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Reportage

Neue Vermarktungswege für Markenfleisch als gute Chance

Markenfleisch-Fleisch-Possenriede-Niedersachsen
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
19.09.2018

Familie Possenriede aus Hilkenbrook (Emsland) geht einen neuen Vermarktungsweg für ihr Markenfleisch – zusammen mit einer Lebensmittelkette. Wir waren vor Ort.

Eine Anzeige in einer landwirtschaftlichen Fachzeitschrift brachte den Stein bei Schweinemäster Possenriede aus Hilkenbrook im Landkreis Emsland ins Rollen: Die Lebensmittelkette Kaufland, die in Deutschland ca. 660 Filialen unterhält, hatte dort inseriert.

Gesucht wurden Schweinemäster, die Interesse an einer Markenfleischerzeugung haben. Die Possenriedes, Bernhard und Marlene Possenriede sowie ihre Tochter Inga und Schwiegersohn Hinrich, die den Betrieb gemeinsam bewirtschaften, hatten Interesse. Inzwischen haben sie die ersten beiden Mastdurchgänge mit knapp 900 Tieren nun schon an Kaufland vermarktet.

Mehraufwand hält sich in Grenzen

Warum hat die Familie den Schritt gewagt und sich vertraglich gebunden? Bernhard Possenriede bringt es auf den Punkt: „Wie lange wird schon darüber diskutiert, dass Verbraucher Schweinefleisch aus einer anderen Produktion mit mehr Tierwohl haben wollen? Es ist doch klar, dass der Lebensmittelhandel entsprechende Produkte anbieten will. Wenn es wirtschaftlich passt, sollten wir Erzeuger uns dem nicht verschließen“, so seine Argumentation.

Ob es wirtschaftlich wirklich passt, wird sich noch zeigen müssen, gibt er zu. Aber der Mehraufwand für die Kaufland-Produktion hält sich bei ihm in Grenzen: das Kriterium Außenklimareiz erfüllt der Bettenstall von Possenriedes ohnehin.

40 % mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben bieten sie ihren Mastschweinen schon seit gut drei Jahren – sie machen nämlich bei der Initiative Tierwohl mit diesem Kriterium mit.

Stroh in Form von Häcksel setzen sie in den Liegekisten als Einstreu ein. Als organisches Beschäftigungsmaterial gibt es zusätzlich Maissilage, die im Betrieb durch die Biogasanlage vorrätig ist.

Gezahlt wird VEZG-Marktpreis plus Bonus

Am Vermarktungspartner hat sich durch den Vertrag mit Kaufland nichts geändert. Transport und Abrechnung übernimmt weiterhin die Erzeugergemeinschaft Aschendorf- Hasselbrock. Gezahlt wird der VEZG-Marktpreis plus ein Bonus in Höhe von 12 € für jedes Schlachtschwein, das die Kaufland-Kriterien erfüllt.

Das sind neben mehr Platz und Außenklima u. a. ein bestimmter Gewichtsbereich (85-105 kg): „Das haben wir im ersten Durchgang zu ca. drei Viertel geschafft“, erzählt Inga Possenriede. Sie geht davon aus, dass dieser Anteil noch etwas zu erhöhen ist.

Etwas Unwägbarkeiten bei jedem Durchgang

Etwas anspruchsvoller findet sie, dass beim Aufstallen des Durchgangs schon ein Plan abgegeben werden muss, wann wie viele Tiere schlachtreif sind. Kaufland wolle so weit wie möglich Planungssicherheit. Ca. 40 Tage vor Mastende kann dieser Plan noch einmal korrigiert werden. „Auch das ist etwas, an das wir uns noch herantasten müssen und etwas Unwägbarkeiten gibt es bei jedem Durchgang“, weiß die gelernte Landwirtin.

Ab Anfang 2019 müssen die Schweine für Kaufland außerdem mit gentechnik-freiem Futter gefüttert werden. Unproblematisch sei der Futterbezug, so Bernhard Possenriede. Schwierig sei, dass auch schon in der Aufzucht GVO-freies Futter zum Einsatz kommen muss. Das passe nicht bei jedem Ferkelerzeuger.

Die Zusammenarbeit mit Kaufland sehen Possenriedes im Übrigen recht entspannt. Für ihre Schweine ließe sich ihrer Einschätzung nach inzwischen auch ein anderer, regionaler Abnehmer finden, der die besondere Haltung honorieren würde.

Mehr zum Thema Vermarktung von Markenfleisch lesen Sie in der LAND & Forst 38.

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