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Wieder sehr viel Energie im Spiel

Zwei Männer am Futtertisch bei des Qualitätsprüfung von Silage
Maike Fritz, LUFA Nord-West
am
22.08.2019

Etwa 2.000 Grassilageproben aus Niedersachsen untersuchte die LUFA Nord-West. Wo liegen die Stärken der diesjährigen Schnitte?

Die Grassilagesaison hat es erneut mit Witterungsunbilden zu tun. Nach langer Trockenheit fallen regional wieder reichliche Niederschläge. Wie am Ende des Jahres die diesjährige Futterbilanz aus-sehen wird, ist nach wie vor offen. Klar ist aber, wie die ersten Grasschnitte ausgefallen sind.

Trockensubstanzgehalte der Grassilagen im optimalen Bereich

Die durchschnittlichen Trockensubstanzgehalte (TS-Gehalte) lagen bei den bisher untersuchten Proben im Durchschnitt bei 38,1 % und somit im optimalen Bereich. Allerdings ist der Schwankungsbereich mit 21,1 bis 58,1 % sehr groß.

  • 41 % der Silagen befinden sich im optimalen TS-Bereich zwischen 30 bis 40 %.
  • 20 % der Silagen waren mit einem TS-Gehalt von über 45 % zu trocken.
  • Die Grassilagen weisen einen mittleren Aschegehalt von 10,0 % auf.
  • Durch den niedrigen Aschegehalt steigt der Energiegehalt, er liegt mit Schnitt bei 6,5 MJ/kg in der TS (sehr gutes Niveau). Mit steigender Probenzahlen und einem höheren Anteil an Folgeschnitten wird der mittlere Energiegehalt aber noch sinken.
  • Die durchschnittlichen Fasergehalte sind im Vergleich zu 2018 weiter gesunken. Dies ergibt bei den bisher untersuchten Grassilagen im Mittel 0,3 MJ/kg TS mehr NEL als 2018.
  • Der erste Schnitt weist einen mittleren Rohproteingehalt von 16,7 % in der TS auf. Bei der Rationsplanung sollte darauf geachtet werden, dass ein hoher Stickstoff(N)-Gehalt in der Grassilage durch andere Komponenten ausgeglichen wird.
  • Die Gehalte an nutzbarem Rohprotein liegen bei den drei Schnitten der Saison 2019 durchschnittlich bei 144 g pro kg Trockensubstanz.
  • Es wird ein möglichst hoher Reineiweißgehalt angestrebt. Der durchschnittliche Anteil des Reineiweißes am Rohprotein beträgt über alle Grassilageproben der Saison 51,8 %. Dieser Wert ist niedriger, als in den letzten beiden Jahren und wird wahrscheinlich durch hohe Proteingehalte in jungem Gras und geringe Rohfasergehalte hervorgerufen.

Niedrigster Rohfasergehalt

Die diesjährigen Rohfasergehalte schwanken wieder erheblich und liegen beim ersten Schnitt durchschnittlich bei 22,9 % in der TS und somit niedriger als in den letzten Jahren. Beim zweiten Schnitt liegt der Rohfasergehalt im Mittel bei 26,1 % in der TS. Optimal sind Rohfasergehalte von 22 bis 25 % in der TS.

Aus der Rohfaser lässt sich der Strukturwert der Grassilage ableiten. Die Gesamtration muss in Abhängigkeit von der Milchleistung mindestens einen Strukturwert größer 1 aufweisen. Bei den Grassilagen der Saison 2019 liegt der Strukturwert im Mittel bei 2,7 (Schwankungsbreite 2,1 bis 3,5). Die Zielgröße für den Strukturwert von Grassilagen liegt zwischen 2,6 und 2,9.

Da die ADFom negativ in die Energiebewertung von Grasprodukten eingeht, führt ein hoher Wert zu niedrigen Energiegehalten. Der Wert für die ADFom sollte zwischen 25 und 30 % in der TS liegen. Im Mittel liegt er 2019 bei 26,3 %.

Die ermittelte Gasbildung (Maß für die Verdaulichkeit) liegt bei den Grassilagen im Mittel bei 51,1 ml/200 mg TS. Mit einem Wert von 52,6 ml/200 mg Trockensubstanz im ersten Schnitt ist dieser Wert höher als in den letzten Jahren.

Energiegehalt: NEL höher als im Vorjahr

Die aus den Rohnährstoffgehalten errechneten NEL-Gehalte liegen im Durchschnitt beim ersten Schnitt mit 6,6 MJ pro kg Trockensubstanz und somit über dem Niveau der Vorjahre. Auch der zweite Schnitt weist mit durchschnittlich 6,2 MJ/kg TS einen hohen Energiegehalt auf.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Bei den mittleren Gehalten zeigen sich nur sehr geringe Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren. Auffällig sind die starken Schwankungen. Durchschnittswerte sagen daher sehr wenig über den tatsächlichen Gehalt der eigenen Silage aus.

Es ist wieder auffällig, dass der Kaliumgehalt besonders hoch ist. Kalium fliest positiv in die Kationen-Anionen-Bilanz ein und erhöht somit die Gefahr von Milchfieber. Allerding ist im Gegensatz zum letzten Jahr der Calciumgehalt sehr niedrig. Auf eine ausreichende Calciumversorgung der Laktierenden muss ebenso geachtet werden.

Die Untersuchung der Grassilagen auf ihren Gehalt an Phosphor, Natrium, Magnesium und Kalium ist für die Rationsgestaltung ebenso wichtig.

Die durchschnittlichen Gehalte an Spurenelementen variieren über die letzten Jahre nur geringfügig. Bei den Spurenelementen zeigen sich allerdings wie bei den Mineralstoffen, große Unterschiede von Probe zu Probe. Nur das Einzelergebnis ist deshalb aussagekräftig.

Gärqualität und Siliererfolg

Bei der Ermittlung der Gärqualität wird der aktuelle DLG-Gärfutterschlüssel verwendet. Es zeigt sich, dass der durchschnittliche Gehalt an unerwünschter Buttersäure 0,25 % in der TS beträgt und niedriger ist als im Vorjahr.

Die durchschnittlichen Buttersäuregehalte sind im Vergleich zu letztem Jahr gesunken. Der Gehalt an Essigsäure liegt im Mittel bei 1,90 % in der TS und ist höher als in den vergangenen Jahren. Anzustreben sind hier Gehalte von unter 3,0 %. Der pH-Wert liegt im Mittel bei 4,5 und ist vergleichbar mit den Vorjahreswerten. Für den Trockenmassenbereich von 30 bis 45 % liegt der anzustrebende pH-Wert bei kleiner 4,5. Dieser Zielwert wird dieses Jahr durchschnittlich knapp nicht erreicht.

Mit im Mittel 87 DLG-Punkten wurde ein sehr gutes Ergebnis für die bisher eingesendeten Proben erreicht.

Tabelle: Grassilage Ernte 2019: Gärqualitäten nach DLG

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