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Betriebsführung

Milchwirtschaft optimistisch für 2013

von , am
20.03.2013

Die hiesige Milchwirtschaft ist gut aufgestellt. Dabei ist die Wertschöpfung nicht nur regional, sondern zunehmend global mit Vermarktungswegen zu erzielen, die weiter optimiert werden müssen.

Udo Folgart: "Milchprodukte müssen dort vermarktet werden, wo Geld zu verdienen ist". © DBV

Die Futterkosten der Landwirte mit Milcherzeugung sind in den vergangenen Jahren um mehr als 45 % gestiegen. Vor diesem Hintergrund gehe kein Weg daran vorbei, dass auch die Verbraucher diese Kostensteigerungen mittragen. Das betonte Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), vorige Woche beim Berliner Milchforum. Die Milcherzeuger sind laut Folgart optimistisch: "Sie nehmen die Herausforderungen an und betrachten seine Entwicklung als Chance".

Ein guter Milchpreis sei nur dann möglich, wenn der Heimatmarkt verteidigt und gleichzeitig der Exportmarkt beackert werde. Eine Absage erteilte Folgart indes der „"ückwärtsgewandten Entscheidung" des EU-Parlaments, nach Auslaufen der Milchquote ein neues staatlich verordnetes Milchmengen-Regime etablieren zu wollen. Dagegen begrüßte er, dass das EU-Parlament dem Kommissionsvorschlag folge, ein funktionierendes Sicherheitsnetz fortzuführen.

Der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, erwartet vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage auf dem Weltmarkt steigende Milchpreise, die aufgrund der deutlich angestiegenen Produktionskosten aber auch unverzichtbar seien.
Hinsichtlich des anstehenden Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA hob Engel hervor, dass die Milchwirtschaft in erster Linie von offenen Märkten profitiere. Letztendlich komme es aber darauf an, wie Freihandelsabkommen im Detail ausgestaltet seien.

Die internationalen Wettbewerbschancen der europäischen Milchwirtschaft sind auch mit Blick auf die 2015 auslaufende Milchquote gut. Davon ist die Referentin der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission, Brigitte Misonne, überzeugt. Sie stellte das bis 2020 geltende Milchpaket vor. Es zielt darauf ab, die Stellung von Milcherzeugern in der Versorgungskette zu festigen und den Sektor auf eine stärker am Markt orientierte und nachhaltige Zukunft vorzubereiten.

Der Milchsektor soll die notwendige Freiheit bekommen, um die Chancen einer steigenden Nachfrage zu nutzen. Gleichzeitig bleiben Instrumente erhalten, die ein Sicherheitsnetz für Krisenzeiten gewährleisten.
Misonne kündigte für Ende Juli 2013 einen Expertenbericht sowie für September eine Konferenz der Kommission zur Zukunft des europäischen Milchmarktes an. Diese Studie über zukünftige Entwicklungen im Milchsektor werde von sechs internationalen Wissenschaftlern erarbeitet, darunter  Prof. Ludwig Theuvsen von der Uni Göttingen. Zu den wichtigsten Themen gehören Marktgleichgewicht und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Milchwirtschaft sowie nachhaltige Milchproduktion.

Die Regelungen für den Milchsektor werden in der Verordnung über eine gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse festgelegt.  Das Ziel ist dabei, den Weg der Marktausrichtung konsequent fortzusetzen, um den Milchstandort Deutschland zu stärken,  erklärte der Abteilungsleiter Ländliche Entwicklung und Agrarmärkte im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Theodor  Seegers.

Eine steigende Wertschöpfung sei über noch stärkere Veredelung mit innovativen Molkereiprodukten möglich. Deshalb hänge die Zukunft der deutschen Milchwirtschaft entscheidend davon ab, ob sie sich auf Exportmärkten behaupten könne. Deutschland exportierte im vergangenen Jahr Milcherzeugnisse im Wert von 8,2 Mia. €. Das stabilisiert den Milcherzeugerpreis im Gegensatz zu staatlichen und halbstaatlichen Mengenregelungen.
Seegers  rechnet auch nach Wegfall der Milchquote nicht mit einer "Explosion der Produktion in Deutschland", selbst wenn bereits viele Milchbauern "in den Startlöchern stehen", um ihre betriebliche Produktion auszuweiten.

Die Geschäftsführerin der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB), Monika Wohlfarth, berichtete von grundlegenden Veränderungen am Milchmarkt. Dazu gehören stärker schwankende Preise als in der Vergangenheit mit einem leichten Trend nach oben.
Besonders auffällig sei die steigende Nachfrage nach Milchprodukten in Schwellenländern mit einem zuvor geringen Verbrauchsniveau. Das Nachfragewachstum wird sich voraussichtlich auch künftig auf diese Länder mit wachsender Mittelschicht konzentrieren.
Das Wachstum der weltweiten Milcherzeugung hat sich in der jüngsten Vergangenheit beschleunigt. Seit 2005 steigt der Milchverbrauch pro Kopf weltweit an. Das habe Produktionssteigerungen in allen Produktkategorien zur Folge gehabt, von denen die europäische Milchwirtschaft unterschiedlich stark habe profitieren können. Besondere Wachstumsraten habe es bei der Käse- und Vollmilchpulverproduktion gegeben. Die Ausweitung der Produktion geht einher mit einem ausgeprägten Strukturwandel auf Erzeugungs- und Verarbeitungsebene.

Die Bedeutung von Entwicklungs- und Schwellenländern werde für europäische Milchproduzenten und -verarbeiter deutlich zunehmen, erklärte der Geschäftsführer von Arla Foods Deutschland, Tim Jorgensen. Arla habe deshalb eine bis 2017 angelegte globale Strategie definiert, die drei Kernpunkte umfasse: Mehr Wachstumssteigerung außerhalb der EU-Märkte, Effizienzsteigerung und Weiterentwicklung der bereits etablierten globalen Marken. Arla erwartet für die kommenden Jahre international ein "signifikantes Rohmilchwachstum", wodurch sich der Druck auf europäische
Genossenschaftsunternehmen weiter erhöhen werde. Man stelle sich deshalb darauf ein, künftig 1 Mio. t bis 2 Mio. t zusätzlicher Rohmilch verarbeiten zu können. Es gehe für Arla darum, seinen rund 12.000 Lieferanten aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Belgien und Luxemburg eine hohe Wertschöpfung und weiteres Wachstum zu ermöglichen.

Landwirt Frans Keurentjes, Aufsichtsratsmitglied von Friesland Campina, stellte seine Molkerei vor. Der Milchpreis setzt sich aus einem Garantiepreis, einen Leistungszuschlag und bei gegebenen Voraussetzungen einem Weidegangzuschlag von 0,5 Ct zusammen. "Weidegang macht Milchviehhaltung sichtbar", so der Landwirt und das würde dem Image zugutekommen. Den ausgezahlten Zuschlag müsse man sich am Markt holen.

Stefan Dürr sprach über den Milchmarkt in Russland. Sein Unternehmen produziert 300 t Milch täglich und ist damit der größte Produzent in Russland. Die Unterversorgung des Marktes mit Rohmilch und 15 % Einfuhrzoll haben zu einem Milchpreisniveau von  5 bis 10 Ct über dem Preis in Deutschland geführt. Seiner Einschätzung zufolge wird Russland auch in den nächsten zehn Jahren Nettoimporteur von Milchprodukten bleiben.
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