mit sehr süßen Rüben, ein“, lautet sein Zwischenergebnis.

Gravierende Auswirkungen beim Grünland

Trockenheit-Rinder-Weide

Für das Grünland berichtete Schwetje von „besonders gravierenden“ Auswirkungen der Trockenheit. Vielerorts hatten die ersten beiden Aufwüchse zusammengerechnet nur den Ertrag eines normalen ersten Schnitts Mitte Mai erzielt.
Auch die Herbstaufwüchse werden nicht die gewohnten Ertragsleistungen bringen. Er erwartet beim Grünland Ertragsausfälle von 30 bis 50 %.

Fokus zukünftig auf Sorten- und Kulturenmix

Die Konsequenzen bekommen insbesondere die Milchbauern zu spüren. Durch die geringen Erträge, aber auch durch die Verfütterung von Futterreserven im Sommer entstand auf vielen Betrieben eine große Futterlücke. „Auch die Maisernte half nicht, die Futterlücke zu schließen“, so Schwetje. Beim Silomais rechnet er im Durchschnitt mit etwa 30 % Ertragsausfall, beim Körnermais sogar mit 40 %. Am Ende blieb vielen Landwirten nur der Ausweg, vorzeitig Kühe und Jungvieh zu verkaufen.

Als „Renner“ habe sich die aufgrund der Futterkrise ins Leben gerufene Grundfutterbörse erwiesen. 1.600 Nutzer habe die Kammer registriert und 9.000 Aufrufe bei den Anzeigen.

Angesichts der schlechten Erfahrungen aus dem Sommer 2018 appellierte Schwetje an alle Betriebsleiter, den Fokus zukünftig auf einen Sorten- und Kulturenmix zu richten. Nur so könne man das Wetterrisiko auf mehrere Pflanzenarten mit unterschiedlichen Erntezeitpunkten verteilen.

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