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Nachhaltigkeit

Plastikmüll vermeiden: Was Sie als Direktvermarkter tun können

Direktvermarktung-Verpackung-LWK-Niedersachsen
Christine Paymeyer LWK Niedersachsen
am
30.10.2017

Nach EU-Richtlinie 2015/720 soll der Verbrauch von Plastiktüten bis 2025 auf 40 Plastiktüten pro Kopf und Jahr gesenkt werden. Was Direktvermarkter tun können.

Nach der EU-Richtlinie 2015/720 soll der Verbrauch von Plastiktüten bis 2025 auf 40 Plastiktüten pro Kopf und Jahr gesenkt werden. Deshalb gibt es kostenlose Plastiktüten beim Handel nur noch selten.

Auch die Direktvermarkter müssen sich Gedanken machen, wie sie die Ware umweltbewusst verpacken. Bis zu 500 Jahre braucht eine Plastiktüte, bis sie vollständig abgebaut ist.

Direktvermarkter, die sich Gedanken zu Alternativen zu machen, müssen aber feststellen: In der Öko-Bilanz kommt keine Tüte besonders gut weg:

  • Papiertüten brauchen pro Tonne Papier rund 50.000 Liter Wasser und etliche Chemikalien, damit das Papier reißfest wird.
  • Kunststoffbeutel aus Polypropylen brauchen zwar Erdöl für die Herstellung, aber weniger Wasser und Chemikalien als Papiertüten.
  • Mehrwegtaschen aus recyceltem Kunststoff sind extrem belastbar und langlebig. Ihre Ökobilanz ist schon nach dreimaliger Verwendung positiv, da sie unter anderem aus recycelten PET-Flaschen gefertigt werden. Sie kosten im Einkauf je nach bestellter Stückzahl etwa 0,80 bis 1,20 Euro.
  • Jutebeutel verbessern ihre Ökobilanz erst nach 25-maliger Verwendung, da in der Herstellung von Baumwolle, genauso wie bei Papier, viel Wasser und Chemie eingesetzt wird.
  • Kompostierbare Tüten aus Maisstärke und Pflanzenöl sind unbedruckt nur in einer industriellen Kompostieranlage vollständig kompostierbar. Ein weiterer Nachteil sind die hohen Kosten. Die Tüten sind nur für den einmaligen Gebrauch gedacht und müssen im Einkauf mit 4,5 bis 10 Cent kalkuliert werden.
  • Waschbare Obst- und Gemüsenetze können einzeln oder als Set an den Kunden weitergegeben werden, aber auch hier entstehen bei erstmaliger Anschaffung hohe Kosten für den Kunden.

Verpackungsfreier Einkauf beim Direktvermarkter

Auch Direktvermarkter sollten sich umd die Vermeidung von Verpackungsmüll bemühen. So können sie den neuen „verpackungsfreien“ Einkaufstrend aufgreifen: Seit einigen Jahren gibt es nämlich in großen Städten Läden, die Obst, Gemüse, Trockenwaren, Reinigungsmittel und Non-food-Produkte ohne Verpackung anbieten.

In Braunschweig und Osnabrück hat beispielsweise ein Unverpacktladen (www.tara-unverpackt.de) eröffnet. Der Kunde bringt seinen eigenen Behälter mit in den Laden und füllt ihn mit der gewünschten Ware auf.

    Was Sie als Direktvermarkter beachten sollten

      Als Direktvermarkter, die unverpackte Produkte anbieten will, sollten Sie folgendes bedenken:

      1. Das Verkaufen loser Ware erspart nicht nur wertvolle Arbeitszeit, sondern das oft auch sehr teure Verpackungsmaterial.
      2. Vorsicht ist bei der Lebensmittelkennzeichnung geboten: Der Grundpreis, die Inhaltsstoffe, die Warenbezeichnung sowie der Hersteller müssen gut leserlich an dem Produkt angebracht werden.
      3. Bereits bei der Produktplatzierung können Sie als Direktvermarkter ein Zeichen setzen: Machen Sie Ihren Kunden deutlich, bei welchen Produkten es sinnvoll ist, eine Tüte zu verwenden und bei welchen nicht. Feldsalat und Pfifferlinge zum Beispiel brauchen eine Umverpackung. Möhren oder Porree hingegen kommen gut ohne weitere Verpackung aus.
      4. Verpackungsbedürftige Produkte sollten Sie dementsprechend nebeneinander platzieren.
      5. In dem engen Kontakt, den die meisten Direktvermarkter zu ihren Kunden haben, können solche Überlegungen kommuniziert werden und somit ein langfristiges Umdenken beim Verbraucher erzielen.
      6. Gegebenenfalls anfallende Mehrkosten sollten Sie transparent darstellen.
      7. Weitere Anreize können Sie durch ein Punktesystem erzielen: bei jedem Einkauf mit einer mitgebrachten Tüte wird beispielsweise auf einer Kundenkarte ein Punkt gut geschrieben. Ist diese voll, können Sie Ihrem Kunden als Belohnung zum Beispiel einen Rabatt auf den nächsten Einkauf gewähren.
      8. Das System bindet den Kunden an das Unternehmen und wirkt sich außerdem positiv auf die Umwelt aus.
      9. Eine Verpackung sollte immer in das Gesamtkonzept passen.

      Kunde muss verpackungslosen Einkauf besonders vorbereiten

      Einen verpackungslosen Einkauf muss der Kunde jedoch besonders planen, denn wer in diesen Läden spontan einkaufen möchte, stößt schnell an seine Grenzen. Deshalb

      • sollte im Vorfeld eine Einkaufsliste geschrieben und
      • die dafür benötigten Behältnisse und Tüten müssen mitgenommen werden.

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