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Betriebsführung

So werden Antibiotikadaten erfasst

von , am
18.06.2014

Wer Antibiotika in seinem Tierbestand anwendet, muss dies ab sofort melden, in einer bundeseinheitlichen amtlichen Datenbank. Was dabei zu beachten ist, haben wir für Sie zusammengefasst.

Indikator für den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung im Sinne des geänderten Arzeneimittelgesetzes ist die betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit. © Mühlhausen/landpixel

Die amtliche Datenbank dient der Berechnung der betrieblichen halbjährlichen Therapiehäufigkeit, die als Indikator für den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung genutzt werden soll. Dazu ist das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere um eine "Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank - Meldungen und Abfragen" ergänzt worden.

Seit dem 1. 4. 2014  können dort die gemäß § 58a Arzneimittelgesetz (AMG) mitteilungspflichtigen Tierhaltungen elektronisch erfasst werden. Meldet sich ein Tierhalter mit seiner Registriernummer und PIN beim Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HI-Tier) an, so gelangt er über das "Auswahlmenü Tierarzneimittel (TAM)" unter der Rubrik "Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank" zur Übersichtsseite "Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank für Tierhalter".

Unter der Überschrift "TAM - Meldung der Nutzungsart, Erklärung Dritter, Bestände" ist über die Zeile "Eingabe Nutzungsart (nach AMG § 58a Absatz 1 und 2)" das Menü zu erreichen, um die jeweilige Tierhaltung in der "Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank" anmelden zu können (siehe Abb. 1).

Einiges bereits hinterlegt


Die Stammdaten des Betriebes - bezogen auf den Standort und die Registriernummer nach Viehverkehrsverordnung - sind bereits hinterlegt und müssen nur noch durch die Nutzungsart gemäß § 58a AMG im "meldepflichtigen Bereich" (grün unterlegt) ergänzt werden. Für die Tierart Schwein werden hier unterschieden: Ferkel (nach dem Absetzen) bis einschließlich 30 kg Körpergewicht und Mastschweine ab 30 kg. Rinder werden differenziert nach Mastkälbern bis zum Alter von 8 Monaten und Mastrinder ab 8 Monaten. Männliche, abgesetzte Kälber in Milchviehbeständen werden erst dann als zur Mast bestimmt eingestuft, wenn sie sich im Alter von über vier Wochen noch im Geburtsbetrieb befinden. Reine Milchviehbetriebe, die ihre Kälber im Alter von unter vier Wochen abgeben, unterliegen damit nicht der Mitteilungspflicht.

Die Meldungen kann jeder Rinder- und Schweinehalter elektronisch selbst vornehmen, da er bereits über eine Zugangsberechtigung zu HI-Tier verfügt. Halter von Mastputen und -hühnern haben bereits eine Registriernummer durch Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung (VIT) erhalten, sie benötigen aber noch eine PIN, um ihre Mitteilung der Tierhaltung selbst elektronisch vornehmen zu können. Die PIN kann bei der Adressdatenstelle VIT beantragt werden.

Bestandsbuch führen


Durch Eingaben im "Nicht meldepflichtigen Bereich" (rot unterlegt) kann die "Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank“"auch für die Arzneimittelerfassung weiterer Nutzungs- oder sogar Tierarten, z. B. für Sauen oder Schafe, frei geschaltet werden. Auf diesen Bereich haben die Behörden keinen Zugriff. Es ermöglicht langfristig die komplette Führung des "Bestandsbuches" in HI-Tier.

Die Mitteilung zur Tierhaltung bzw. die Ergänzung der Nutzungsart muss bis zum 1. 7. 2014 abgeschlossen sein. Sie ist für jede Registriernummer gemäß Viehverkehrsverordnung getrennt vorzunehmen, soweit sie für einen Tierhaltungsbetrieb erteilt wurde, der mitteilungspflichtige Masttiere hält (siehe Abb. 2).

Es ist auch eine schriftliche Mitteilung der Daten zur Tierhaltung bei der zuständigen Behörde möglich, diese ist jedoch gebührenpflichtig. Für den elektronischen Meldeweg fallen keine Zusatzkosten an.

Fristen beachten!

Die Erfassung der angewendeten Antibiotika erfolgt erstmals für das zweite Kalenderhalbjahr 2014. Ab 1. Juli werden die notwendigen Masken zur Erfassung der „Arzneimittelverwendung“ gemäß § 58b AMG in HI-Tier frei geschaltet, der Tierhalter kann seine Daten selbst elektronisch melden. Die Zugänge zu diesen Masken sind bereits auf der Übersichtsseite „Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank für Tierhalter“ sichtbar - allerdings noch grau unterlegt:

Die Antibiotikaerfassung für das jeweilige Kalenderhalbjahr kann laufend oder in unterschiedlichen "Eingabeintervallen" erfolgen. Sie muss für das 2. Kalenderhalbjahr bis zum 14.1.2015 abgeschlossen sein. Der entsprechende Stichtag für das 1. Kalenderhalbjahr ist jeweils der 14.7. eines Jahres.

