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Grundfutterkonservierung

Siliermittel für Maissilagebereitung gezielt einsetzen

Maisernte
Dr. Christine Kalzendorf, LWK Niedersachsen
am
24.08.2018

Als leicht silierbare Futterpflanze ist eine gute Gärqualität für den Mais nahezu mühelos zu erreichen. Doch hapert es in der Praxis oft mit der Haltbarkeit ab Siloöffnung.

Wie lässt sich für Maissilagen die Nacherwärmung verhindern?

  • perfekte Silier- und Fütterungstechnik
  • dem Tierbestand angepasste Silogeometrie
  • Siliermittelzusatz als prophylaktische Maßnahme

Auf DLG-Gütezeichen achten

Bei den Siliermitteln unterscheidet man zwei wesentliche Wirkungsrichtungen:

  • Wirkungsrichtung 1 sind Mittel, die vorzugsweise die Gärqualität.
  • Wirkungsrichtung 2 sind alle Siliermittel zur Verbesserung der aeroben Stabilität.

Für den Mais sind bevorzugt Siliermittel in der Wirkungsrichtung 2 einzusetzen. Hier stehen biologische, chemische Produkte und biologisch-chemische Kombinationen zur Verfügung.

Biologische oder chemische Siliermittel?

Welche der drei Produktgruppen sind vorrangig zu empfehlen? Die Antwort hängt von den jeweiligen betrieblichen Gegebenheiten ab.

  • Normalerweise kommen biologische Siliermittel in Form von heterofermentativen Milchsäurebakterien zum Einsatz. Sie sind kostengünstiger als chemische Produkte. Es reichen relativ geringe Dosiermengen, weshalb geringere Standzeiten für das Nachfüllen des Siliermitteltanks anfallen.
     
  • Das Wirkungsspektrum bei alleiniger Anwendung von heterofermentativen Milchsäurebakterien ist nur auf Hefekeime ausgerichtet. Schimmelpilze werden nicht oder nur gering unterdrückt.
  • Mit chemischen Siliermitteln und biologisch-chemischen Kombinationen werden  Hefe- und Schimmelpilze erfasst. Die Produkte sind allerdings teurer und erfordern höhere Applikationsmengen. Oft sind bei den biologisch-chemischen Siliermitteln zwei Dosiergeräte erforderlich.

Empfehlung für die Praxis:

  • Bei guter Silier-  und Fütterungstechnik reicht Einsatz von biologischen Siliermitteln vollkommen aus.
  • Je ungünstiger die Gegebenheiten vor Ort, umso mehr ist es erforderlich, Siliermittel mit einem breiten Wirkungsspektrum zu nutzen. Die Anwendung chemischer Produkte ist hier besonders anzuraten. Das gilt auch für überreife oder geschädigte Maisbestände.

 

Wie wirken Siliermittel?

Im Allgemeinen zeichnen sich Siliermittel in der Wirkungsrichtung 2 durch spezielle hefehemmende Substanzen aus. So tragen heterofermentative Milchsäurebakterien zu einem erhöhten Anteil an Essigsäure bei. Essigsäure unterdrückt die Hefen.

Das Wirkungsspektrum von chemischen Substanzen der Wirkungsrichtung 2 folgt zwei Grundregeln:

Regel 1

  • Die Bandbreite der Hemmwirkung auf Nacherwärmungskeime ist umso größer, je mehr Kohlenstoffatome das Konservierungsmittel besitzt. Reihenfolge der Säuren, beginnend mit den wenigsten C-Atomen:  Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Sorbinsäure und Benzoesäure.
  • Aus der Getreidekonservierung ist die Propionsäure bereits als sicheres Konservierungsmittel bekannt. Noch wirksamer sind die Sorbin- und Benzoesäure.
  • Bei der Silagebereitung muss nicht mehr zwingend eine Säure eingesetzt werden. Die korrespondierenden Salze dieser Säuren in Form von Neutralsalzlösungen oder Granulaten wirken identisch und sind weniger korrosiv und besser zu handeln.

Regel 2

  • Je tiefer der pH-Wert im Futterstapel ist, desto nachhaltiger werden die für Nacherwärmung verantwortlichen Verderbkeime durch das Siliermittel unterdrückt. Prinzipiell spalten die Siliersalze in einem sauren pH-Milieu auf. Aber auch die Anteile der so genannten undissoziierten Säure nehmen bei tiefem pH-Wert zu. Nur diese Säurekomponente kann in die Zellen von Pilzen und Hefen eindringen. Dort blockiert sie bestimmte Enzymsysteme.
  • Der pH-Wert im Silo muss schnell und ausreichend tief gesenkt werden. Das gelingt mit einer guten Verdichtung und Siloabdeckung sowie durch Einhaltung des empfohlenen Trockenmassebereiches (™) von 28 bis 35 %. Bei einer zu starken Abreife und TM-Gehalten oberhalb von 35 % TM verläuft die Fermentation träge, der pH-Wert sinkt langsam und die Wirkung des Siliermittels verzögert sich.

Lesen Sie hier: Immer gut dosieren

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