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Betriebsführung

Der nächste Börsentermin kommt

von , am
23.05.2013

Der Preisabsturz beim Übertragungstermin für Milchquoten am 1. April brachte bei Anbietern und Nachfragern viele Fragen auf. Wir haben zusammen mit einem Experten nach Antworten gesucht.

Der nächste Verkaufsstellentermin für Milchquoten ist der 1. Juli. © Mühlhausen/landpixel
Zum Übertragungssystem von Milchquoten fragte LAND & Forst-Redakteur Jan-Gerd Ahlers den Leiter der Übertragungsstelle für Milchquoten in Hannover Dieter Welkerling.
 
Herr Welkerling, warum betrug der Gleichgewichtspreis beim letzten Börsentermin am 1. April denn nicht 2, sondern nur 1 Ct/kg?

Nach der ursprünglichen Definition des Gleichgewichtspreises (GGP) hätte dieser tatsächlich bei 2 Ct/kg gelegen. Bei dieser Preisstufe wurde der kleinste Mengenunterschied zwischen Angebot und Nachfrage errechnet, ohne Berücksichtigung, ob es sich um eine Angebots- oder Nachfragemenge gehandelt hat. Dieser Umstand wurde mit der Verordnungsänderung im Jahr 2002 dahingehend geändert, dass der maßgebliche GGP bei der nächstniedrigeren Preisstufe liegt, bei der die Nachfragemenge erstmals die Angebotsmenge übersteigt.

Erfolgreiche Nachfrager erhalten nicht die volle Menge...

Diese Situation erweckt den Eindruck eines Systembruchs. Da betrug die Gesamtangebotsmenge am 1. April 2013 genau 116,5 Mio. kg mehr wie die nachgefragte Menge - und trotzdem erhält jeder erfolgreiche Nachfrager zunächst weniger als seine nachgefragte Menge. Über die tatsächlich zugeteilte Menge entscheiden nicht die Gesamtnachfrage und das Gesamtangebot, sondern die Mengenverhältnisse zum GGP. Weil dieser GGP als die erste Preisstufe definiert ist, bei der die Nachfrage das Angebot übersteigt, kann einem erfolgreichen Nachfrager nicht die volle nachgefragte Menge zugeteilt werden. Diese Fehlmenge ist in ihrer Höhe vor dem Übertragungstermin nicht vorhersehbar. Sie unterlag in der Vergangenheit sehr starken Schwankungen. Bisher konnten geringe Fehlmengen meistens durch die kostenlose Landesreserve ausgeglichen werden.

Kann einem erfolgreichen Anbieter eine (Teil-) Menge zurückgegeben werden?

Das ist in einem besonderen Fall möglich! Liegt beim Zwischenpreis der kleinste Mengenunterschied von Angebot und Nachfrage bei 1 Ct/kg, dann beträgt der GGP ebenfalls  1 Cent, auch wenn dabei die Angebotsmenge größer ist als die Nachfrage. In diesem Fall passiert dann das, was ansonsten vermieden werden soll, einem erfolgreichen Anbieter wird, manchmal auch eine sehr geringe Menge, zurückgegeben. Diese Menge muss der Anbieter dann, gegebenenfalls beim nächsten Übertragungstermin, erneut anbieten, sofern er sie nicht selbst nutzen will.

Kann man ein Abgabeangebot unter 1 Ct/kg abgeben?

Das Milchbörsensystem sieht nur Preisstufen von ganzen Cents vor, beginnend bei einem Cent. Ein gegen Null tendierendes  Angebot wäre (aus Anbietersicht) nicht sinnvoll. Andererseits sind Anbieter mit einer Preisforderung von 1 Ct/kg bei diesem System  immer erfolgreich.

Kann der Quotenpreis denn in der Praxis unter 1 Ct/kg fallen?

Nein, weil sowohl für Abgabeangebote als auch für Nachfragegebote 1 Ct als niedrigste mögliche Preisstufe in der Verordnung zugelassen ist.

Kommt eigentlich immer ein Handel zustande?

Dass im Übertragungsverfahren überhaupt kein Handel zustande kommt, ist nur für den Fall denkbar, dass es im ganzen Übertragungsgebiet überhaupt kein Angebot oder überhaupt keine Nachfrage gibt. Diese ist aber auf Grund der Bestimmungen in der Milchquotenverordnung (unverzügliches Verkaufsgebot bei Pachtrückgaben und der Möglichkeit der Superabgabe) kaum vorstellbar.

Muss denn ein nicht erfolgreicher Anbieter beim nächsten Termin erneut ein Abgabeangebot einreichen?

In seinem Abgabeangebot gibt der Antragsteller an, für welchen Übertragungstermin dieses gelten soll. Ist er bei diesem Termin nicht erfolgreich, muss er - sofern er immer noch zu einem Verkauf bereit ist, für einen späteren Termin einen neuen Antrag stellen. Bei der Verkaufsmenge und dem verlangten Mindestpreis sollte der Anbieter die bis dahin erfolgte Preisentwicklung berücksichtigen.

Gibt es einen Preiskorridor?

Ja, aber nur noch theoretisch! Der Preiskorridor würde gemäß Verordnung greifen, wenn die größte Mengen-übereinstimmung von Angebot und Nachfrage bei der Preisstufe 30 Ct oder höher läge. Da dieses Preisniveau wohl für immer der Vergangenheit angehört, müssen Nachfrager z. Zt. nicht befürchten, wegen dieses Korridors bzw. wegen eines zu hohen Preisgebotes vom Übertragungsverfahren ausgeschlossen zu werden.

Kann ein Anbieter oder Nachfrager 2 Gebote einreichen?

Nein. Der eine oder andere Nachfrager würde gerne ein Nachfragegebot für eine dringend benötigte Menge mit einem höheren Preis abgeben und einen weiteren Antrag mit einem geringeren Preisgebot stellen. Die Milchquotenverordnung lässt für jeden Antragsteller nur ein Abgabeangebot oder ein Nachfragegebot zu, an das er dann nach Eingang bei der Übertragungsstelle gebunden ist.  Eine Rücknahme ist nicht mehr möglich, auch nicht bis zum Einreichungstermin.

Macht bei so niedrigen Preisen noch eine Bürgschaft Sinn?

Die Milchquotenübertragungsstellen dürfen die Auszahlung an die Anbieter nur vornehmen, wenn alle Einzahlungen der Nachfrager eingegangen sind. Da die Übertragungsstelle für Milchquoten beim Zahlungsverkehr nur treuhänderisch tätig wird, ist auf Grund der in der Verordnung vorgegebenen Termine ein sicherer, zeitnaher und vollständiger Zahlungseingang unbedingt erforderlich, also eine Bankbürgschaft oder eine vergleichbare Sicherheit.
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