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Betriebsführung

Michviehbetriebe: Personal gesucht!

von , am
05.06.2013

Der Bauantrag für den nächsten Wachstumsschritt ist genehmigt, die Kosten sind kalkuliert, die Flächen- und Viehbeschaffung sind in "trockenen Tüchern". Doch was ist mit dem Produktionsfaktor Arbeit?

Zwei Drittel der befragten Betriebsleiter waren mit den Angestellten aus dem Ausland zufrieden oder sogar sehr zufrieden, ergab eine Studie.
Zu einer Aufstockung der Herdengröße - nicht selten geht es um eine Verdoppelung -  gehört auch die Aufstockung im Personalbereich. Die Suche von Mitarbeitern, die den Vorstellungen des Betriebsleiters entsprechen, ist das Eine. Diese für sich zu gewinnen ist das Zweite. Die Rubrik Stellenangebote in der LAND & Forst zeigt: Es gibt viele Betriebe, die Mitarbeiter suchen. Dem steht aber ein nur vergleichsweise geringes Angebot an Fachkräften gegenüber. Und dann kommt eine weitere Hürde: den oder die gefundenen Mitarbeiter auch dauerhaft zu halten. Dieses bedarf der richtigen Motivation und dem richtigen Führungsstil. Dabei geht es in erster Linie um die Kommunikation.
 
Immer wieder geht es um Kommunikation
 
Gibt es nicht genügend Gespräche und keinen Austausch, so kommt es zu Missverständnissen und Unmut am Arbeitsplatz, von Seiten des Mitarbeiters sowie von Seiten des Arbeitgebers. Kommunikation ist das A & O jeder erfolgreichen Mitarbeiterführung. Und das ist umso wichtiger, je größer die Mitarbeiterzahl ist. Denn der (Groß-)Betrieb läuft letztlich nur so gut, wie die Mitarbeiter für die Ziele des Betriebes motiviert werden können. Das bedeutet zum einen unmissverständliche Arbeitsanweisungen und zum anderen auch zu erläutern, warum etwas so gemacht werden soll und warum nicht anders. Erst wenn der Mitarbeiter um die Bedeutung der Arbeitsschritte weiß, besteht die Chance, dass er sie entsprechend ausführt.
 
Weiterhin ist es sehr wichtig, sich ausreichend Zeit für Gespräche mit den Mitarbeitern, vor allem fürs Zuhören zu nehmen. Das gibt dem Mitarbeiter ein Gefühl des "Sich-Verstanden-Fühlens" bzw. des "Sich-Ernstgenommen-Fühlens" und steigert dessen Motivation. Motivation - und das kennt jeder von uns - ist die Grundlage jeder Arbeitsleistung. Eine gute Arbeitsleistung des Mitarbeiters trägt maßgeblich zum Gewinn des Betriebes bei. Die Suche nach einer geeigneten Fachkraft beginnt schon bei der richtigen Formulierung der Anzeige. Diese sollte grundsätzlich das Interesse des Lesenden wecken. Dazu gehören ganze Sätze. Viele Anzeigen aber beschränken sich auf  fünf Wörter, wie etwa "Mitarbeiter für Milchviehbetrieb gesucht. Tel. …" . Spricht so eine Anzeige irgendjemanden an? Geht es vermutlich genauso wortkarg auch bei der Arbeit im Betrieb zu? "Zur Erweiterung unseres Teams suchen wir einen Kuhliebhaber" oder "200 schwarzbunte Hochleistungskühe suchen einen Melker, der gerne sorgfältig und zuverlässig arbeitet". Das  klingt schon ansprechender.
 
