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Rindermarkt

Rindfleischnachfrage steigt

Dr. Albert Hortmann-Scholten,LWK Niedersachsen
am
29.09.2016

Die Zahl der geschlachteten Bullen hat abgenommen, aber die Rindfleischnachfrage steigt. Wie geht es am Markt weiter? Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LWK Niedersachsen wagt eine Prognose.

Die in Deutschland erzeugte Rindfleischmenge wird 2016 vermutlich kleiner ausfallen als im Vorjahr. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres rund 10 % weniger Jungbullen geschlachtet.

Allerdings könnten durch das Milchmengenreduktionsprogramm im letzten Quartal dieses Jahres vermehrt Schlachtkühe angeboten werden. Hierdurch dürften sich Preisbelastungen im Verarbeitungssektor und bei schwächeren Qualitäten ergeben.

Export boomt

Gleichzeitig boomen die Rindfleischausfuhren der EU aufgrund der relativ guten internationalen Nachfrage. Größter Abnehmer für europäisches Rindfleisch ist inzwischen die Türkei. Laut deren Angaben wird der Rindfleischbedarf hoch bleiben, weil es bislang nicht gelungen ist, den Aufbau eigener Rinderbestände zu erreichen.

Kleineres Angebot aus Deutschland

Mit Blick auf das Jahr 2017 wird sich die Reduzierung des deutschen Angebotes aufgrund der Abstockung der Rinderherden fortsetzen. Jedoch wird aufgrund des Strukturwandels der Durchschnittsbetrieb immer mehr Rinder halten. Dazu kommen regionale Verschiebungen. Während die Gesamtzahl von Milchkühen in Deutschland im Vorjahresvergleich abgenommen hat, wurden die Bestände in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen leicht aufgebaut.

Auch in der Rassenverteilung gab es Verschiebungen. Rund die Hälfte der gehaltenen Rinder fällt mit 6,2 Mio. Tieren auf die Rasse Holstein Schwarzbunt, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Kälberbeschaffung immer schwieriger werden. Schon jetzt ist in Relation zum Preis für Schwarzbuntkälber der Fleckviehkälberpreis deutlich angestiegen.

Fleckviehkälber deutscher Herkunft gleichen sich im Phänotyp allerdings immer mehr den HF-betonten Schwarz- und Rotbunttieren an. Dies geht zu Lasten der Masteigenschaften. Infolgedessen hat sich im Vergleich zu früheren Jahren auch die Handelsklasseneinstufung verschlechtert. Optimale Klassifizierungsergebnisse gibt es nur, wenn süddeutsche Mastherkünfte auf hohe Schlachtgewichte gemästet werden.

Steigende Nachfrage

Positiv entwickelt sich derzeit der Verbrauch von Rind und Kalbfleisch. Dafür spricht, dass durch den demographischen Wandel Rind- und Geflügelfleisch mehr gefragt sind. Des Weiteren war bislang der Rindfleischmarkt im Gegensatz zum Schweinemarkt weniger durch eine negative öffentliche Berichterstattung begleitet, wodurch sich insgesamt weniger negative Markteinflüsse ergeben haben.

Aussichten

- Der deutsche Rindfleischmarkt wird sich perspektivisch in den nächsten Jahren positiv entwickeln, dafür dürfte eine mindestens stabile bis leicht steigende Nachfrage bei einem gleichzeitig rückläufigen Angebot sorgen.

- Die Beschaffung von Qualitätskälbern ist und bleibt für die Bullenmäster langfristig eine Herausforderung.

 

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