Login
Betriebsführung

Ruhe bewahren, sachlich diskutieren

von , am
20.02.2013

Was Bauanträge und Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam haben, zeigten die Agrar-Management-Tagungen in Uchte und Bücken, organisiert von der Sparkasse Nienburg und der LWK Niedersachsen.

Organisatoren und Referenten (von links): Uwe Rötschke, LWK; Bernd Rosenberg, Sparkasse Nienburg; Hartmut Schlepps, Landvolk; Angelika Sontheimer, Agrarjournalistin; Heinfried Sudmann, Landwirt; Oliver Pohlmeier, Sparkasse Nienburg. © Bergmann

Heinfried Sudmann ist Milchviehhalter in Sankt Hülfen im Kreis Diep-holz. Innerhalb der vergangenen 26 Jahre ist aus seinem Familienbetrieb mit 70 Kühen ein mittelständisches, landwirtschaftliches Unternehmen mit 830 Kühen, 460 ha Acker und Grünland und einer Biogasanlage entstanden. Heute arbeiten neben der Familie noch 10,5 Fremd-AK und zwei Auszubildende auf dem Hof. Wie man so eine Betriebsentwicklung plant, welche Erfahrungen er mit Bauanträgen gemacht hat und welche Rolle die Öffentlichkeitsarbeit gespielt hat, das berichtete er sehr anschaulich den zahlreichen Teilnehmern der Tagungen.

Sorgfältige Planung

"Das fängt damit an, dass man sehr sorgfältig überlegen muss, wo der geeignete Standort ist", zeigt der Landwirt den Beginn einer Betriebsplanung auf.

Ganz wichtig wäre es, die Entwicklungsfähigkeit des Standortes im Auge zu behalten. Das unterstrich auch Hartmut Schlepps, Umweltreferent beim Landvolk Niedersachsen in seinen Vortrag über Wachstumschancen landwirtschaftlicher Betriebe unter verschärften Auflagen. Die Nähe zu FFH-Gebieten, Gewässern oder Wald führe oft dazu, dass Betriebe später nicht mehr aufstocken könnten. "Wald ist bei uns ein heiliges Gut, im Extremfall können schon kleine Gehölzflächen Probleme bereiten", berichtete Schlepps. Eine gute Beratung bei der Planung und im Genehmigungsmanagement ist seiner Ansicht nach unverzichtbar, und zwar noch vor Einreichung eines Bauantrages. Im Vorfeld müsse nicht nur geklärt werden, ob der Standort nach Baurecht, Naturschutz und Bauplanung genehmigungsfähig ist, sondern ebenso müsse frühzeitig eine eventuelle Erweiterung berücksichtigt werden.

Neben einer zukunftsorientierten Planung legte Sudmann vor allem Wert auf die Kooperation mit allen an einem Bauprojekt beteiligten Institutionen. "Suchen Sie den Kontakt zu den entsprechenden Abteilungen, reichen Sie fehlende Dokumente schnell nach, versuchen sie immer eine Einigung herzustellen", empfahl er.

Und wie reagierte die Nachbarschaft auf die Aufstockungsmaßnahme? "Ich wurde oft gefragt, ob es denn so viele Tiere sein müssten, ob der alte Bestand nicht auch gereicht hätte", berichtete Sudmann. Den Menschen hätte er dann zum Beispiel erklärt, dass er Spaß an der Milchviehhaltung hat, aber mit einem kleinen Betrieb könne man keine Angestellten bezahlen. "Die Diskussion mit den Menschen führen, ihnen sachlich erklären, was man tut und warum, das gehört zu einer guten Öffentlichkeitsarbeit", ist er überzeugt. Auch dazu gehöre seiner Meinung nach, bei der täglichen Arbeit Rücksicht auf Anwohner zu nehmen und sich im Ort zu engagieren. Damit bestätigte er die Ausführungen von Angelika Sontheimer, Agrarjournalistin aus Winsen, die professionelle Tipps zur Öffentlichkeitsarbeit gab. "Suchen Sie das persönliche Gespräch", war auch ihr Rat an die Zuhörer. Kämen Besucher auf den Hof, dürfe man nicht zu viel Fachwissen voraussetzen.

Die Perspektive wechseln

Es könne auch helfen, mal die Perspektive des anderen einzunehmen. Verbraucher seien nicht ignorant und würden durchaus technischem Fortschritt aufgeschlossen gegen-überstehen. "Gehen Sie einfach mal einen Schritt zur Seite und schauen Sie aus Sicht des Besuchers auf ihren Hof", ermunterte die Referentin.

Den Umgang mit der Öffentlichkeit könne man trainieren. Es sei ratsam, den Kontakt zu Funktionsträgern und Meinungsbildnern aktiv zu suchen. Dazu gehörten Journalisten ebenso wie Umweltorganisationen und Lehrer. Wiederkehrende Anlässe, wie Ernte oder Aussaat, könnten genutzt werden, um die Bevölkerung aufzuklären. Dabei sachlich informieren, ehrlich und vertrauenswürdig bleiben, Absprachen immer einhalten. "Oder einfach ausgedrückt", verdeutlichte sie, "alle so behandeln, wie man selber behandelt werden möchte."

In Krisen ruhig bleiben

Auch für den Umgang mit Krisen gab Sontheimer wertvolle Hinweise. Wichtig wäre hier vor allem, nicht zu warten, sondern selber den Kontakt zu Journalisten zu suchen, ruhig zu bleiben, auch wenn man provoziert wird. Dabei nur Fakten kommunizieren, auf Schuldzuweisungen verzichten und immer "mit einer Stimme" sprechen.

Nicht nur der Umgang mit der Öffentlichkeit, sondern auch die behördlichen Auflagen bleiben für Landwirte eine Herausforderung. "Zunehmende gesetzliche Anforderungen und die Kritik aus der Bevölkerung wirken wachstumshemmend", erklärte Schlepps. Verschärfte Genehmigungsanforderungen ließen sich nur noch mit hohen Kosten erfüllen. Als sehr problematisch sah er aufgrund der hohen Immissionen die Genehmigung von Offenställen in Zukunft.

Kritiker der modernen Tierhaltung in der Politik wollen die Grenzen für BImSch-Genehmigungen und die UVP herabsetzen, die Privilegierung von Betrieben an die Futtergrundlage binden und alle BImSch-Tierhaltungen nur auf Basis eines Bebauungsplanes der Gemeinden zulassen. "Wachstum kann es nur geben, wenn es der Landwirtschaft selber gelingt, der Kritik an der Tierhaltung erfolgreich zu begegnen, Lösungen für eine nachhaltige Wirtschaftsdüngerverwertung anzubieten und strenge Immissionsschutzauflagen zu erfüllen", fasste Schlepps seine Ausführungen zusammen.
Auch interessant