Mitarbeiter finden und dann auch halten
 
Der nächste Schritt ist, den Mitarbeiter zu halten. Dazu gehört allem voran eine gründliche Einarbeitung. Der Mitarbeiter wird die ihm übertragenen Aufgaben nur so gut ausführen können, wie er sie vermittelt bekam. Der Mitarbeiter ist hier aber genauso gefordert wie der Betriebsleiter, nämlich bei allen Unklarheiten Fragen zu stellen. Nur durch eine von beiden Seiten  ausreichende Kommunikation können Missverständnisse vermieden werden. Dem Gehalt kommt eine sehr große Bedeutung zu. Es sollte der Tätigkeit und der Position des Mitarbeiters entsprechen. Es sichert nicht nur die Lebensgrundlage, sondern verkörpert auch Wertschätzung und Respekt für die geleistete Arbeit.
 
Gehalt ist Motivation!
 
Ein zuverlässiger, engagierter Mitarbeiter bringt letztlich immer mehr als er kostet. Deshalb sollten die letzten 100 € monatlich mehr oder weniger keine Rolle spielen. Im Gegensatz dazu kann ein vermeintlich "billiger", da eher mäßig bezahlter Mitarbeiter, der uneffektiv im Betrieb eingesetzt wird, durchaus diesen Betrieb deutlich mehr Geld kosten als sein Gehalt. Grundsätzlich gilt: Wenn man mit Tieren arbeitet, ist der Arbeitstag erst dann beendet, wenn auch die letzte Arbeit getan ist. Das geht eben nicht immer einher mit absolut geregelten Arbeitszeiten. Aber gerade für Mitarbeiter sind solche sehr wichtig. Gerade aus diesem Grund sollten Betriebsabläufe so  organisiert werden, dass nicht nur der Beginn des Arbeitstages geregelt ist, sondern eben auch weitestgehend das Ende eines solchen.
 
Ausnahmen bestätigen die Regel, aber es müssen tatsächlich Ausnahmen bleiben, denn jeder Mitarbeiter hat, wie auch jeder Familienmitarbeiter, ein Recht auf Freizeit. Freizeit gibt jedem Menschen die Möglichkeit, sich einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen. Das ist wichtig für die Gesundheit und für die Motivation und erhält letztlich auch die Arbeitskraft.
 
Klare Regelungen sind auf jeden Fall notwendig
 
Sinnvoll ist es auch, mit dem Mitarbeiter eine feste Stundenzahl im Monat zu vereinbaren, auf die sich das Gehalt bezieht. Zweckmäßig ist das Führen eines Stundenkontos, in dem tägliche Arbeits- und Pausenzeiten eingetragen werden. Bei einer halb- oder ganzjährigen Bilanz wird geklärt, wie evtl. vorhandene Überstunden abgebaut werden können. Somit hat jede Arbeitsstunde des Arbeitnehmers eine Wertschätzung erfahren und er ist außerdem leichter bereit mal die eine oder andere Stunde länger zu bleiben, wenn etwas Besonderes im Betrieb anliegt.
 
Weiterhin sollte es in jedem Betrieb klare Regelungen geben, wie betriebliche Telefonate mit Privathandy oder betriebliche Fahrten wie beispielsweise zum entfernt gelegenen Jungrinderstall mit dem privaten PKW abgerechnet werden. Da gibt es viele Möglichkeiten. Die einfachste wäre, genau Buch über gefahrene Kilometer führen und die Handyrechnung vorlegen zu lassen. Wichtig ist dabei nicht so sehr, wie, sondern dass gerecht abgerechnet wird. Nicht zuletzt sollte auch auf Geselligkeit geachtet werden, trägt diese doch maßgeblich zum Wohlbefinden und damit zur Motivation aller im Betrieb Tätigen bei. Ob dieses durch eine täglich gemeinsame Mahlzeit, eine "Nach-Feierabend-Runde" oder ähnliches geschieht, bleibt da eher zweitrangig. Ein jährlich stattfindendes Betriebsfest kann und sollte regelmäßiges Beisammensein nicht ersetzen.
 
