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Kommentar

Pflanzenschutz: Pflug, Striegel oder Hackmaschine sind kein alter Hut

Werner Raupert
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Werner Raupert, LAND & Forst
am
16.02.2018

Ackerbauern stoßen beim Pflanzenschutz an ihre Grenzen. Wie geht es weiter, fragt sich der stellvertretende Chefredakteur Werner Raupert.

Resistenzen, Zulassungsstaus, Wegfall von wichtigen Wirkstoffen – es ist keine leichte Zeit für die Ackerbauern. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, brachte die Leiterin des Pflanzenschutzamtes Hannover, Dr. Carolin von Kröcher, auf den Punkt. Sie referierte auf der Pflanzenbaufachtagung der Landwirtschaftskammer in Rethmar über die Zukunft des Pflanzenschutzes.

Die Fakten auf dem Acker sprechen für sich. Dazu kommt, dass Politik und Gesellschaft zunehmend ein Problem mit der Chemie haben. Viele Jahrzehnte hatten Züchter oder Agrarchemie einfache Lösungen parat. Das ist jetzt vorbei.
Pflanzenschutz ist eben nur ein Teil des Ackerbaus. Das muss erst einmal wieder in die Köpfe rein. Wer guten Ackerbau betreibt, kann den Anteil des chemischen Pflanzenschutzes deutlich verringern, war die Botschaft der Expertin.

Fruchtfolge optimieren

Jeder muss nun neu denken. Das fängt bei der Fruchtfolgeplanung an. Über 30 % der Fruchtfolgen in Niedersachsen wurden in einer Untersuchung der Universität Göttingen als einseitig eingestuft. Das ist eine alarmierende Zahl.
Viel zu lange wurde weggeschaut. Andererseits gibt es auch viele Betriebe, die diese Fehler früh erkannten und gegensteuerten. Sie setzen auf Vielfalt und positive Fruchtfolgeeffekte.

Striegel und Hackmaschinen sind kein alter Hut

Schon das Verschieben der Saatzeit im Herbst nach hinten, der Einbau von Sommerungen in die Fruchtfolge und der Einsatz von Striegel oder Hackmaschinen können den Druck durch resistente Ungräser und Unkräuter mildern.

Das ist natürlich mit mehr Planung und Arbeit verbunden. Eventuell sinken vorübergehend Deckungsbeiträge, denn positive Effekte werden nicht gleich im ersten Jahr der Umstellung sichtbar.

Manchen bleibt schon heute kein anderer Weg. Andere haben es noch in der Hand, die Probleme selbst anzugehen. Immer mehr wird es darauf ankommen, je nach Standort und Jahreswitterung flexibel zu reagieren.

Dank Digitalisierung und guter Prognosemodelle sind die Voraussetzungen wesentlich besser als in den früheren Generationen. Trotzdem lohnt sich ein Blick zurück ebenso. So sind Werkzeuge wie Pflug, Striegel oder Hackmaschine beileibe kein alter Hut.

Anzahl der Wirkstoffe wird weiter abnehmen

Und auch der Austausch mit Biobauern kann weiterhelfen. Sie sammeln schließlich über viele Jahre wertvolle Erfahrungen damit, wie man ohne Chemie klar kommt. Dieses Wissen kann noch sehr nützlich sein. Denn so viel ist sicher: Die Anzahl der Wirkstoffe wird weiter abnehmen.

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