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Betriebsführung

Preise für Nahrungsmittel steigen

von , am
27.02.2013

Prof. Dr. Harald von Witzke von der Uni Berlin referierte im Landkreis Osterholz über die Herausforderungen für die Agrar- und Ernährungswirtschaft und die Entwicklungen auf den Märkten.

Gemeinsam mit der Beratung sollten Erweiterungsmaßnahmen sorgfältig geplant werden. © LWK

Der Referent setzt ganz klar auf Produktivitätssteigerung im Kampf gegen Hunger. Für von Witzke ist es ein Skandal,  dass die EU zum weltweit größten Nettoimporteur von Agrarprodukten geworden ist. "Wenn wir die Produktion in der EU nicht nachhaltig steigern, würden in anderen Ländern Flächen für die Produktion von Agrargütern durch Rodungen geschaffen- mit fatalen Folgen für den Klimawandel", so von Witzke.

Preise schwanken stärker

Die weltweite Nachfrage nach Agrargütern würde stärker als das Angebot steigen. Von Witzke rechnet in den kommenden Jahrzehnten mit höheren Weltmarktpreisen für Agrarprodukte, allerdings mit starken Schwankungen. Die Preissteigerungen werden moderat ausfallen. Auch würden die Produktionskosten ansteigen, allen voran würde der Boden teurer werden. "Je höher die Nahrungsmittelpreise sind, desto höher sind die Pachtpreise", so von Witzke.

Auch würden steigende Weltmarktpreise für Agrargüter dazu führen, dass die weltweite Nahrungsmittelversorgung zu einem politischen Problem werde. Pro Jahr würde die Anzahl der hungernden und mangelernährten Menschen um vier Millionen zunehmen. Mit steigenden Nahrungsmittelpreisen würde sich die Situation noch verschärfen.  "Von 1960 bis 1990 lag der weltweite Produktionszuwachs bei etwa 4 Prozent pro Jahr. Heute liegen wir bei knapp 1 Prozent mit weiter sinkender Tendenz." Dies ist nach Aussage des Wissenschaftlers ein entscheidender Grund dafür, dass der größte Teil der hungernden und mangelernährten Menschen auf der Welt Kleinbauern sind.

Die Importlücke der armen Länder, die sich voraussichtlich von 2000 bis 2030 verfünffachen werde, könne nur dann geschlossen werden, wenn auch in Europa mehr produziert und mehr exportiert werde. Laut von Witzke lebe Deutschland verschiedenen Klimamodellen zufolge in einer privilegierten Situation. "Im Gegensatz zu den ärmsten Ländern der Welt haben wir das Potenzial zu mehr Produktion, allerdings haben auch wir politische Beschränkungen, die die Agrarforschung, zum Beispiel im Bereich gentechnischer Verfahren, stark behindern", so der Redner. Wie können also Welthunger und Klimaerwärmung eingedämmt werden, wenn die landwirtschaftliche nutzbare Fläche begrenzt ist? "Die landwirtschaftliche Produktion muss gesteigert werden", sagte von Witzke, "eine Politik der Stilllegung macht keinen Sinn".

Kontrollen  müssen sein

Auf der gut besuchten Veranstaltung der landwirtschaftlichen Organisationen im Kreis Osterholz berichtete Dr. Wilfried Steffens vom Landvolk Niedersachsen über den Stand der GAP-Reform und die Kreistierärztin Dr. Simone Lütkes über Aktuelles aus dem Veterinäramt. Es herrsche eine ruhige Tierseuchenlage. Bei BHV 1 seien 90 % frei, in Niedersachsen gebe es noch 17.000 Reagenten. Diskutiert wird über eine Verschärfung der Bestimmungen; dazu könnte ein Weideverbot gehören.

Bei Blauzunge gibt es eine Impfmüdigkeit (nur 100 Impfungen 2012) und beim Schmallenberg-Virus gab es voriges Jahr in Niedersachsen 379 Nachweise; auch hier ist die Zahl der Meldungen rückläufig. Lütkes schilderte dann ausführlich den Ablauf von anlassbezogenen und systematischen Kontrollen. Bei 300 Kontrollen im Kreis gab es beispielsweise 62 Sanktionen.

Wie bekomme ich schnell, günstig und ohne Stress die Baugenehmigung für Neubau oder Erweiterung vom Kuhstall? Und was ist im Hinblick auf Geruchsimmissionen zu beachten? Darüber informierten sehr anschaulich Richard Eckermann und Heiko Gutsche vom Landkreis Osterholz. Beide lobten den intensiven Austausch mit dem Kreislandvolk und seinem Vorsitzenden Reinhard Garbarde; die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen könnten viel voneinander lernen.

Versierten Planer suchen

Wichtig sei auch die Akzeptanz und das gegenseitige Verständnis zwischen Landwirten und dem Bauamt; schließlich wolle der Landkreis ein guter Dienstleister sein. Und Eckermann wies darauf hin: "Bei genehmigten Bauvorhaben steht der Landkreis an der Seite der Landwirte".

Gutsche riet dringend zu einer sorgfältigen Vorplanung vor der Antragstellung. Bei der Auswahl vom Entwurfsverfasser empfahl er einen "versierten Fachplaner, der vollständige Unterlagen einreiche und kooperativ mit allen Beteiligten zusammenarbeite".

Und auch bei belastbaren Gutachten, die schließlich der eigenen Planungssicherheit dienen würden, sollten Fachleute, beispielsweise für Kompensationsplanung, eingebunden werden. Eine Gemeinde im Kreis Osterholz hat einen Kompensationsflächenpool, ansonsten ist der Ausgleich am Ort des Eingriffs erforderlich.
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