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Betriebsführung

Den Nährstoffkreislauf schließen

von , am
01.04.2014

In den Veredlungsregionen Niedersachsens fallen mehr Nährstoffe an als dort für die Düngung benötigt wird. Dieser Überschuss lässt sich im östlichen Niedersachsen sehr gut zur Düngung einsetzen.

Der Bau von Behältern in Veredlungs- oder noch besser in Ackerbauregionen ist notwendig, um mit organischen Düngern zu pflanzenbaulich optimalen Terminen düngen zu können. © Kowaleswkiy
Die Nährstoffe in Regionen mit Düngerbedarf zu transportieren, verursacht erhebliche Kosten, da die Nährstoffkonzentration in Mist und Gülle relativ niedrig ist. Diese Transportkosten gering zu halten, ist notwendig, um den überregionalen Nährstofftransport weiter zu intensivieren.

Viele Veredlungsbetriebe stehen vor dem Problem, dass durch engere Auslegungen der Düngeverordnung  und nicht selten auch durch eine Aufstockung der Tierbestände größere Nährstoffüberschüsse vorhanden sind als früher. Bevor Nährstoffe in andere Regionen abgegeben werden, gilt es aber zunächst einmal alle Möglichkeiten zu nutzen, um den Nährstoffanfall im Veredlungsbetrieb zu begrenzen. Das kann zum Beispiel durch eine gezieltere Fütterung der Tiere oder durch eine Verringerung der Besatzdichte geschehen.

Kreislauf überbetrieblich schließen

Insgesamt dürfte allerdings die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zur Reduzierung der Überschussproblematik nur relativ begrenzt sein. Da in den Veredlungsregionen auch die Nährstoffabgabe an benachbarte Betriebe weitestgehend ausgeschöpft ist, verbleibt als wichtigster Ansatz zur Lösung der Überschussprobleme die Nährstoffabgabe an Betriebe in Ackerbauregionen. Der Nährstoffkreislauf wird so nicht einzelbetrieblich, sondern überbetrieblich geschlossen.

Der Transport von Nährstoffen ist mit erheblichen Kosten verbunden, weil die Nährstoffkonzentration in Gülle relativ gering und der Wasseranteil relativ hoch ist. Der Veredlungsbetrieb kann diese Kosten verringern, indem er unnötige Wassereinträge in die abzutransportierende Gülle vermeidet. Dazu sind etwa die Tränken im Stall regelmäßig zu kontrollieren, verschmutzte Flächen vor der Reinigung einzuweichen und Einträge von Oberflächenabflüssen in das Güllesystem zu verhindern. Wenn durch diese Maßnahmen der Trockensubstanzgehalt der Gülle von 6 % auf 8 % erhöht wird, erhöht sich der Phosphatgehalt entsprechend und es verringert sich die abzugebende Güllemenge um ca. 25 %. Das spart später auch 25 % der Transportkosten. In den Niederlanden, wo das Nährstoffüberschussproblem noch größer ist als in Niedersachsen, wurde der Verringerung des unnötigen Wassereintrages schon vor Jahren viel größere Bedeutung beigemessen als bei uns.

Wenn es nicht gelingen sollte, alle überschüssigen Nährstoffe an Ackerbaubetriebe abzugeben, könnte die weitergehende Aufbereitung der Gülle zu einem deponiefähigen oder verbrennbaren Produkt interessant werden. Gesamtwirtschaftlich und vor dem Hintergrund, dass einerseits die Herstellung von mineralischem Stickstoffdüngern mit hohen Energieverbräuchen verbunden ist und andererseits die weltweiten Phosphatvorräte nur noch für eine begrenzte Zeit ausreichen, erscheint die „Beseitigung“ der nur regional vorkommenden Nährstoffüberschüsse nicht das vorrangig anzustrebende Ziel.
Auch die Vorstellung, dass nur die Stilllegung von Ställen in den Veredlungsregionen die Nährstoffüberschussproblematik lösen kann, ist so nicht richtig. Die Konzentration bestimmter landwirtschaftlicher Produktionsrichtungen in bestimmten Regionen gibt  es nicht nur bei der Schweine- und Geflügelhaltung, sondern etwa auch beim Zuckerrüben- und Kartoffelanbau sowie in der Milchviehhaltung. Dabei spielen unter anderem die landwirtschaftlichen Strukturen, die Bodenarten, die Vermarktungsmöglichkeiten und die Einkommensalternativen eine große Rolle. Diese Gegebenheiten zu ignorieren, würde vermutlich nur dazu führen, die niedersächsische Wirtschaft insgesamt zu schwächen und den Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu sehr großen Einheiten zu beschleunigen.

Vorteile für Ackerbaubetriebe gezielt nutzen

Der Nährstoffkreislauf zwischen den Veredlungs- und den Ackerbauregionen kann nur funktionieren, wenn auch Vorteile für die Ackerbaubetriebe entstehen. Als mögliche Vorteile sind in diesem Zusammenhang  geringere Kosten für die Düngung und/oder höhere Erträge aus einer kombinierten organisch-mineralischen Düngung zu nennen. Bei den Düngungskosten ist zu bedenken, dass hier von dem Ackerbaubetrieb nur die Nährstoffmengen zu bewerten sind, die er sonst durch Mineraldüngerzukauf abdecken würde.

