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Betriebsaufgabe

Den Neubeginn wagen, jetzt!

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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
11.08.2016

Der Ausstieg gilt als Tabu. Doch manchmal ist er die einzig vernünftige Entscheidung, findet LAND & Forst-Redakteurin Edith Kahnt-Ralle.

Aufgeben, aussteigen – wie viele Milchviehhalter mögen das in der noch immer andauernden Milchpreiskrise schon gedacht haben? Und die Preiskurve zeigt nur sehr langsam wieder nach oben, von annähernd kostendeckenden 30 Cent pro Kilogramm und mehr redet noch keine Molkerei.

So ist das mit dem Markt. Wer da nicht mit halten kann, muss eben gehen. So funktioniert unsere Leistungsgesellschaft. Soweit so gut? Ich meine: Nein!

Besser ist: Probleme ansprechen

Unsere Solidarität brauchen gerade die Betriebsleiter und ihre Familien, die den nicht immer leichten Weg gehen und ihren Betrieb aufgeben. Denn es trifft längst auch Höfe in allen Größenordnungen, die bei höheren Preisen gut dagestanden hätten.

Es ist zunächst scheinbar leichter, immer so weiterzumachen, obwohl mit jedem Tag Geld verbrannt, Substanz verloren geht. Es mag zunächst leichter sein, mit niemandem über seine Probleme zu reden, weil man glaubt, irgendwann und irgendwie werden sie gelöst. Das Gegenteil ist oft der Fall: Sie werden größer und drückender.

Verständnis für Ausstieg zeigen

Das soziale Umfeld, also auch wir, sollten Verständnis für einen Ausstieg signalisieren, damit sich Betroffene getragen und bestärkt fühlen. Nur dann bekommen sie den Blick frei für neue Chancen außerhalb des eigenen Betriebes. Sind es nicht auch Freunde, Berufskollegen, Nachbarn, die ihren Betrieb und damit auch sehr viel Tradition aufgeben? Oder wirklich nur anonyme Mitbewerber um Fläche und Marktanteile?

Der Ausstieg ist häufig noch tabu, unternehmerisch gesehen aber vielfach unumgänglich. Es ist an der Zeit, offen und auf allen Ebenen darüber laut (und nicht nur kleinlaut) nachzudenken. Schließlich könnte angesichts schwankender Märkte und unberechenbarer politischer Entscheidungen praktisch jeder der Nächste sein, der Stall- und Scheunentore für immer dicht machen muss.

Betriebsleiter sollten selber handeln

Die Betroffenen sollten unbedingt die Möglichkeiten nutzen, sich Rat zu holen, sei es bei Menschen ihres Vertrauens, dem Sorgentelefon, entsprechenden Arbeitskreisen sowie Bank- und Wirtschaftsberatern. Betriebsleiter sollten selber handeln, bevor ihnen das Heft des Handelns von anderen aus der Hand genommen wird.

Vielleicht machen jene Mut, die aufgehört haben (Lesetipp dazu: LAND &  Forst 32, Seiten 11 bis 15). Einfach mal neue Zukunftspläne schmieden! Dann steht dem Einstieg in den Ausstieg und somit dem Neubeginn kaum noch etwas im Weg.

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