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Nährstoffmanagement

Niedersachsen: Masterplan für nachhaltige Nährstoffkreisläufe

Güllefass auf Acker
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
20.03.2018

Nährstoffüberschuss in Niedersachsen: Die Agrar- und Ernährungsindustrie im Oldenburger Münsterland präsentiert jetzt einen Masterplan für nachhaltige Lösungen.

Angesichts verschärfter Düngeauflagen will die Land- und Ernährungswirtschaft im Oldenburger Münsterland das Problem der Überdüngung jetzt gemeinsam angehen. Es gebe in der Region zu viele Nährstoffe, sagte heute (20. März) der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), Uwe Bartels (SPD).

"Wir wissen, dass wir das Problem angehen müssen", betonte der frühere niedersächsische Landwirtschaftsminister.  Die Region exportiere bereits knapp 3 Millionen Tonnen Gülle und anderen Naturdünger pro Jahr in die Ackerbauregionen Niedersachsens.

Nur aufgrund von Berechnungsveränderungen werde sich mit der neuen Düngeverordnung diese Summe um 1,4 Millionen Tonne pro Jahr erhöhen. "Das ist nicht mehr allein mit einem Export zu schaffen", sagte er.

Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger setzt Projekt in 1.000 Tagen um

Konkret will das sogenannte „Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger in der Modellregion Oldenburger Münsterland“
sofort starten. Dazu verpflichten sich

  • die Kreislandvolkverbände Cloppenburg und Vechta,
  • das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland,
  • die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie
  • die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands als Projektträger

das nachfolgend beschriebene Projekt in einem Zeitraum von 1.000 Tagen umzusetzen. Unter Berücksichtigung der von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für erforderlich gehaltenen Lösungsansätze hat das AEF eine To-Do-Liste erarbeitet. Sie macht allen betroffenen Partnern die von ihnen zu leistende Maßnahmen deutlich.

Erwartungen an das Land Niedersachsen

  1. Förderung der Praxiseinführung von Schnellbestimmungsverfahren zur Bestimmung von Nährstoffgehalten in Wirtschaftsdüngern.
  2. Förderung und baurechtliche Prüfung zur Schaffung von Lagerraum in abgebenden und aufnehmenden Regionen, einschließlich des Baus von Gemeinschaftsbehältern. Es sollte kurzfristig ein Förderprogramm „Behälterbau“ aufgelegt werden. Dieses könnte z.B. praxisgerecht in das AFP-Verfahren integriert werden. Hierbei geht es nicht nur um den Behälterbau, sondern auch um die Rührwerktechnik und um die Lagerraumoptimierung.
  3. Wiedereinführung der Derogation.
  4. Förderung von Nmin-Untersuchungen zur verbesserten Düngeplanung im Frühjahr sowie zur Erfolgskontrolle zum Beginn der Sickerwasserperiode.
  5. Förderung emissionsarmer Ausbringungstechnologien für Wirtschaftsdünger. Die Förderung der umweltgerechten Gülleausbringung ist derzeit nur für Gülle aus dem eigenen Tierbestand möglich. Eine Ausweitung auch für Ackerbaubetriebe mit aufgenommenem Wirtschaftsdünger würde die Vorzüglichkeit gegenüber Mineraldünger und damit die Aufnahmebereitschaft erhöhen.
  6. Technologieförderung für neue Verfahren der Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten: Oberstes Ziel muss in den nächsten fünf Jahren sein, Separations- und Aufbereitungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln und zu bauen, um die Transportwürdigkeit und Aufnahmeakzeptanz zu erhöhen. Dazu bedarf es zentraler und dezentraler großtechnischer Anlagen zur Vollaufbereitung von Güllen und Gärresten bis hin zum sauberen Wasser, wo die separierten Nährstoffe in Form von Feststoff und Konzentraten vorrangig außerhalb des Oldenburger Münsterlandes wieder in den Wirtschaftskreislauf gegeben werden.
  7. Aufbau einer effektiven und risikoorientierten Überwachung des Düngerechts gemäß § 13 Düngeverordnung.
  8. Unterstützung bei der Bildung von Betriebsgemeinschaften und bei den sehr kurzen Meldefristen bei der Abgabe und Aufnahme von Wirtschaftsdüngern.
  9. Weiterführung der Projekte: Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement Niedersachsen, NUREDRAIN, Quwin, Fairway und Mest op Maat.
  10. Aktualisierung des Runderlasses zur NBauO nach den Vorgaben des neuen Düngerechts und u.a. unter Berücksichtigung von anerkannten Qualitätsstandards gemäß Gütegemeinschaft nach dem Düngegesetz.
  11. Flächendeckende Förderung für Düngeberatung und für die Einführung neuer Verwertungskonzepte nach dem Baurecht im Rahmen der EMS-Beratungsförderung.
  12. Rechtliche Anerkennung von zertifizierten Logistikunternehmen gemäß § 13 Düngegesetz.
  13. Praxiseinführung des Nachhaltigkeitschecks des Grünen Zentrums (NaLa) unter Einbeziehung von Kontrollwerten des Düngerechts, ggf. unterstützt durch Landesförderung.
  14. Fortsetzung des Landesarbeitskreises Nährstoffmanagement mit drei Landesministerien (ML, MU, MS), drei Landesfachbehörden (LWK, LBEG, NLWKN) und drei Landesverbänden (Wasserverbandstag, Nds. Landvolk, Landkreistag).
  15. Prüfung der Anwendbarkeit des § 8, 5 Düngeverordnung für alle organischen Dünger mit geringer N-Effizienz.
  16. Förderung der Forschung im Bereich Tierernährung.

