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Nährstoffe

Stoffstrombilanz: Welche Betriebe verpflichtet sind

Stoffstrombilanz-Betrieb
Jutta Klaukien, LWK Niedersachsen
am
16.05.2019

Am 1. Januar 2018 trat die Stoffstrombilanzverordnung (StoffBilV) in Kraft. Damit sind für manchen Betrieb zusätzliche Aufzeichnungen verbunden. Wir klären darüber auf, welche Daten jetzt gefragt sind.

Mit der Stoffstrombilanzierung ist für unsere landwirtschaftlichen Betriebe eine weitere Aufzeichnungspflicht verbunden. Über die Nährstoffzufuhr und -abgabe eines Betriebes werden die betrieblichen Nährstoffströme dargestellt. Die innerbetrieblichen Nährstoffströme bleiben dabei unberücksichtigt.

Stoffstrombilanzen für 2018 schon bis Ende Juni erstellen

Neben dem Nährstoffvergleich gemäß Düngeverordnung besteht mit der Stoffstrombilanzverordnung vom 1. Januar 2018 für viele Betriebe die Pflicht zu einer weiteren Nährstoffbilanz. Ob Ihr Betrieb von der Pflicht zur Erstellung betroffen ist, beantworten Ihnen die Landwirtschaftskammer und erstellt für Sie gerne die Bilanz, die für 2018 bis Ende Juni vorliegen muss. Melden Sie sich dafür bitte bei Ihrer Bezirksstelle der LWK Niedersachsen.

Grafik: Stoffstrombilanz-Aufzeichnungspflicht

Wer muss aufzeichnen?

Die Aufzeichnungspflicht muss ein landwirtschaftlicher Betrieb prüfen, bei dem mehr als 750 kg Stickstoff (N) – ohne Abzug gasförmiger Verluste – aus eigener Tierhaltung anfallen. Betriebe ohne Tierhaltung sind aktuell nicht aufzeichnungspflichtig, unabhängig davon, ob sie Wirtschaftsdünger aufnehmen.
Landwirtschaftliche Betriebe, bei denen mehr als 750 kg N aus eigener Tierhaltung anfallen, müssen prüfen, ob eine der folgenden Kenngrößen überschritten wird:

  • Hat mein Betrieb mehr als 50 Großvieheinheiten (GV) mit mehr als 2,5 GV/ha?
  • Hat mein flächenloser Betrieb mehr als 50 GV?
  • Werden mehr als 750 kg N aus Wirtschaftsdüngern (Gülle, Gärrest, Festmiste oder Hühnertrockenkot (HTK) aufgenommen?
  • Wurden die Kontrollwerte im Nährstoffvergleich (DüV) im Vorjahr überschritten?

Biogasanlagen müssen grundsätzlich getrennt vom landwirtschaftlichen Betrieb gerechnet werden und sind aufzeichnungspflichtig, sobald sie Wirtschaftsdünger (Gülle, Gärrest, Festmiste, HTK) aus verpflichteten Betrieben aufnehmen.

 

Wichtige Hinweise zur Aufzeichnungspflicht

  • Die Stoffstrombilanz muss zusätzlich erstellt werden, sie entbindet nicht von der Aufzeichnungspflicht Nährstoffvergleich gem. DüV. Dabei muss der Bezugszeitraum Stoffstrombilanz identisch sein mit dem Bezugszeitraum Nährstoffvergleich.
    - Wenn ein Betrieb sich nach § 8 Abs. 1 DüV für das Kalenderjahr entschieden hat, muss er ab 1. Januar 2018 beginnen.
    - Wenn er sich für Wirtschaftsjahr (1.7.–30. 6.) oder anderen 12-monatigen Zeitraum (s. § 2 Satz 1, Nr. 4 DüV) entschieden hat, muss er ab diesem Zeitraum beginnen, d. h. bei Wahl des Wirtschaftsjahres am 1. Juli 2018.
  • Die jeweiligen Nährstoffzufuhren und Nährstoffabgaben gem. StoffBilV sind spätestens 3 Monate nach der jeweiligen Zufuhr und Abgabe aufzuzeichnen.
  • Spätestens 6 Monate nach Ablauf des Bezugsjahres sind die Ausgangsdaten und Ergebnisse aufzuzeichnen.
  • Die Aufzeichnungen und Belege sind sieben Jahre aufzubewahren.
  • Änderungen im Betrieb (Viehhaltung aufstocken, Aufnahme WD) im jeweiligen Bezugszeitraum können zur Aufzeichnungspflicht Stoffstrombilanz in diesem Bezugszeitraum führen.

 

Anhand eines fiktiven Schweinemastbetriebes wird nachfolgend in den Tabellen die Erstellung der Stoffstrombilanz und deren Bewertung vereinfacht dargestellt.

Fazit

  • Panik ist nicht angesagt.
  • Buchführung und Belegführung konsequent durchführen.
  • Schwieriger wird es bei der Bewertung.
  • Die Einhaltung des Brutto-Bilanzwertes von 175 kg N/ha stellt keinen Nachweis für eine bedarfsgerechte Düngung oder bedarfsgerechte Fütterung dar.
  • Das Ergebnis ist vielmehr ein betriebsindividueller Wert, zu dessen Interpretation verstärkt in Fütterung und Düngung eingestiegen werden muss.
  • Das Ergebnis der Stoffstrombilanz ist stark abhängig von der genauen Erfassung von Zufuhr- und Abgabedaten.
  • Welche Änderungen es durch die geplante Novellierung der DüV geben wird, muss abgewartet werden.
  • Wichtige Hinweise zur Aufzeichnungspflicht unter www.landundforst.de., webcode: 01033897.
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