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Betriebsführung

Öko-Milchproduktion 2015 plus

von , am
11.12.2013

Die Abschaffung der Milchquote 2015 bewegt auch die Bio-Milcherzeuger. Wie sich der Bio-Milchmarkt entwickeln wird, wurde auf der Öko-Milchviehtagung im Haus Riswick diskutiert.

Parallel zur Entwicklung der Milchleistung ist auch die Kuhzahl auf Bio-Betrieben gestiegen. © Wucherpfennig
Zusammen mit den Ökoverbänden hatte die LWK Nordrhein-Westfalen Praktiker, Berater und Wissenschaftler zu der Tagung eingeladen. Nach Auskunft von Christine Rampold, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, (AMI) werden von 32 Bio-Molkereien in Deutschland 630 Millionen kg Milch erfasst. Dabei entfielen rund 50 % der Milch auf nur fünf Molkereien.
 
Seit Anfang des Jahres ist der Bio-Milchpreis um vier Cent auf aktuell 46,7 Cent je kg Milch gestiegen. "Der Preisabstand zwischen konventioneller und Bio-Milch ist jedoch auf nur sechs Cent gesunken, weil der konventionelle Preis stärker gestiegen ist", ergänzte Rampold. 2012 betrug dieser Abstand noch zehn Cent. Da die Bio-Milchpreise weniger vom Weltmarkt abhängig seien, schwankten sie weniger stark. Preiserhöhungen würden sich zudem weniger auf den Absatz auswirken. "Bio-Milch erweist sich als krisenfester", fasste Rampold zusammen.
 
In der anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich Vertreter von Bio-Molkereien und Erzeugergemeinschaften den Fragen der Teilnehmer. Jürgen Ricker von der Molkerei Söbbeke erwartet nach dem Auslaufen der Milchquote 2015 stärkere Preisschwankungen, die jedoch weniger die Bio-Milch beträfen. "Vollständig abkoppeln kann sich der Bio-Milchpreis jedoch nicht. Auch derzeit wird er von der Entwicklung im konventionellen Markt getrieben", sagte Ricker.
 
Nachfrage im Ausland
 
Martin Finken, MUH/Arla Foods Deutschland, sieht als "größte Bremse im Bio-Bereich" die sinkende Umstellungsbereitschaft, die er vor allem auf die Flächenknappheit zurückführt. Ein wachsender Markt entwickle sich im Ausland. "Wir haben steigende Nachfrage nach H-Bio-Milch aus China", nannte Finken ein Beispiel. Dem schloss sich Hans Bürgers von der Molkerei Walhorn an, der ebenfalls in Asien ein großes Potential sieht. Johannes Berger, Vorsitzender der Bio-MilchErzeugerGemeinschaft Nord, forderte mehr Engagement in der Vermarktung. Die Nachfrage nach Bio-Produkten wachse stetig und man produziere primär für den heimischen Markt. "Als Erzeuger benötigen wir 10 Cent mehr als bei konventioneller Erzeugung", positionierte sich Berger klar gegenüber den Molkereien.
 
Bert Wagenvoort und Herman Nieuwe Weme, Mitglieder im Melkpool Eco Holland, sprachen sich für mehr "Enthusiasmus" aus. In den Niederlanden haben 60 % der Bio-Milchvieh-Betriebe schon jetzt die betriebliche Nachfolge gesichert. Wichtig sei die Unterscheidbarkeit zu konventioneller Erzeugung. „Weidegang ist ein klares Kennzeichen ökologischer Haltung", erklärte Wagenvoort. Seit fast 20 Jahren führt Christoph Drerup, Unternehmensberater für Öko-Milchviehbetriebe bei der LWK NRW, Betriebszweigauswertungen durch. Im Durchschnitt lag der Bio-Milchpreis zwischen 35 und 40 Cent. "Nur in den nachfragebedingten Hochpreisphasen 2007/08 und 2011/12 wurden Milcherlöse um die 45 Cent je kg erzielt", ergänzte Drerup. Wie im konventionellen Bereich stieg die durchschnittliche Milchleistung auch in Bio-Betrieben, bis 2012 auf 7.400 kg. In den letzten Jahren vergrößerte sich der Leistungsunterschied zu den konventionellen Milchviehbetrieben, weil die Milchleistung in Öko-Betrieben stagniere. "Der Leistungsunterschied ist 2011/2012 auf rund 1.500 kg Milch gestiegen", so Drerup.
Betriebsgröße steigt
 
Parallel zur Entwicklung der Milchleistung ist auch die Kuhzahl gestiegen. "Der Trend zur Betriebsvergrößerung spiegelt sich hier wider", sagte Drerup. Durchschnittlich werden in dem von ihm ausgewerteten Betrieben 80 Kühe gehalten, was 600.000 kg erzeugter Milch je Betrieb entspreche. Im Schnitt der vergangenen 20 Jahre waren ökologisch wirtschaftende Betriebe ähnlich erfolgreich wie ihre konventionellen Kollegen. "Hinsichtlich des Kalkulatorischen Ergebnisses war mal ökologisch, mal konventionell stärker", urteilte Drerup.
 
In der Summe hätten die Bio-Betriebe aber eine hohe Kontinuität bei der Eigenkapitalbildung erreicht. Sorgen bereiten dem Unternehmensberater jedoch die gestiegenen Kosten: "Innerhalb der letzten zehn Jahre sind die Vollkosten je Kuh um 110 Euro jährlich gestiegen." Diese Kosten müssten künftig gedeckt werden. "Bei einer Fortführung der bisherigen Entwicklungen sind die Milchleistung je Kuh und die Kuhzahl je Betrieb weiter zu steigern", wagte Drerup einen Blick in die Zukunft. Die erforderliche Arbeitserledigung müsse aber auch sozialverträglich erfolgen.
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