Erwartungen an die LWK Niedersachsen

  1. Durchführung von Machbarkeitsstudien zur Einführung von mobilen, semizentralen und zentralen Aufbereitungsverfahren in den Veredlungsregionen und fachliche Begleitung von Pilotanlagen.
  2. Einführung eines Qualitätsmanagementsystems für die Nährstoffverbringung auf der Basis des Düngerechts und in Verbindung zum § 41 der NBauO. Dieses sollte für die abgebenden und aufnehmenden Betriebe, soweit wie möglich, kostenneutral aufgebaut werden.
  3. Bereitstellung der Nährstoffberichtsdaten für regionale runde Tische auf Kreisebene.
  4. Weiterentwicklung der Runden Tische unter Vorsitz der Kreislandwirte.
  5. Weiterentwicklung eines RAM-Konzeptes zur Überwachung der nährstoffreduzierten Fütterung auf Basis der geplanten Stoffstrombilanz.

Erwartungen an die Düngebehörde

  1. Fortschreibung der Nährstoffberichte von Landwirtschaftskammer, LBEG und NLWKN mit gemeinsamer Interpretation des Gesamtergebnisses.
  2. Aufbau einer effektiven und risikoorientierten Überwachung des Düngerechts gemäß § 13 Düngeverordnung.
  3. Weiterentwicklung der EDV-Module der Düngebehörde sowohl für hoheitliche Überwachungsaufgaben als auch für kompatible Beratungsmodule, die kostenlos bereitzustellen sind.

Erwartungen an die Landkreise als Kontroll- und Genehmigungsbehörde

  1. Lagerstättenbau und Genehmigungsverfahren konstruktiv und mit Priorität zu begleiten.
  2. Genehmigungsverfahren für technische Anlagen mit Priorität zu organisieren.
  3. Dokumentation der Wasserqualität der öffentlichen Brunnen und Hausbrunnen, ggf. Ausweitung des Messnetzes sowie Veröffentlichung jährlicher Berichte.
  4. Nur anerkannte Vermittler und Beförderer für überschüssige Nährstoffe zu akzeptieren.
  5. Sobald die „Gütegemeinschaft Wirtschaftsdünger“ landesweit tätig ist, sollen nur noch Vermittler und Beförderer als Nachweis akzeptiert werden, die entweder Mitglied der Gütegemeinschaft sind oder nach den Regeln der Gütegemeinschaft arbeiten.
  6. Anerkennung von Tierbestandsabstockungen (ITW u.a.) im Rahmen der Bewertung der Nachweisflächen.

Erwartungen an die Wasserwirtschaft / Wasserversorgung (OOWV)

