Login
Betriebsführung

Mehr Schweine in Deutschland erfasst

von , am
28.08.2012

Nach den Ergebnissen der Maizählung 2012 wuchs der Schweinebestand gegenüber dem Vorjahr um 3,6 % auf 27,7 Millionen. Durch Änderung der Erfassungsgrenzen und Revision der Berichtskreise sind diese Ergebnisse nur sehr eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.

Die Zahl der Betriebe nimmt von Jahr zu Jahr ab, die durchschnittliche Bestandgröße aber stetig zu. © Bergmann

Durch eine Revision des Berichtskreises wurden im November 2011 und auch bei der Viehzählung im Mai 2012 weitere Schweinebestände berücksichtigt. Die Ergebnisie der Viehzähung spiegeln also nicht unbedingt einen Bestandszuwachs wider, sondern vervollständigen die Grundgesamtheit. Dies erschwert eine genaue Interpretation der Daten und die Prognosen zur weiteren Entwicklung der Schweinehaltung in Deutschland.

Präzisere Erfassung

Zur Zählung vom Mai 2012 werden von Statistischen Bundesamt keine Angaben gemacht, wie viele Schweine durch die Änderung der Betriebserfassung hinzugekommen sind. Vor allem die Resultate in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind davon betroffen. Letztendlich ist unklar, ob es eine Zunahme des Schweinebestandes gegeben hat, oder ob die Zunahme auf der Berücksichtigung neu in der Grundgesamtheit aufgenommener Betriebe/Betriebsteile zurückzuführen ist.

Die Vermutung liegt nahe, dass insbesondere bei Mastbetrieben eine Betriebsteilung vorgenommen wurde. Betriebe mit mehreren Betriebsteilen gelten als eine Ursache für die Untererfassung der Schweinehaltung in den vorhergehenden Viehzählungen. Damit könnten in dieser Kategorie zusätzliche Schweinebestände hinzugekommen sein, so dass der Zuwachs an Mastschweinen und Jungschweinen weniger einem Bestandswachstum zuzuschreiben wäre, als einer präziseren Erfassung. Es ist also möglich, dass der Bestand an Mastschweinen gegenüber dem Vorjahr und gegenüber November 2011 gleich geblieben, oder sogar geschrumpft ist. Eine Begründung dieser Annahme wäre der um 7,2 % bzw. fast 100.000 Tiere gesunkene Mastschweinebestand in den neuen Bundesländern von November 2011 auf Mai 2012. Zudem sanken die Schlachtungen von Schweinen inländischer Herkunft in den ersten fünf Monaten um knapp 200.000 Tiere.

Der Bestand an Zuchtsauen schrumpfte deutschlandweit binnen Jahresfrist um 1,4 % bzw. 30.000 Tiere. Der züchterische und produktionstechnische Fortschritt sowie die Leistungssteigerung aufgrund des Strukturwandels von kleineren zu größeren Sauenhaltungen können vermutlich diesen Rückgang ausgleichen. Somit dürften mindestens gleich viele Ferkel aus inländischer Erzeugung zur Verfügung stehen wie im Vorjahrszeitraum.

Jedoch scheint sich der Schwerpunkt der Ferkelerzeugung zu verlagern. In den neuen Bundesländern nimmt die Zahl der Zuchtsauen seit zwei Jahren zu, während in den alten Bundeländern seit 2007 ein Rückzug stattfindet.

Mehr Sauen im Osten

Auffällig ist der Anstieg der Kategorie ?nicht trächtiger Jungsauen? in den östlichen Bundesländern um 29 % gegenüber Mai 2011, was auf eine weitere Expansion der Ferkelerzeugung in dieser Region hindeutet. Scheinbar übernehmen ostdeutsche Zuchtbetriebe die im Westen wegfallenden Kapazitäten. Es ist sinnvoll, aufgrund der beschriebenen Unsicherheiten die Ergebnisse auf Länderebene zu betrachten.

Da vornehmlich Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen von der Revision betroffen sind, sollte bei den übrigen Bundesländern von unverzerrten Ergebnissen auszugehen sein. Hinsichtlich Bestand und Entwicklung kann Deutschland schon seit Jahren in die drei Regionen Nordwest, Ost und Mitte-Süd unterteilt werden.