Dies gilt auch für die Eingabe des Anfangstierbestandes sowie die Zu- und Abgänge, die tagesgenau erfasst werden müssen. Abgänge umfassen auch gemerzte bzw. tote Tiere. Aus diesen Tierzahlen wird der durchschnittliche Tierbestand eines Kalenderhalbjahres errechnet.

Wenn Dritte melden

Der Tierhalter muss gegenüber der zuständigen Behörde angeben, für welche Registriernummer nach Viehverkehrsverordnung, einschließlich Tier- und Nutzungsarten, die Mitteilungen durch den Dritten erfolgen und welche Daten durch ihn mitgeteilt werden. Dazu zählen:

  • nur die Mitteilung zur Tierhaltung,
  • nur die Mitteilungen zur Antibiotikaverwendung,
  • nur die Mitteilungen für die in jedem Halbjahr zu Beginn im Betrieb gehaltenen Tiere, die im Verlauf eines jeden Halbjahres in den Betrieb aufgenommenen bzw. aus dem Betrieb abgegebenen Tiere oder
  • eine Kombination der vorgenannten Mitteilungen.

Ergänzend legt der Tierhalter auch Rechte zum Abruf von Daten durch den Dritten fest.

Er muss auch angeben, ob Daten gemäß § 58 b Abs. 1 Satz 1 AMG ("Arzneimittelanwendungsdaten") oder § 58b Abs. 2 Satz 1 AMG ("Arzneimittelanwendungs- und Abgabebeleg-Daten") durch den Dritten mitgeteilt werden (siehe Abb. 3) Bei der Übermittlung von Arzneimittelanwendungs- und Abgabebeleg-Daten muss der Tierhalter beim Erwerb der Arzneimittel gegenüber dem Tierarzt schriftlich versichern, dass er sich an die Behandlungsanweisung des Tierarztes halten bzw. nur in Absprache mit ihm davon abweichen wird. Zusätzlich muss der Tierhalter gegenüber der zuständigen Behörde eine schriftliche Versicherung zum 14. 1. bzw. 14. 7. eines Jahres abgeben, dass nicht von der Behandlungsanweisung des Tierarzt abgewichen wurde.

Tierhalter ist zuständig

Werden mehrere Dritte mit den Mitteilungspflichten beauftragt, muss für jeden Dritten eine separate Anzeige erfolgen. In jedem Fall muss der Tierhalter den Dritten über Art und Umfang der Mitteilungen informieren, die er ihm übertragen hat. Die Verantwortung für die mitgeteilten Daten trägt weiter der Tierhalter!

Die Rolle des Dritten kann der Tierarzt oder jeder sonstige Meldevertreter, einschließlich QS, übernehmen. Die Übermittlung der nach Arzneimittelgesetz § 58a und 58b verlangten Daten muss sichergestellt sein. Die Verantwortlichkeiten müssen klar nachvollziehbar sein, datenschutzrechtliche Belange beachtet werden und die gemeldeten Daten korrekt sein.

Gegenwärtig begleitet das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) den Prozess. Es bedient sich der Hilfe von VIT Verden. Es ist geplant, Tierhaltern noch vor dem 1. 7. 2014 ein ausführliches Erstinformationsschreiben per Post oder über geeignete Informationsplattformen zur Verfügung zu stellen. Es wird unter www.ml.niedersachsen.de, www.vit.verden.de und www.laves.niedersachsen.de abrufbar sein.

Fazit


Die Erfassung der Antibiotika ist kein Selbstzweck! Die Berechnung der betrieblichen halbjährlichen Therapiehäufigkeit und die Ermittlung von Kennzahlen schaffen einen Indikator, der es Betriebsleitern ermöglicht, einen vergleichsweise hohen Antibiotika-Verbrauch und eine hohe Erkrankungsrate festzustellen. Sie sollen die Tiergesundheit so verbessern, dass es "automatisch" zu einer Reduktion des Antibiotika-Einsatzes kommt. Kranke Tiere sollen und müssen auch weiterhin mit Antibiotika behandelt werden. Im Vordergrund steht die Senkung der Erkrankungsrate durch geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit.

Nachfolgend finden Sie die  Abbildungen zum Herunterladen:
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