Login
Wassermangel

Niedersachsen: Trockenheit frisst den Ertrag auf den Äckern weg

Trockenheit-Trockenschaden-Mais
Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen
am
07.06.2018

Hitze und Trockenheit haben Niedersachsen fest im Griff. Wie die Pflanzen den Stress in den einzelnen Regionen des Landes verkraften.

In Niedersachsen herrscht seit Wochen Trockenheit vor. Hinzu kommt die Hitze. Gewitterniederschläge haben die angespannte Lage in vielen Regionen nur geringfügig verbessert. In knappen Sätzen lässt sich die Situation auf den Äckern wie folgt beschreiben:

  • Enorme Verdunstungsraten im Mai und Juni.
  • Hohe Ertragsverluste in Getreide und Raps möglich.
  • Auf Sandböden laufen die Regner ohne Unterbrechung.
  • Wachstum von Mais und Zuckerrüben macht zurzeit noch Hoffnung.
  • Vielfach helfen nur noch baldige Niederschläge weiter.

Hohe Verluste durch Trockenheit und Hitzestress

Auch in den kommenden Tagen sind Niederschläge kaum vorhergesagt und die Temperaturen bleiben auf Rekordniveau. Die Folge: Trockenschäden sind auf vielen Standorten – besonders im Getreide und Raps – irreparabel und hohe Verluste zeichnen sich bereits heute ab.

Wer wie die Betriebe in Nordost-Niedersachsen über ausreichend Beregnungskapazitäten verfügt, kann unter hohem Arbeitseinsatz noch das Schlimmste vermeiden.

Um Hannover herrscht größte Trockenheit

    Die Berechnungen und Messungen des Fachverbandes für Feldberegnung zeigen auf, dass um Hannover in diesem Frühjahr die größte Trockenheit herrscht (siehe Grafik oben):

    • Für den Standort Wunstorf sowie für die Wedemark beträgt die klimatische Wasserbilanz ab Anfang April derzeit 200 mm (Stand Anfang Juni).
    • Auch im nordöstlichen Niedersachsen werden ähnlich hohe Werte gemessen.
    • Etwas entspannter ist die Lage nur im Vorharz sowie an der Küste.

    Kleine Gewitterschauer entschärfen Wassermangel nicht

        Allein in der letzten Woche wurden Verdunstungsmengen von bis zu 50 l/m2 gemessen. Diese hohen Raten zeigen auf, dass auch kleine Gewitterschauer von 10 mm Regen die angespannte Wassersituation nicht entschärfen können.

        Da die Feldkapazität der Böden etwa zwischen 80 mm auf Sandböden sowie 300 mm auf tiefgründigen Lehmböden schwankt, wird klar, dass besonders auf den leichten Böden ein Versorgung aus dem Bodenvorrat nicht mehr möglich ist. Auch auf Lehmböden zeichnen sich bereits Trockenschäden ab.  

        Wintergetreide: Auf leichten Böden bis 50 % Ertragsschäden möglich

        Hitze-Trockenschaeden-Weizen

        Der Umfang der Schäden lässt sich derzeit kaum erfassen. Vor allem auf Standorten mit leichten Böden ohne die Möglichkeit der Beregnung sind besonders im Wintergetreide bereits heute Ertragsschäden von mehr als 50 % zu befürchten.

        Hier ist der Weizen, aber auch der Roggen und das Sommergetreide betroffen. Die Bestände haben die Blätter eingerollt bzw. vollständig verloren, das Wachstum stagniert und für die Kornbildung fehlen den Pflanzen die Voraussetzungen.

        Besonders hart trifft es späte Saaten sowie Standorte, die im Herbst nur unter sehr widrigen Bedingungen bestellt werden konnten. Vielfach konnten die Böden im Herbst nicht gelockert werden und eine Wurzelentwicklung war daher kaum möglich.

