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Stalleinbruch: Sechs Tipps für Ihren Schutz

Einbruch-Stalleinbruch
© Westend61/Fotolia
Bernhard Feller, LWK Nordrhein-Westfalen
am
15.05.2018

Der Schutz vor unberechtigtem Zutritt zu Ställen durch Tierschutzaktivisten ist für viele Landwirte ein Thema. Wie Sie einem Einbruch vorbeugen können.

Wenn es um die Möglichkeit von Stalleinbrüchen geht, sorgen sich Landwirte vor allem darum, dass Tierrechtsaktivisten sich Zugang zu den Gebäuden verschaffen könnten. Wir haben sechs Tipps für Hofbesitzer zusammengestellt, um Einbrüchen vorzubeugen. Nachfolgend erläutern wir die genannten Maßnahmen:

  1. Zu einem effektiven Einbruchschutz gehört zuerst die Schärfung des Sicherheitsbewusstseins.
  2. Zu klären ist zunächst, wo es Möglichkeiten für einen unbefugten Zutritt zum Betrieb oder zum Stall gibt.
  3. Dann kann aktiv die Entschärfung der möglichen Schwachpunkte angegangen werden.
  4. Die Einfriedung des Betriebes mit einer Zaunanlage und die Sicherung der Zugangstüren sollten dabei an erster Stelle stehen.
  5. Ein mechanischer Schutz geht immer vor der elektronischen Absicherung eines Betriebes.
  6. Eine einfache Methode, Eingänge zu überwachen, ist der Einbau von Tür- oder Fenstersensoren, die vielfach mit den vorhandenen Alarmsystemen kombiniert werden können.

Tierrechtsaktivisten sammeln Video- und Bildmaterial

Stalleinbrüche durch Tierrechtsaktivisten haben das Ziel, kompromittierende Bilder zu erstellen und/oder vermeintliche Missstände aufzudecken. Dabei werden vielleicht tatsächlich entdeckte Verstöße aber nicht direkt zur Anzeige gebracht.

Oft werden den Medien erheblich später Video- und Bildmaterial zugespielt. Die Spuren gewaltsamen Eindringens sind dabei meistens sehr gering und werden im Alltag oft übersehen.

Wichtig: Infos über Stalleinbruch

Stalleinbrüche dieser Art stellen für Betriebsleiter und ihre Familien sowie die Mitarbeiter eine enorme psychische Belastung dar. Durch den oft erheblichen zeitlichen Abstand zwischen dem eigentlichen Einbruch und der Veröffentlichung der Bilder wird es dann schwer, den Gegenbeweis zur Entkräftung der Vorwürfe vorzubringen.

Anders als beim Wohnhaus, ist es für Stallanlagen schwierig, einen Einbruchschutz sicherzustellen:

  • Im Wohnhaus gibt es nur wenige Zugänge, die gut zu sichern sind. In Stallgebäuden gibt es viele Türen, große Zuluftöffnungen und Fenster, die oft nur schlecht abzusichern sind.
  • Einen absoluten Einbruchschutz wird es bei Ställen deshalb auch nicht geben. Bei genügend krimineller Energie kann jeder noch so gute Einbruchschutz überwunden werden.

Wichtig für einen Einbruchschutz im Stall ist also, dass es eine Information darüber gibt, dass ein Stalleinbruch stattgefunden hat. Folgendes ist zu beachten:

  • Stalltüren werden aus Gründen der Korrosionsvermeidung häufig von außen angeschlagen. Auch laut Baugenehmigung müssen sie nach außen hin aufschlagen und im Brandfall zur Tierrettung von außen zu öffnen sein.
  • Viele Stalltüren können daher relativ einfach von außen mitsamt Zarge aus dem Mauerwerk herausgeschraubt werden. Bei ausreichend Zeit können sie sogar noch wieder eingesetzt werden.
  • Dann wird überhaupt nicht bemerkt, dass ein Stalleinbruch stattgefunden hat. Genau dies machen sich viele Stalleinbrecher, die fotografieren oder filmen wollen, zunutze.