Die Forschung hat zwei Hauptbestandteile für gute Mitarbeiterführung herausgearbeitet, nämlich das "Entwickeln einer Struktur" und "Aufmerksamkeit". Mitarbeiter können ihre Vorgesetzten nach diesen Gesichtspunkten bewerten und Führungskräfte können sich selbst prüfen inwieweit sie diesen Anforderungen gerecht werden. Der Betriebsleiter muss zum einen angemessene Strukturen aufbauen und aufrechterhalten. Das bedeutet:  Ziele und Zeitpläne festlegen, Aufgaben zuweisen, die erforderlichen Informationen und Mittel bereitstellen und generell für effiziente Arbeitsabläufe sorgen. Sinnvoll ist dabei, die Arbeitsanweisungen schriftlich, in kurzen, unkomplizierten Sätzen zu formulieren und sie möglichst sichtbar an den Arbeitsplätzen anzubringen. Das erleichtert dem Mitarbeiter die Selbstkontrolle. Auch können Fehler und Missverständnisse so vermieden werden.
 
Regelmäßige Besprechungen für Transparenz
 
Das Entwickeln solcher Strukturen benötigt Zeit und ist ein kontinuierlicher Prozess. Ändert sich etwas im Produktionsablauf oder in der Mitarbeiterzusammensetzung, so muss auch die Struktur neu angepasst werden. Wenn die Mitarbeiterzahl entsprechend groß ist, sollten außerdem Schichtpläne erstellt werden, um Übersicht für beide Seiten zu gewährleisten und um versehentlichen Personalengpässen vorzubeugen. Auch das fordert zusätzliche Zeit des Betriebsleiters oder des Herdenmanagers.
 
Sinnvoll ist, und das gilt nicht nur für "Großbetriebe" mit mehreren Mitarbeitern, eine morgendliche Besprechung (mit allen Mitarbeitern!) über anstehende Arbeiten am Tag bzw. in den nächsten Tagen. Das schafft Transparenz für die Arbeitsabläufe, die nicht selten ineinander greifen, und die Mitarbeiter haben die Möglichkeit sich einzubringen oder Teams für anliegende Arbeiten zu bilden.
 
Der zweite Hauptbestandteil einer guten Mitarbeiterführung ist die Aufmerksamkeit. Eine gute Führungspersönlichkeit zeigt Interesse am Wohlergehen der Mitarbeiter, hört zu, akzeptiert Verbesserungsvorschläge und äußert Lob für gute Arbeit. Lob, das ist Anerkennung und Wertschätzung im gesprochenen Wort. Es lässt den Mitarbeiter Freude an der Arbeit haben und bewahrt davor, dass er sie nur notwendigerweise erledigt oder gar als lästige Pflicht empfindet. Lob ist darüber hinaus die preiswerteste Motivation. Allem Lob sei vorausgesetzt, dass der Mitarbeiter lernwillig und teamfähig ist sowie eine hohe Arbeitsbereitschaft mitbringt.
 
Menschen sind verschieden, so auch jeder Mitarbeiter. Das erfordert eine individuelle Ansprache. Grundsätzlich darf nicht vergessen werden,  dass das Verhalten einer Führungskraft unmittelbare Auswirkungen auf die Gefühle und damit die Motivation und folglich auf die Arbeitsleistung der Mitarbeiter hat. Der Betriebsleiter sollte sich Zeit für seine Mitarbeiter nehmen, für Arbeitsanweisungen genauso wie für persönliche Gespräche, und zwar umso mehr, je größer die Mitarbeiterzahl ist. Oftmals wird das Personalmanagement im Konw-how und die Arbeitsorganisation im Zeitbedarf unterschätzt. Es gibt nicht selten Unruhen und leider auch eine hohe Fluktuation an Mitarbeitern. Mit strukturiertem Denken und dem Bewusstsein, dass zwar alle Mitarbeiter verschieden sind, aber alle positiv auf Lob reagieren, ist jeder Arbeitgeber auf dem richtigen Weg.
 
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