        Durch die Verschlämmung der Oberböden findet auch kein Gasaustausch statt. In vielen Fällen hat die Nässe über Winter sogar zu einer Reduktion der Wurzelbildung beigetragen. Daher fällt Getreide nach Getreide erfahrungsgemäß besonders stark ab.

        Wintergetreide leidet unter starker Einkürzung durch Wachstumsregler

        Getreide nach Hackfrüchten profitiert häufig noch von der besseren Wurzelbildung – vorausgesetzt die Aussaat war nicht zu spät. Die Pflanzenentwicklung wird derzeit auch durch die immer schlechtere Nährstoffverfügbarkeit begrenzt.

        Etwas besser steht es insgesamt um die Wintergerste, denn sie befindet sich vielfach bereits in der Milchreife. Auf leichten Böden sind aber auch in der Gerste bereits größere Bereiche abgestorben. Bei anhaltender warmer Witterung könnte daher die Ernte bereits im Juni beginnen.

        Vielfach leidet das Wintergetreide auch unter der starken Einkürzung durch Wachstumsreglermaßnahmen:

        • Viele Weizenbestände haben die Ähren geschoben und erreichen kaum Gummistiefelhöhe.
        • Im März/April hatten bereits Herbizidanwendungen zu starken Wachstumsverzögerungen geführt. In der Folge haben viele Anwender zudem die hohen Temperaturen bei der Dosierung der Wachstumsregulatoren falsch eingeschätzt.
        • Häufig wurde auch bewusst eine starke Einkürzung vorgenommen, um Lager zu vermeiden.

        Getreide auf Tonböden fehlt es an Wurzelmasse

        Die starke oberirdische Einkürzung bewirkt nun jedoch eine Kürzung der Wurzeln und eine Verzögerung des Wachstums bzw. der Reife – beides schadet bei der derzeitigen Witterung. Dazu kommt, dass die Wärme den Braunrostbefall fördert. Pflanzenkontrollen sind daher zurzeit sehr wichtig.

        In Folge der starken Niederschläge im Herbst konnte auf vielen Standorten das Wintergetreide nicht wie geplant bestellt werden. Häufig gelang die Aussaat des Sommergetreides auch erst im April.

        Zur Aussaat konnten vor allem Tonböden häufig nicht gelockert werden. Diese Bestände zeigen ebenfalls gravierende Trockenschäden, da die Pflanzen oft keine ausreichende Wurzelmasse bilden konnten und zudem das schnelle Wachstum nur eine geringe Bestockung zuließ.

        Die frühe Trockenheit im Mai begrenzte zusätzlich das Längenwachstum. In vielen Fällen konnte deshalb auf den Einsatz von Wachstumsregler verzichtet werden.

        Ackerbohnen reagieren auf Bodenverdichtungen vom Herbst

        In Folge des Verbots von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen der Greeningerfüllung hat der Anbau von Leguminosen an Attraktivität verloren. Die Nässe im Herbst und die Notwendigkeit des Anbaus von Sommerungen haben dennoch viele Landwirte dazu gebracht, Ackerbohnen, Erbsen und auch Sojabohnen anzubauen:

        • Trotz einer häufig sehr späten Saat haben sich die Leguminosen insgesamt bislang recht gut entwickelt.
        • Besonders Ackerbohnen haben jedoch einen sehr hohen Wasserbedarf. Erste Bestände reagieren bereits auf die Bodenverdichtungen der Ernte und Bestellarbeiten im Herbst.
        • Zudem zeigt sich vielerorts das Problem in einer ungenügenden Unkrautbekämpfung, denn das einzige noch verbliebene blattaktive Pflanzenschutzmittel Basagran hat die Zulassung verloren. 
        • Zusätzlich hat die Wärme dazu geführt, dass Blattläuse, insbesondere die Schwarzen Bohnenläuse, bereits sehr früh in die Bestände eingewandert sind.
        • Vor zwei Jahren hatte die Virusübertragung sehr hohe Ertragsverluste verursacht. Hier drohen daher zusätzliche Risiken.