Wichtig: Stalltüren abschließen

    Das Spektrum des Einbruchsschutzes reicht von einfachen Schlössern bis hin zu videoüberwachten Alarmanlagen mit der Aufschaltung bei einer Sicherheitsfirma. Wichtig zur Vorbeugung ist auf jeden Fall zunächst ein sicherheitsbewusstes Verhalten.

    Denn der beste Einbruchschutz nützt nichts, wenn die Schlösser nicht benutzt, die Schlüssel steckengelassen oder die teure Alarmanlage nicht eingeschaltet wird. Vielfach sind auch heute noch auf Höfen nicht alle Stalltüren nachts abgeschlossen. Das erleichtert das unbefugte Eindringen natürlich enorm.

    Elektronischer Schutz soll Mechanik nur ergänzen

    Beim Einbruchschutz sollte der mechanische Schutz immer vor dem elektronischen Schutz stehen:

    • Elektronik kann und sollte mechanischen Schutz immer nur ergänzen.
    • Als Grundsatz gilt: den Zugang erschweren, je länger es dauert, bis ein Einbrecher in den Stall gelangt, desto größer ist die Gefahr der Entdeckung.
    • Es sollte auf jeden Fall deutlich gemacht werden, dass ein Einbruchversuch entdeckt wurde: Dies kann etwa durch Bewegungsmelder erfolgen, die Licht oder Alarmsirenen anschalten.
    • Außerdem ist eine Alarmierung wichtig: Dann weiß der Betriebsinhaber, es gibt einen Einbruchversuch und er kann reagieren.

    Türriegel, Einzäunung, Video- oder Sprechanlagen

      Einen erschwerten Zugang zu Stallanlagen bieten auch sicher abgeschlossene Türen und Fenster:

      • Selten benutzte Türen können zum Beispiel mit Riegeln verschlossen werden.
      • Die Verschraubungen der außen angeschlagenen Türen kann man anheften oder unbrauchbar machen.
      • Zu überlegen ist auch eine Einzäunung des Betriebsgeländes und die Überwachung durch einen gut ausgebildeten Wachhund.
      • Damit tatsächlich nur befugte Personen das Betriebsgelände betreten oder befahren können, ist der Einbau einer Toranlage möglich.
      • Vorhandene Tore können mit elektrischen Antrieben und entsprechenden Erkennungssystemen nachgerüstet werden.
      • Die Bedienung der Tore ist per Funk oder Handy-App möglich. Das erlaubt auch eine Zutrittsgewährung aus der Ferne.
      • Die Systeme können auch mit Video- oder Sprechanlagen kombiniert werden. Insbesondere, wenn es mehrere Mitarbeiter auf dem Betrieb gibt, sollte man sich Gedanken über ein Schließsystem machen.
      • Rein schlüsselbasierte Systeme haben den Nachteil, dass Schlüssel verloren gehen können oder gestohlen werden. Schlüssel mit Sicherheitskarte dürfen zwar nicht so ohne weiteres nachgemacht werden, aber unmöglich ist es nicht.

      Elektronische Schließsysteme

      Elektronische Schließsysteme, mit und ohne Kombination mit Schlüsseln, bieten den Vorteil der zeitlichen Begrenzung. Diese Systeme gibt es

      • mit Codeschloss,
      • als Fingerabdrucksensor oder auch
      • mit Schlüsseln.

      Jedes dieser Systeme hat Vor- und Nachteile, die man für den eigenen Betrieb abwägen muss. Entscheidet man sich für ein elektronisches System, sollte man Angebote von renommierten Schlüsseldiensten einholen. „Preiswerte“ Angebote aus dem Internet sind hierbei oft keine gute Lösung.

        Bewegungsmelder

          Der Einsatz von Bewegungsmeldern zur kontaktlosen Schaltung des Lichtes ist heute in vielen Bereichen Standard. Es sind viele günstige Systeme auf dem Markt:

          • Entscheidend für den Einsatz in der Landwirtschaft ist die sichere Erkennung von Personen im Aktionsbereich. Es darf nicht dauernd zu Fehlermeldungen kommen durch Tiere oder sich bewegende Gegenstände.
          • Deshalb sollte man sich vor Einbau ausreichend informieren, mit welcher Technik die entsprechenden Melder arbeiten.
          • In der Regel werden es Infrarotsensoren (PIR) sein, die auf Temperaturänderungen reagieren.
          • Gute Sensoren können auch auf nur einen bestimmten Winkel sowohl horizontal als auch vertikal begrenzt werden.
          • Andere Sensoren reagieren auf Druckunterschiede (Infra-/Ultraschall) oder auf ausgesendete Mikrowellen.
          • Druck- und Ultraschallsensoren sind sowohl im als auch außerhalb des Stalles eher nicht geeignet.
          • Eine Kombination von Infrarot- und Mikrowellensensor ist dagegen eine sichere Methode. Diese Sensoren können sowohl Licht als auch einen akustischen Alarm aktivieren oder ebenso einen anderen Alarmierungsweg.

          Videotechnik

          Derzeit wird an Ställen vielfach Videotechnik installiert. Sie hat durchaus ihren Reiz, kann doch aus der Ferne beobachtet werden, was im überwachten Bereich passiert:

          • Es gibt hierbei eine Vielzahl von Geräten, die sowohl kabelgebunden als auch über Funktechnik arbeitet.
          • Die Daten werden über firmeneigene Speichersysteme (Vorsicht!), auf eigenen webbasierten Systemen oder auf analogen oder digitalen Videorecordern aufgezeichnet.
          • Auch diese Daten sind aus der Ferne zum Beispiel mit einem Mobilgerät abrufbar.
          • Wichtig zu wissen ist dabei, dass die aufgenommenen Bilder häufig nicht als Beweisstück vor Gericht geeignet wären, sollte tatsächlich ein Einbrecher darauf festgehalten werden. Einbrecher, die sich häufig vermummen, werden schlecht zu erkennen sein.
          • Bei Einsatz einer Videokamera muss ein entsprechender Hinweis am Stall angebracht sein. Vorteil der Videoüberwachung ist, dass der Betriebsleiter vom Einbruch oder Einbruchsversuch erfährt.

          Tür- und Fenstersensoren

            Eine einfache Methode, Eingänge zu überwachen, ist der Einbau von Tür- oder Fenstersensoren:

            • Diese Reedkontakte sind im Prinzip kleine Magnetschalter, die per Funk oder kabelgebunden in ein Alarmsystem integriert werden.
            • Sie sind relativ preiswert und das Alarmsystem kann bei Öffnen oder Schließen des Kontaktes eine entsprechende Aktion auslösen. So wird das unbefugte Öffnen einer Tür oder eines Fensters sicher erkannt und es kann ein Alarm ausgelöst werden.

            Viele der angebotenen Systeme arbeiten mit einem Funkstandard:

            • Dies hat den Vorteil, dass keine zusätzlichen Kabel verlegt werden müssen und die Installation innerhalb der Reichweite der Systeme relativ einfach ist. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass nicht unbegrenzt Frequenzen zur Nutzung dieser Systeme zur Verfügung stehen.
            • Sensoren mit Funkübertragung arbeiten meistens mit Frequenzen im Bereich von 434 oder 868 MHz. Im Bereich der WLan-Übertragung wird mit einem Funkstandard von 2,4 oder 5 oder auch 60 GHz gearbeitet. Im 2,4 GHz-Bereich funken auch die Mobilteile von Festnetztelefonen und andere Hauselektronik. Dieser Frequenzbereich ist daher ziemlich ausgelastet und es kann zu Störungen kommen.
            • Es sollte auch bedacht werden, dass durch den bewussten Einsatz und Betrieb von Störsendern die Übertragung des jeweiligen Signals nicht gesichert ist. Das ist in Deutschland aber eigentlich verboten. Allerdings erkennen gute Alarmsysteme auch den Ausfall von Alarmschleifen und geben Alarm, wenn der Kontakt zu einem Sensor wegbricht.

            Die beschriebenen Systeme können in vielen Fällen mit den vorhandenen Alarmsystemen im Betrieb kombiniert werden. Die Alarmgeräte zur Überwachung der Lüftungsanlage und das vielleicht sowieso vorhandene Telefonwählgerät ist mit der Aufgabe der Lüftungsüberwachung in der Regel nicht ausgelastet.

            Meistens können bei diesen Geräten zusätzliche Alarmschleifen aufgeschaltet werden. Dies kann man mit dem Installateur der Alarmanlage abklären.

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