Von dem theoretischen Mineraldüngerersatzwert des Mistes oder der Gülle, der sich aus deren Nährstoffgehalten multipliziert mit den jeweiligen Mineraldüngerpreisen dieser Nährstoffe ergibt, sind für den Ackerbaubetrieb häufig nur 70 % bis 80 % nutzbar. Hinzu kommt, dass die Ausbringung von Nährstoffen in Form von Mineraldünger aufgrund der geringeren Masse billiger ist als die Ausbringung von Mist und Gülle und dass es bei diesen organischen Düngern eher Begrenzungen bei der Befahrbarkeit der Flächen gibt. Letzteres wird aber mehr als aufgewogen durch die zusätzliche Humuswirkung der Gülle. Exakt zu kalkulieren ist diese Wirkung aber kaum, denn hier spielen beispielsweise auch  Bodenart und Fruchtfolge eine Rolle.

Wenn der Ackerbaubetrieb Mist und Gülle zur Düngung einsetzen will, soll die Ausbringung normalerweise im Frühjahr erfolgen, damit die Pflanzen auch den darin enthaltenen Stickstoff gut nutzen können. Im Herbst ausgebrachte organische Dünger würden unter Umständen zu erhöhten Nitrateinträgen ins Grundwasser führen. Aus diesem Grund ist die Frühjahrs-ausbringung der optimale Düngungstermin. Um diesen Termin einhalten zu können, müssen  die organischen Dünger zwischengelagert  werden.
Sinnvoll wäre diese Lagerung in der Ackerbauregion, weil dann die Anlieferung kontinuierlich erfolgen könnte und im Frühjahr diese Dünger  in der Nähe der zu düngenden Fläche verfügbar sind. Das erleichtert die termingerechte Ausbringung erheblich und ist auch aus logistischer Sicht vorteilhaft. Eine Lagerstätte für organische Dünger in einer Ackerbauregion zu bauen, stößt mitunter auf Vorbehalte bei den Genehmigungsbehörden. Diese sehen nicht immer, dass es hier einen räumlich funktionalen Zusammenhang zwischen dem Düngerlager und der zu düngenden Fläche gibt. Dieser Zusammenhang ist von Bedeutung, wenn privilegiert im Außenbereich gebaut werden soll.
 
In manchen Fällen ist aber auch der Bau auf größeren Hofstellen oder in entsprechend ausgewiesenen Gewerbegebieten möglich. Die Kosten für den Bau eines Güllebehälters einschließlich Abdeckung liegen derzeit je nach Größe und Behältermaterial zwischen 50 und 80 €/m³ nutzbaren Lagerraums. Daraus resultieren jährlich Kosten, die je nach Nutzungshäufigkeit zwischen 2 und 4 €/m³ gelagerter Gülle betragen.

Lagerungskosten mit  kalkulieren

Wenn der Ackerbauer den Behälter baut und betreibt, sind bei der Preisfindung die Lagerungskosten genauso zu berücksichtigen wie die Kosten für die Gülleausbringung. Diese schlagen je nach Entfernung zwischen Lagerstätte und zu düngender Fläche mit 2 bis 5 € zu Buche. Die erläuterten Zusammenhänge zwischen dem Wert der Gülle für den Ackerbaubetrieb und den zusätzlichen Kosten für die Lagerung und Ausbringung sind genau auszurechnen. Der Preis, bei dem die Gülle aus der Veredlungsregion für den Landwirt in der Ackerbauregion gerade noch interessant ist, hängt entscheidend davon ab, ob die Gülle nährstoffarm oder nährstoffreich ist.

Wird dem Ackerbaubetrieb eine nährstoffarme Schweinegülle angeboten und soll er diese selbst zwischenlagern und ausbringen, entsprechen die ihm dafür entstehenden Kosten etwa dem Mineraldüngerersatzwert. Das bedeutet, unter diesen Umständen kann er für die angelieferte Gülle nichts bezahlen. Das ist bei der nährstoffreicheren Gülle anders. Der Mineraldüngerersatzwert liegt hier bei 11 €/m³. Das bedeutet, der Ackerbaubetrieb könnte unter diesen Voraussetzungen 4 €/m³ zahlen und es wäre für ihn immer noch rentabel mit der nährstoffreichen Gülle statt mit Mineraldünger zu düngen.

Gülle mit hohen Nährstoffgehalten ist wegen des höheren Mineraldüngerersatzwertes für den Ackerbaubetrieb sehr interessant. Interessant ist es aber auch für den Veredlungsbetrieb, mit nährstoffreicher Gülle zu arbeiten. Die Kosten für den Transport in die Ackerbauregion sind geringer, weil bei gleicher Nährstofffracht weniger Wasser zu transportieren ist. Um zu wissen, ob es sich um eine nährstoffarme oder nährstoffreiche Gülle handelt, muss sie allerdings auf ihre Nährstoffgehalte untersucht werden. Das ist auch notwendig, weil auf Dauer sicherlich kein Ackerbauer einen organischen Dünger kauft, von dem er nicht genau weiß, welche Nährstoffkonzentrationen darin enthalten sind.

Fazit

Der Kreislauf der Nährstoffe zwischen Ackerbau und Veredlung muss besser als in der Vergangenheit geschlossen werden. Aufgrund der Spezialisierung in der Landwirtschaft ist das heute nicht mehr einzelbetrieblich, sondern nur überbetrieblich machbar. Dabei ist aber darauf zu achten, dass möglichst geringe Nährstoffverluste in die Luft (Ammoniak) oder ins Grundwasser (Nitrat) entstehen und dass es zu keinerlei Geruchsbelästigungen kommt. Darüber hinaus gilt es Sorge dafür zu tragen, dass es innerhalb dieses Kreislaufs nicht zur Verschleppung von Krankheitserregern kommt, dass keine Anreicherung von unerwünschten Stoffen im Boden stattfindet und dass sich der Energieverbrauch und die Kosten in vertretbarem Rahmen bewegen. Je besser es gelingt, den Nährstoffkreislauf zwischen Veredlungs- und Ackerbauregionen zu schließen, desto geringer wird der Bedarf an Mineraldünger.
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