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Reportage

Vom Neben- zum Vollerwerb: Ein Betrieb auf Wachstumskurs

Suedharz-Nebenerwerb-Vollerwerb-Landwirt
Frank Schulz (l.) und ein Mitarbeiter auf seinem Hof in Bad Sachsa (Südharz). © Christian Mühlhausen
von , am
08.11.2017

Von 30 auf 400 ha: Seit der Grenzöffnung hat Familie Schulz ihren landwirtschaftlichen Betrieb im Südharz stetig erweitert. Eine Betriebsreportage.

An Sprüchen, die die Region im Südharz in der Vorwendezeit umschreiben, mangelte es nicht. Ob "Land am Rand" oder "Wo sich Fuchs und Hase ‚Gute Nacht‘ sagen": Umgeben von der DDR und jahrzehntelang durch die Zonenrandförderung am Leben erhalten, brachte erst der Mauerfall 1989 große Veränderungen für diese Gegend mit sich.

Vor der Wende: An Flächenwachstum kaum zu denken

Wir sind zu Besuch bei Familie Schulz im Bad Sachsaer Ortsteil Neuhof. Große Gebäude mit mächtigen Bruchsteinmauern zeugen von der wechselvollen Geschichte, die die heutige Hofstelle von Familie Schulz erlebt hat.

Wann die Gebäude errichtet wurden, kann Frank Schulz nicht sagen, wohl aber, dass es einst ein 220 Hektar umfassendes Vorwerk des nahen Klosters Walkenried war und 1928 aufgesiedelt wurde.

Auch Frank Schulz` Großvater pachtete einen Teil der Fläche und kaufte 1965 die alte Hofstelle. Für den Großvater reichte der Betrieb mit 25 Hektar, 16 Milchkühen und 50 Schweinen noch aus. Frank Schulz Vater arbeitete in der Gipsindustrie und bewirtschaftete den Hof bereits im Nebenerwerb.

Schulz erinnert sich: „An Flächenwachstum war kaum zu denken, wir waren ja von drei Seiten umgeben von der DDR. Wenn man mal in der Nähe einen halben Morgen (1.250 m²) pachten konnte, dann war das schon großartig.“

DDR-Landtechnik beeindruckt

Nur 200 Meter hinterm Hof begann die DDR. Stets die Grenze in der Nähe, habe man sich hier immer sehr sicher gefühlt: „Der Zoll und der Grenzschutz waren ständig präsent – hier ist in all den Jahren nie was passiert.“

Mit Interesse hat der heute 51-Jährige schon als Kind und junger Mann gen Osten geschaut: Von einer Anhöhe aus konnte er sehen, wenn drüben in der LPG die Schlepper zum Pflügen ausrückten oder die Mähdrescher brummten.

Beeindruckend sei das gewesen, denn neben der Struktur mit den großen Flächen war man mit der DDR-Landtechnik dem Westharz mit seinen kleinen Äckern und Landtechnik zumindest für eine Zeitlang voraus.

Da Schulz auch Verwandte in den östlich von Bad Sachsa gelegenen Orten hatte, kannte er die Region von den erlaubten zweimal jährlichen Besuchen.

Start im Nebenerwerb

1978 wurden die Milchkühe abgeschafft, stattdessen zogen 25 Mastbullen in Anbindung in die Altgebäude ein. 2005 wurde auf 100 Mastplätze in Boxen umgestellt. Außerdem kamen weitere Schweine (heute 150 Mastplätze) dazu.

Weil die kleine Landwirtschaft nicht genügend Perspektive bot, lernte Frank Schulz Industriemechaniker, arbeitete in dem Beruf und betrieb die Landwirtschaft wie schon sein Vater im Nebenerwerb.

Plötzlich Pachtland im Angebot

Der 9. November 1989 sollte alles verändern. Die Grenze war offen, gemeinsam mit anderen Leuten aus Ost und West half Schulz mit, den alten Grenzzaun abzureißen, anschließend wurde mit Würstchen und Bier gefeiert.

Freudentaumelnd über die neue Freiheit standen Besuche im Osten und Gegenbesuche auf der Tagesordnung. Dann die Anfrage eines verwandten, ehemaligen LPG-Geschäftsführers: „Die LPG mit 1.200 ha gibt auf. Willst Du pachten, Frank?“

Der wusste zunächst nicht, wo ihm der Kopf steht. Schließlich hat er all seinen Mut zusammen genommen und 30 ha gepachtet. Das war für ihn eine Verdopplung der Betriebsgröße: "Das alles habe ich mit meinem Fendt Farmer 108 S ohne Allrad sowie meinem Mähdrescher mit 2,30 m Schnittbreite bewirtschaftet.“

Aus dem Fuhrpark der LPG erwarb er später für 5.000 Mark einen größeren Fortschritt-Drescher. Der hatte  im Gegensatz zu seinem schon eine geschlossene Kabine.

Pro Jahr 30 ha Pachtland mehr

Bald darauf gab auch die LPG ihre Kuhhaltung auf, wieder wurden ihm 55 ha angeboten. Er pachtete davon 17 ha bei einem Pachtpreisniveau von 180 Mark, kaufte gebrauchte HW80-Anhänger, einen 311er Fendt und weiter ging es – alles im Nebenerwerb.

1991 übernahm er den Betrieb von seinem Vater. „So ging es dann eigentlich Jahr für Jahr weiter – jedes Jahr kamen  20 bis 30 ha hinzu.“

Wie Frank Schulz die Zeit der Doppelbelastung mit Hauptberuf und Landwirtschaft erlebte und wie er schließlich seinen Weg zum Vollerwerbslandwirt ging, lesen Sie in der LAND & Forst 45/17 auf Seite 12 und 13. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Neupachten: Diese Preise zahlen Landwirte im Durchschnitt

Neupachtpreis Deutschland
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