        Raps: Hohe Ertragsverluste zu erwarten

        Hitze-Trockenstress-Raps-Niedersachsen

          Die Schäden des extremen Klimas waren im Raps bereits in der Blüte erkennbar:

          • Nach schwieriger Bestellung und schlechter Herbstentwicklung führte der schnelle Wetterumschwung ab Anfang April zu einem rasanten Wachstum und extremer Trockenmassebildung.
          • Die schnelle Entwicklung induzierte einen Nährstoffmangel, der neben einem starken Befall durch den Rapsglanzkäfer für den geringen Schotenansatz verantwortlich war.
          • Die Trockenheit begrenzt nun noch die Kornbildung, die nötig wäre, um den geringen Kornansatz zumindest zu gewissen Teilen zu kompensieren.
          • Bei schlechter Bestandesentwicklung und geringem Schotensatz sind daher hohe Ertragsverluste zu erwarten.

          Zuckerrüben: Erste Wachstumsdepressionen

            Trotz der Trockenheit haben die Zuckerrüben und der Mais bislang von der Wärme meist profitiert. Für die Rüben ist folgendes festzuhalten:

            • Die ersten Rüben hatten bereits Ende Mai die Reihen geschlossen. Allerdings zeichnen sich auf einigen Standorten auch erste Wachstumsdepressionen ab.
            • Die Rüben bleiben im Wachstum zurück und hellen auf. Ursache sind häufig Bodenverdichtungen, die besonders auf sehr tonigen Böden nicht vor der Saat beseitigt werden konnten. Die Dauernässe im Herbst hatte vielfach eine Lockerung nicht erlaubt.
            • Auf Sandböden wurde vielfach bereits die erste Beregnungsgabe zu Zuckerrüben durchgeführt, um einen frühen Blattverlust zu verhindern. Die Kapazitäten sind dafür jedoch kaum vorhanden.
            • Die Trockenheit hat auch in den Rüben zu einem frühen Befall durch die schwarze Bohnenlaus geführt, denn die insektizide Beize wurde nicht mehr ausreichend in die Pflanze transportiert.
            • Häufig sind mehr als 50 % der Pflanzen befallen, sodass Bekämpfungsmaßnahmen mit Insektiziden nötig sind. In Kontrollparzellen ohne die neonikotionidhaltige Beize liegt die Befallshäufigkeit bei 100 %.
            • Die Risiken im Rübenanbau nehmen damit in den nächsten Wochen zu.

            Mais: Auf Tonböden viele Körner vertrocknet

              Die Maisbestände zeigen eine sehr große Variabilität. Besonders frühe Saaten haben eine bislang selten gekannte Entwicklung vollzogen. Späte Saaten nach Grünroggen sind dagegen bislang nicht aufgelaufen oder konnten nur durch eine Beregnung zum Auflaufen gebracht werden.

              Ähnliche Probleme zeichnen sich auf schweren Tonböden ab:

              • Hier hat die unzureichende Bodenbearbeitung ebenfalls dazu geführt, dass die Saat nicht ausreichend tief abgelegt werden konnte, sodass das Keimwasser dann nicht mehr zur Keimung reichte.
              • Viele Körner sind hier bereits vertrocknet.
              • Auch Stark­regenereignisse in der frühen Phase haben z.B. im Weserbergland zu Verschlämmungen und in der Folge zu Pflanzenverlusten geführt.
              • Somit zeichnen sich auch im Mais sehr heterogene Bestände ab.
              • Auf Sandböden sind bereits erste Beregnungsgaben notwendig gewesen.

              Grünland: Wachstum stagniert auf leichten Böden

                Nachdem auf vielen Standorten der erste Schnitt unter günstigen Bedingungen eingebracht werden konnte, zeichnen sich jetzt auch im Grünland die Folgen der langanhaltenden Trockenheit ab. Vor allem auf leichten Böden stagniert das Graswachstum und viele Pflanzen sind vertrocknet.

                Auch interessant