Die Unterschiede sind aktuell sichtbar: Während in den östlichen Bundesländern der Schweinebestand moderat schrumpft oder wächst, kommt es in der Mitte und im Süden zu deutlichen Bestandsabstockungen. Nimmt man Schleswig-Holstein als Indikator für den nordwestdeutschen Raum, so ist dort der Rückgang nur gering. Aufmerksamkeit verdient vor dem Hintergrund der anstehenden Umstellung auf Gruppenhaltung die Entwicklung der Zuchtsauenbestände. Sowohl in Nordwestdeutschland als auch in den östlichen Bundesländern sinken die diese kaum, in Sachsen-Anhalt kommt es sogar zu einer markanten Ausdehnung um 12,5 % .

In den neuen Bundesländern werden teilweise Mastställe und Zuchtbetriebe von außergewöhnlicher Größe bewirtschaftet und aufgebaut. An den umfangreichen Rückgängen der Mastschweinebestände ist abzulesen, dass in den östlichen Bundesländern derzeit ein besonderes Augenmerk auf die Ferkelerzeugung gelegt wird. Im Gegensatz dazu wurden die Zuchtsauenbestände in der Mitte und im Süden Deutschlands erheblich abgestockt. Dies spiegelt sich auch in der Bestands-entwicklung von Ferkeln und Jungschweinen wider. Mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns und Bayerns wurden auch in den übrigen Bundesländern die Mastschweinebestände zurückgefahren.

Mit den Bestandsentwicklungen gehen Entwicklungen in der Betriebsstruktur einher. Die Anzahl Betriebe schrumpfte deutschlandweit um gut fünf Prozent. Beeinflusst durch die Umstellung auf Gruppenhaltung steigen im Vergleich zu den Vorjahren überproportional viele Betriebe aus der Ferkelerzeugung aus. In den westlichen Bundesländern sind es Veränderungsraten von zehn und mehr Prozent, aber auch in den östlichen Bundesländern gaben zwischen zwei und neun Prozent der Betriebe diesen Betriebszweig auf. Auch in der Schweinemast ist mit Ausnahme Sachsen-Anhalts die Anzahl der Betriebe rückläufig. In Beyern wurden die Mastschweinebestände zwar aufgestockt, aber im Vergleich zum Vorjahr haben knapp sieben Prozent der Schweinemäster den Betriebszweig aufgegeben.

Immer weniger Betriebe

Dass ein Ende des Strukturwandels noch bei weitem nicht in Sicht ist, verdeutlichen die Unterschiede in den Durchschnittsbeständen, die letztendlich Resultat von Bestands- und Betriebsentwicklungen sind: In Nordwestdeutschland ist der Durchschnittsbestand an Mastschweinen mit 500 - 700 Tieren noch deutlich von der aktuell relevanten Größe von Stallneubauten mit 1000 oder eher 2000 Mastplätzen entfernt. In Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern werden durchschnittlich 200 - 300 Mastschweine gehalten. Diese Größenordnung generiert grob geschätzt, bei einer Bruttomarge von cirka 15 Euro/Schwein und 2,5 Mastdurchgängen. 7.000 bis 11.000 Euro pro Jahr und Betrieb. Davon müssen der Tierarzt, Abschreibungen und Arbeit entlohnt werden; selbst im Nebenerwerb ist eine wirtschaftliche Fortsetzung des Zweiges unter diesen Umständen fragwürdig. Entsprechend ist davon auszugehen, dass weiterhin viele Betriebe aus der Produktion ausscheiden werden. In der Sauenhaltung ist die Kostendegression bei Größenwachstum gemäß den Untersuchungen des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) am Deutlichsten ausgeprägt.

In den östlichen Bundesländern wirtschaften die Betriebe mit durchschnittlich 1.000 bis 2.000 Mastplätzen oder mit 700 bis 1.000 Sauenplätzen bzw. 3.000 bis 5.000 Schweine je Betrieb. Die Veränderung der Durchschnittsbestände zeigt, dass auch dort noch Größenwachstum stattfindet.

Die Auswirkungen des Strukturwandels mag folgender Vergleich verdeutlichen: In Schleswig-Holstein gibt es ebenso viele Betriebe mit Schweinehaltung wie in allen fünf östlichen Bundesländern zusammen. In den fünf Bundesländern stehen jedoch 4,26 Mill. Schweine,  etwa 2,8-mal mehr als in Schleswig-Holstein.
Nachfolgend finden Sie die Abbildung und Tabellen zum Herunterladen:
Auch interessant