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Interview

Milchviehhaltung: Jeder Betrieb muss seine Strategie entwickeln

Jan-Gerd Ahlers, LAND & Forst
am
26.07.2016

Welche Strategie sollten Milchviehbetriebe fahren? LAND & Forst sprach mit Hans-Günther Diefenbach, Beratungsring Rindviehhaltung Friesland Wilhelmshaven.

Schlechte Zeiten für Milchviehhalter und höchste Zeit für die einzelnen Betriebe, die Kosten zu überprüfen und wo es geht zu regulieren. Die LAND & Forst hat mit Hans-Günther Diefenbach vom Beratungsring für Rindviehhaltung Friesland Wilhelmshaven gesprochen.

2013/14 wurden von den Futterbaubetrieben gute Gewinne eingefahren und hohe Steuerlasten waren abzufangen. Also wurde gekauft?

Da waren Investitionen bzw. Investitionsabzugsbeträge dann ein probates Mittel. Und das ging am einfachsten und schnellsten über Maschinen und Geräte. Auch 2014/15 wurde noch viel investiert, obwohl die Milchpreise bereits deutlich rückläufig waren.

Hinzu kamen höhere Ausgaben bei den Betriebsmitteln. Das führte dann zu einem starken Gewinneinbruch. Und dann kam 2015/16 mit dem drastischen Milchpreisrückgang.

Wie hoch muss der Milchpreis sein, damit die Betriebe noch Eigenkapital bilden können?

Wir brauchen je nach Betrieb einen Grundpreis von 32 bis 35 Ct je kg, um dieses Ziel ansatzweise zu erfüllen. 2014/15 kam es bereits bei über 35 Ct Bruttoauszahlungspreis bei dem Großteil der Betriebe zu Eigenkapitalverlusten.

Nur das obere Viertel der Betriebe bildete entsprechendes Eigenkapital, das untere Viertel hat  den Privatverbrauch schon aus der Substanz oder auch unbemerkt über Kredite finanziert.

Bei den niedrigen Milchpreisen ist selbst bei bestem produktionstechnischem Können ein Abrutschen der Kontostände nicht zu vermeiden. Was ist also zu tun?

Das gesamte Betriebsmanagement muss auf den Prüfstand. Die allerkleinsten Schrauben sind anzuziehen. Wer jetzt noch an den großen Schrauben drehen muss, hat ein größeres Problem. Alle Dinge, die ineffizient sind, müssen hinterfragt werden. Gesamtwirtschaftlich sollte auf jeden Fall die Milchmenge nicht weiter gesteigert werden. Der Ausspruch: „Solange die  Direktkostenfreie Leistung in der Milchproduktion positiv ist, muss weiter drauf losgemolken werden“ ist zu kurz gesprungen und verlängert die Krise nur. Rentabilität steht deutlich hinter der Liquidität. Der Erhalt der Zahlungsfähigkeit ist aktuell die wichtigste Maßnahme. Sämtliche betriebliche Vorgehensweisen sind dem Erhalt dieser Zahlungsfähigkeit unterzuordnen.

Das Interesse der Landwirte an der monatlichen Produktionskontrolle steigt, die Daten sollen zeitnah schwarz auf weiß haben vorliegen. Die ersten Buchabschlüsse 2015/16 waren so früh fertig wie noch nie, das zeigt die Notwendigkeit einer umfassenden und zeitnahen Geldflussrechnung. Hierzu muss der Landwirt frühzeitig seine Abschlussdaten zusammenstellen und auch die Steuerbüros müssen mitziehen.

Erforderlich wird aktuell ein Liquiditätsplan für die nächsten zwölf Monate. Mit Überbrückungskrediten und Tilgungsaussetzungen versuchen wir wieder, in bessere Zeiten zu kommen.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 30/2016 auf Seite 10. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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