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Bilanz

LWK Niedersachsen: Verlierer und Gewinner im Wirtschaftsjahr 2017/18

Kammerversammlung
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
30.11.2018

Das Wirtschaftsjahr 2017/18 ist für Veredler, Ackerbauern und Milchviehhalter in Niedersachsen unterschiedlich verlaufen. Hier die Bilanz der Landwirtschaftskammer.

Niedersachsens Landwirte schauen auf das Wirtschaftsjahr 2017/2018 je nach Betriebsform mit ganz unterschiedlichen Gefühlen. Schweinehalter und Ackerbauern hatten deutlich geringere Einkommen zu verzeichnen als in vergangenen Jahren. Milchviehhalter fuhren nach einer langen wirtschaftlichen Durststrecke ein akzeptables Resultat ein.

Der Präsident der LWK, Gerhard Schwetje, resümierte: "Im Durchschnitt aller Betriebe bedeutet das ein Ergebnis von 65.800 Euro." Die Differenzierung nach Betriebsformen zeige jedoch ein ganz unterschiedliches Bild.

Dämpfer für Ackerbaubetriebe

Einen Dämpfer hätten die Ackerbaubetriebe erhalten. Die durch Starkregen erschwerte Ernte 2017 brachte nicht nur unbefriedigende Erträge. Hinzu kamen deutlichen Preisrückgänge bei Speisekartoffeln und Zuckerrüben. In der Summe ließ das die Erträge der Marktfruchtbetriebe auf 52.000 Euro deutlich zurückgehen.

Damit bilde der Ackerbau erstmals das Schlusslicht im Ranking der Betriebsformen. In der Vergangenheit gehörte die Betriebsform regelmäßig zu den rentabelsten der Landwirtschaft.

Schweinehalter: Schmerzliche Einkommenseinbußen

Nicht viel besser erging es den Schweinehaltern. "Die Veredlungsbetriebe haben nach der wirtschaftlichen Konsolidierung des Vorjahres wieder einen Schuss vor den Bug bekommen", so der Kammerpräsident.

Eine sinkende inländische Nachfrage nach Schweinefleisch und niedrigere Erlöse aus dem Exportgeschäft hätten den Schweinemästern und Ferkelerzeugern schmerzliche Einkommenseinbußen beschert. Das Ergebnis von 57.000 Euro entspräche in etwa dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Deutlich bessere Einkommen im Futterbau

Lediglich für den Futterbau konnte Schwetje von deutlich besseren Einkommen berichten. Nachdem viele Milchviehhalter in den zurückliegenden Jahren hätten aufgeben müssen, habe sich die Situation am Milchmarkt entspannt. Ausgehend von dem sehr niedrigen Unternehmensergebnis des Vorjahres stieg der Wert auf 84.700 Euro.

"Nach einer sehr langen Durststrecke, die viele Betriebe an ihre existentiellen Grenzen gebracht hatte, konnten damit wieder Gewinne in der Milcherzeugung erzielt werden", bilanzierte Schwetje.

Ökobetriebe: Besondere Prämiensituation berücksichtigen

Zu den Ökobetrieben konnte der Kammerpräsident aufgrund der geringen Anzahl untersuchter Betriebe nur einen Trend skizzieren. Demnach liegt das Unternehmensergebnis der milchviehhaltenden Ökobetriebe mit 82.800 Euro auf ähnlichem Niveau wie bei den konventionellen Betrieben.

Um die beiden Wirtschaftsweisen vergleichen zu können, müsse aber die besondere Prämiensituation der Biobetriebe berücksichtigt werden. Die derzeit vom Land Niedersachsen gezahlte Ökoprämie von jährlich 240 Euro je Hektar stelle hier den Gleichstand sicher.

Zehn Prozent aller Betriebe in Verlustzone

In der Gesamtbetrachtung des Wirtschaftsjahres 2017/2018 kam der Kammerpräsident zu folgendem Fazit: "Die Entlohnung der im Betrieb eingesetzten Faktoren Arbeit und Kapital ist angesichts dieser Zahlen weiterhin unzureichend." Eine nachhaltige Rendite hätten nur überdurchschnittlich erfolgreiche Betriebsleiter erzielen können.

Deren Anzahl sei überschaubar. Nach den Berechnungen der Kammer hat lediglich die Hälfte der untersuchten Betriebe mit mindestens 60.000 Euro ein auskömmliches Einkommen erzielt. Ein Viertel der Betriebe erwirtschaftete ein Ergebnis von nur 30.000 Euro und weniger. Und fast zehn Prozent aller Betriebe lagen sogar in der Verlustzone.

Wenig Optimismus für laufendes Wirtschaftsjahr

Mit wenig Optimismus schaute Schwetje auf das laufende, von der Dürre gekennzeichnete Wirtschaftsjahr 2018/2019: "Nach unseren Prognosen wird die finanzielle Lage angespannt bleiben." Die Milchviehbetriebe würden das hohe Milchpreisniveau des Vorjahres nicht halten können. Die Preise für Ferkel und Schweinefleisch befänden sich deutlich unter dem Stand des Vorjahres.

Hinzu kämen die Auswirkungen des extrem trockenen und heißen Sommers 2018, unter denen besonders der Ackerbau, aber auch die Milchviehbetriebe zu leiden hätten.

Hofnachfolge: Reiz für die nachfolgende Generation

Ein Gewinn um die 65.000 Euro je Betrieb sei keine Grundlage für eine nachhaltige betriebliche Entwicklung, sagte Schwetje abschließend. Davon seien noch Steuern, Alters- und Krankenversicherungen, Leistungen für die Altenteiler und Neuinvestitionen zu bezahlen. "Wo ist da der Reiz für die nachfolgende Generation, den Familienbetrieb zu übernehmen?", fragte Schwetje eher rhetorisch.

Wenn sich eine solche Entwicklung fortsetze, laufe der Berufsstand Gefahr, viele selbständige Landwirtsfamilien zu verlieren.

Datengrundlage: 850 landwirtschaftliche Betriebe

Als Datengrundlage der genannten Zahlen diente eine repräsentative Stichprobe von 850 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (Testbetriebsnetz). Deren Jahresabschlüsse wertet die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung aus. Das berechnete Wirtschaftsjahr bezieht sich auf den Zeitraum 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018, bei Milchviehbetrieben vom 1. Mai 2017 bis 30. April 2018.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 49/18.

Mit Material von LWK Niedersachsen
LAND&Forst

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