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Stromtrasse

Stromtrasse Südlink: Warum wertvoller Boden Schaden nimmt

Baustelle für die Verlegung des Südlink-Kabels
Thomas Gaul
am
17.01.2019

Das Südlink-Projekt wird auch unter Verwendung von Erdkabeln umsetzt. Niedersachsens Landwirte sorgen sich um ihren Boden.

Die Südlink-Hochspannungsleitungen sollen Strom vom Norden der Bundesrepublik in den Süden transportieren. Auf weiten Strecken werden Erdkabel eingesetzt. Aufgrund möglicher Bodenschäden sind Niedersachsens Landwirte in Sorge.

Andere Belange bringen viele betroffene Bürger in die Diskussion ein: Um eine Zerstörung des Landschaftsbildes und die Beeinträchtigung des eigenen Lebensumfeldes zu verhindern, forderten sie, neue Stromleitungen als Erdkabel nur in den Boden zu verlegen.

Auch aus Sicht des Naturschutzes haben Erdkabel Vorteile, weil weniger technische Strukturen an der Oberfläche vorhanden sind. Außerdem können so Vogelkollisionen vermieden werden.

Böden durch Südlinkbau erheblich beansprucht

Bei der Erdverkabelung ist der Eingriff in den Boden und damit in die Umwelt jedoch wesentlich stärker als bei Freileitungs­vorhaben. "Selbst bei sachgerechter Ausführung der Bauarbeiten werden die Bodenfunktionen irreversibel gestört", befürchtet Carl-Jürgen Conrad vom Landvolk Hildesheim.

Auch die Böden im Umfeld werden durch Baumaßnahmen für Zufahrtsflächen und Lagerplätze erheblich in Anspruch genommen.

Erdverkabelung als massiver Umwelteingriff

"Wir sind in Sorge um den Boden", betont auch Anne Fuhrberg vom Arbeitskreis "Umweltfreundliche Erdverkabelung". Die Landwirtin aus Bettrum östlich von Hildesheim ist mit ihren Flächen möglicherweise vom Südlink betroffen: "Wir wissen aus Erfahrung vom Bau der Harzwasserleitung vor 60 Jahren, dass Bodenschäden wie Verdichtungen und Vermischungen sehr schnell eintreten können. " Sie seien auch nach Jahrzehnten noch zu sehen.

Die Erdverkabelung stelle einen massiven Umwelteingriff dar, beklagt sie. Fuhrberg bemängelt weiter, dass das Thema Bodenschutz in der bisherigen Planung nicht berücksichtigt wird.

Irreversible Strukturschäden im Bereich des Kabelgrabens

Durch das Umlagern bei offener Grabenbauweise, wie sie derzeit bei der Erdverkabelung geplant ist, werden irreversible Strukturschäden im Bereich des Kabelgrabens eintreten. Das sieht auch Toni Schirdewahn vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim so: "Etwa 50 % des Bodenvolumens bestehen aus mineralischem und organischem Material. Die andere Hälfte sind wasser- und luftgefüllter Porenraum, der auch belebt ist".

Boden sei nicht nur Produktionsgrundlage für Landwirte, sondern auch Lebensraum für Organismen und Bodentiere.

Träger des Bauvorhabens: Bodenschutz ernst genommen

Durch das Aufgraben und Wiederverfüllen des Kabelgrabens wird der Porenraum verändert. Das könnte einen negativen Einfluss auf die Wasserspeicherfähigkeit der Böden haben. Zusätzlich sind Verdichtungen im Bereich der temporären Baustraßen möglich. Dadurch kann der Boden seine Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen.

TenneT als Träger des Bauvorhabens nimmt nach eigenen Angaben den Bodenschutz ernst. Das Unternehmen hat eine bodenkundliche Baubegleitung zugesagt. Aber in der Praxis dürfte es schwierig sein, die Bodenhorizonte strikt getrennt voneinander zu lagern und wieder richtig einzubauen.

Alternatives Verlegeverfahren: Reduzierung der Trassenbreite

Mit einem alternativen Verlegeverfahren könnte die Trassenbreite erheblich reduziert werden. Möglich wäre dies mit dem sogenannten AGS-Verfahren. Das Kürzel steht für "auftriebsgestütztes Slipping". Die Verlegung der Leerrohre kann "minimalinvasiv" im Fräs- oder Pflugverfahren erfolgen.

Weiterer Vorteil ist eine größere Freiheit bei der Trassenplanung:

  • Durch die spezifische Kabelanordnung und bei aktiver Wasserkühlung sind engere Kurvenradien möglich.
  • Die schmale Trasse kann so auch leichter Straßentrassen folgen oder unter die Straße gelegt werden.
  • Über Wärmetauscher kann die Wärme auch genutzt werden.
  • Größter Vorteil ist jedoch die schmale Trassenbreite von unter 2 m.

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