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Projektstart

Niedersachsen will Wirtschaftsdünger noch effizienter nutzen

Gülletransporter auf Acker
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
07.10.2016

Cloppenburg - Mineraldünger einsparen und die Nitratbelastung reduzieren: Das sind Ziele des neuen Verbundprojektes „Wirtschaftsdüngermanagement Niedersachsen".

Wirtschaftsdüngermanagement Diskussionsrunde Gruppenfoto

Niedersachsen will Dünger ökologisch effizienter einsetzen, künstlichen Mineraldünger einsparen und die Nitratbelastung reduzieren. Deshalb wurde gestern das Projekt „Wirtschaftsdüngermanagement Niedersachsen“ an den Start gebracht. Das Land investiert für das dreijährige Projekt rund 900.000 Euro.

Geschlossene Nährstoffkreisläufe in der Landwirtschaft sollen gefördert und die Abgabe von Wirtschaftsdünger aus den Überschussregionen im Westen Niedersachsens an vieharme Gebiete besser kontrolliert werden.

Zertifizierung für Gülle-Transporte und Gülle-Börsen

Dazu gehört auch der Aufbau eines Zertifizierungssystems für die gesamte Logistikschiene im Bereich Wirtschaftsdünger,  also insbesondere für Gülle-Transporte und Gülle-Börsen. Zuständig dafür ist die NährstoffManagement Niedersachsen eG (NMN eG) unter Mitwirkung des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV).

Künftig zugelassene Transporteure sollen nach einheitlichen Standards arbeiten und die Überwachung transparenter werden. Nährstoffgehalte werden dokumentiert. Ein neu installierter Projekt-Beirat wird die Akteure unterstützen und beraten.

Oberstes Ziel: Düngung nach neuem Düngerecht

Zur Projektumsetzung wird es eine enge Kooperation zwischen Landwirtschaftskammer sowie Landwirtschafts- und Umweltministerium geben. „Das Verbundprojekt führt alle Akteure der Nährstoffkreislaufwirtschaft auf regionaler Ebene zusammen“, erklärte Kammerpräsident Gerhard Schwetje.

Dabei sei das oberstes Ziel aller Beteiligten, eine Düngung nach den Vorgaben des neuen Düngerechts zu erzielen. Gleichzeitig solle der Wasserschutz in aufnehmenden und abgebenden Regionen gesichert werden. Die nächsten Nährstoffberichte würde zeigen, ob Maßnahmen wie dieses Projekt Früchte tragen.

Heinrich Dierkes, Schweinehalter aus Goldenstedt und Vorsitzender der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.) ist überzeugt vom Gelingen des Projektes, wenn "wir hier auch innovativ denken können und nicht in Bürokratie erstarren". Ulrich Löhr, Ackerbauer aus Wolfenbüttel und Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks forderte: „Betriebe, deren Nährstoffbilanzen in Ordnung sind, sollten weniger kontrolliert werden als die, deren Bilanzen nicht in Ordnung sind“.

Landwirte auf neues Dünge- und Wasserrecht vorbereiten

Niedersachsen hat ein ganzes Bündel von Maßnahmen eingeleitet, um die Landwirte auf die neuen Anforderungen des Düngerechts und des Wasserrechts vorzubereiten. Neben dem Aufbau ordnungsrechtlicher Überwachungsmaßnahmen sowie dem organisatorischen und personellen Aufbau der Düngebehörde in der Landwirtschaftskammer gehört dazu eben auch das neue Verbundprojekt.

In Niedersachsen sind derzeit fast 50 Prozent der Grundwasserkörper, entsprechend 60 Prozent der Landesfläche, zu stark mit Nitrat belastet und damit im „schlechten Zustand“. Sogar 80 Prozent der Oberflächengewässer befinden sich in keinem „guten Zustand“. Den fordert aber die EG-Wasserrahmenrichtlinie. Grund für die Verunreinigungen sind überwiegend Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Flächen.

Dazu gehört die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern, Gärresten und Mineraldüngern. Insgesamt, so weisen es die Nährstoffberichte des Landes aus, werden in Niedersachsen rund 80.000 Tonnen Stickstoff und bis zu 40.000 Tonnen Phosphor über den Bedarf der Pflanzen hinaus gedüngt.

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