  1. Fortführung des BMBF-Projektes goCAM: Das Projekt untersucht den Transport und den Abbau des Nitrats im Grundwasserleiter.
  2. Abschluss des Projektes Zertlog in 2018: Die Verbringung von organischen Nährstoffen wird zukünftig von zentraler Bedeutung sein. Der OOWV leitet das vom ML finanzierte Projekt Zertlog und unterstützt damit  maßgeblich die Zertifizierung der beteiligten Akteure, insbesondere Lohnunternehmen und Maschinenringe.
  3. Verbringung und Aufbereitung als freiwillige Maßnahmen im kooperativen Gewässerschutz: Unter der Voraussetzung einer effizienten Überwachung des Düngerechts prüft die Wasserwirtschaft die finanzielle Unterstützung einer zertifizierten Verbringung bzw. einer umweltgerechten und wirtschaftlich tragbaren Aufbereitung von organischen Nährstoffen als Maßnahme zum Grundwasserschutz im Sinne einer freiwilligen Vereinbarung in Wasserschutzgebieten.
  4. Monitoring der Entwicklung des Nitratgehaltes im oberflächennahen Grundwasser: Der OOWV betreibt seine eigenen Grundwassermessnetze in den Wasserschutzgebieten und unterstützt weiterhin die Landkreise beim Aufbau und beim Betrieb der Messnetze in den Kreisgebieten.
  5. Fortführung der Kooperation mit der Landwirtschaft in den Wasserschutzgebieten: Seit der Einführung der Wasserentnahmegebühr im Jahre 1992 arbeiten Landwirtschaft und Wasserwirtschaft in den Wasserschutzgebieten des OOWV erfolgreich zusammen. Diese Zusammenarbeit soll im Zeitraum 2019 bis 2023 fortgeführt werden. In Abstimmung mit den Landwirten wird aktuell die Beantragung der entsprechenden Landesmittel vorbereitet.
  6. Regionale Akteure des Gewässerschutzes bündeln und Maßnahmen koordinieren: Bessere Bündelung aller Maßnahmen, die einen maßgeblichen Beitrag zum Schutz unserer heimischen Gewässer leisten. Im Sinne einer Win-Win-Situation könnten deutlich mehr positive Effekte erbracht werden, wenn diese Maßnahmen untereinander abgestimmt wären.
  7. Grünlandnutzung leistet maßgeblichen Beitrag zum Gewässerschutz: Als Mitglied des Grünlandzentrums unterstützt der OOWV auch zukünftig eine ökologisch nachhaltige, naturverträgliche Grünlandnutzung. Nur eine wirtschaftliche Nutzung des Grünlands kann langfristig einen Beitrag zur Reduzierung der Stickstoffeinträge in die Gewässer leisten.

Erwartungen an die Lohnunternehmen

  1. Die Ausbringungstechniken müssen dem Stand der Technik entsprechen und emissionsarm und bodenschonend arbeiten.
  2. Der angelieferte Wirtschaftsdünger muss nach dem Stand der Technik hinsichtlich seines Nährstoffgehaltes durch Schnellbestimmungsverfahren analysiert werden.
  3. Freiwillige Gütestandards sind einzuhalten und Verlässlichkeit von Lieferfristen zu garantieren.
  4. Der Beförderer ist für den ordnungsgemäßen Transport der Wirtschaftsdünger vom Abgeber (Landwirt) zum Empfänger (Landwirt oder Biogasanlage) verantwortlich.
  5. Er ist verpflichtet, sämtliche gesetzlich und freiwillig vereinbarte Anforderungen einzuhalten, die für den Transport von Wirtschaftsdünger gelten. Die Fahrtstrecke zwischen Abgabestelle und Empfänger ist zu dokumentieren. Im Gegenzug erfolgt eine landesweite düngerechtlich gestützte Anerkennung von zertifizierten Logistikunternehmen in Genehmigungsverfahren.

Angesichts der Tatsache, dass individuelle Lösungen für die landwirtschaftlichen Betriebe aufgrund ihrer Unterschiedlichkeiten gefunden werden müssen, sind einzelbetriebliche Lösungen für das Nährstoffmanagement zu erarbeiten. Eine bedarfsgerechte und nachhaltige Nutzung und Verteilung der anfallenden Nährstoffe aus der Tierhaltung in Niedersachsen liegt im ureigenen Interesse der Landwirte. Nur eine ressourcenschonende und gesellschaftlich anerkannte Landwirtschaft kann langfristig ökonomisch erfolgreich wirtschaften. Dies unterstützen die Interessenvertretungen der Landwirte uneingeschränkt.

  1. Die nicht im Rahmen der fachlichen Praxis auf eigenen Böden einzusetzenden Wirtschaftsdünger werden durch Abnahmeverträge mit anerkannten Vermittlern und Lohnunternehmen in Aufnahmeregionen transportiert. Alternativ sind direkte Abnahmeverträge möglich.
  2. Aktualisierung der Verwertungskonzepte nach neuen düngerechtlichen Vorgaben.
  3. Ausreichender Lagerraum für Güllen und Gärreste sind zu schaffen.
  4. Bedarfsorientierter Einsatz von Separierung und Eindickung zur Verringerung des Mengenvolumens
  5. Sobald technische Aufbereitungsanlagen zur Verfügung stehen, werden gemäß einzelbetrieblicher Notwendigkeiten diese zur Veredelung der Nährstoffe Extraktion der Nährstoffe und zur Verringerung der Exportnotwendigkeit genutzt.
  6. Unterstützung des Aufbaus eines Netzes von Verfahrenstechniken und Aufbereitungsverfahren unterschiedlicher Größenordnung, dezentral wie zentral.
  7. Minimierung des Mineraldüngereinsatzes; Einsatz nur dort, wo nicht anders ersetzbar.
  8. Erhöhung der Flächenbindung in der Tierhaltung (Flächenaufstockung), ggf. Bestandsverringerung im Rahmen der Tierwohlinitiative.
  9. Verstärkter Einsatz von nährstoffreduziertem Futter.
  10. Unterfußdüngung mit Wirtschaftsdünger vornehmen.
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