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Neophyten

Unkrautbekämpfung: Herkulesstaude macht große Probleme

Riesenbaerenklau-Baerenklau-Unkraut
Dr. Dirk M. Wolber, PSA der LWK Niedersachsen
am
05.07.2018

Die Ausbreitung von Herkulesstaude und Beifuß-Ambrosie stellt auch die Landwirte in Niedersachsen vor besondere Herausforderungen. Was Sie wissen sollten.

Durch unbeabsichtigtes Einschleppen verbreiten sich neue Arten wie Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, und Beifuß-Ambrosie auch in Niedersachsen immer stärker. Haben sie sich erst einmal etabliert, entstehen hohe Bekämpfungskosten. Das gilt vor allem für den Riesenbärenklau. Die Pflanzen müssen umgehend gerodet oder abgemäht werden.

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Schutzbekleidung bei Bekämpfung der Herkulesstaude

Solche eingeschleppten Pflanzenarten nennt man Neophyten. Unter diesem Begriff werden Arten zusammengefasst, die von Natur aus nicht in Europa beheimatet sind, sondern erst durch den Einfluss des Menschen und seiner Handelswege nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492 zu uns gelangten. Weiterhin gefährden einige gebietsfremde Pflanzenarten sogar die menschliche Gesundheit.

Die Herkulesstaude stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Sie wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführt und in Gärten und Parks weit verbreitet. Imker säten ihn als Trachtpflanze für ihre Bienen, und Jäger brachten sie als Deckungspflanze für das Wild aus. In den 60er Jahren erfolgte der Anbau als Futterpflanze. Heutzutage ist die Herkulesstaude weit verbreitet und gehört zu den invasiven Arten.

Sie hat folgende Eigenschaften:

  • Der Riesenbärenklau gehört zur Familie der Doldengewächse.
  • Die Blätter sind 3- bis 5-teilig zerschnitten und auf der Unterseite kurz behaart. Innerhalb weniger Wochen können die Blätter über einen Meter lang werden und erreichen schließlich während der Hauptwachstumsphase mit Stängel eine Länge von bis zu zwei Metern.
  • Sein Stängel ist hohl, gefurcht, weist am unteren Ende weiße Flecken auf und kann am Grund bis zu 10 cm dick werden.
  • Pfahlwurzel wächst bis zu 60 cm in den Boden.
  • Die weißen Blütendolden erreichen einen Durchmesser von 50 cm.
  • Vermehrung erfolgt über Samen. Eine ausgewachsene Pflanze bildet 10.000 bis 50.000 schwimmfähige Samen, die acht bis zehn Jahre im Boden keimfähig bleiben.
  • Vor allem Gewässer mit Überschwemmungsgebieten und Verkehrsanlagen (Verwirbelungen entlang von Straßen, Autobahnen und Gleisen) bilden die Hauptverbreitung der Samen. Auch Baumaßnahmen, Erdbewegungen, wilde Komposthalden und Aussaat durch Menschen sind die Verbreitungswege.
  • Eine vegetative Vermehrung des Riesenbärenklaus ist nicht möglich.
  • Der Saft des Riesenbärenklaus enthält phototoxisch wirkende Furocumarine, es ist daher dringende Vorsicht geboten beim Ausgraben und Abmähen von Riesenbärenklau.
  • Wenn die Haut nach der Benetzung mit Pflanzensaft der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird, entstehen Hautentzündungen. Mögliche Folgen sind Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut. Die Veränderungen können wie Verbrennungen ersten und zweiten Grades aussehen. Schon die Dämpfe können die Gesundheit beeinträchtigen und z.B. Übelkeit verursachen. Auch vertrocknete Stängel, Blüten und Samen enthalten den Giftstoff Furocumarin. Gefährdet ist jeder, der mit der Pflanze in Berührung kommt. Die Hautreaktion wird bisweilen erst nach zwei bis drei Tagen sichtbar und spürbar.
  • Der Riesen-Bärenklau ist mit dem heimischen Wiesenbärenklau verwandt. Der Wiesenbärenklau hat im Unterschied zum Riesenbärenklau keine roten Flecken an den Stängeln und ist mit 1,5 m Höhe deutlich kleiner. Die Möglichkeit von Hautentzündungen durch den Pflanzensaft ist beim Wiesenbärenklau sehr gering.

Hier eine Tabelle zum Download

Was Sie gegen die Herkulesstaude tun können

    Vor dem Bekämpfen ist zu überprüfen, ob es sich um die Herkulesstaude oder um den einheimischen Bärenklau handelt. Zur Bekämpfung eignen sich folgende Verfahren:

    1. Ausgraben von Einzelpflanzen nach dem Austrieb im April/Mai oder als Jungpflanze im Herbst (Ende Oktober): Ausgegrabene Pflanze auf einer Folie in der Sonne vertrocknen lassen. Nachkontrolle der Fundstelle in den Folgejahren. Gegebenenfalls muss das Ausgraben wiederholt werden. Sollte es zur Blüte der Pflanze kommen, unbedingt die Blüte entfernen und in die Restmülltonne, nicht in die Biotonne oder auf den Kompost wegen der Ausbreitungsgefahr. Diese Methode ist jedoch nur in kleinen Beständen zu empfehlen.
    2. Kappen der Frucht und Blütendolden nach der Vollblüte im Juni/Juli vor der Samenreife. Nachkontrollen sind wichtig, um das Austreiben von Notblüten zu verhindern. Samenstände sind über den Restmüll zu entsorgen, um eine Ausbreitung von frühreifen Samen z.B. über Kompost zu verhindern
    3. Kappen und Entsorgen der neuen Fruchtstände im Juli/August. Die Pflanzen trocknen in dieser Zeit aus und die Samen fallen zu Boden. Doch Vorsicht, es besteht die Gefahr der ungewollten Ausbreitung durch Kleidung und Werkzeuge. Fruchtstände über den Restmüll entsorgen.
    4. Chemische Bekämpfung der Jungpflanzen im Herbst oder Frühjahr mit Garlon (selektives Herbizid gegen zweikeimblättrige Unkräuter für Einzelpflanzenbehandlung bzw. Dochtstreichverfahren oder mit einem glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel im Dochtstreichverfahren. Anwendungen auf Nichtkulturland sind nur mit einer Genehmigung durch das Pflanzenschutzamt möglich.

    Beim Entfernen der Pflanzen muss unbedingt Schutz kleidung getragen werden. Es empfiehlt sich ein Overall, kräftiges Schuhwerk, Handschuhe mit Stulpen, Schutzbrille und gegebenenfalls ein Gesichtsschutz. Die Entfernung der Pflanzen sollte in der Dämmerung oder bei starker Bewölkung erfolgen.

    Von Pflanzensaft getroffene Hautstellen müssen unverzüglich mit Wasser und Seife abgewaschen werden. Danach sollten Gesicht und Hände vorsorglich mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor vor Sonneneinstrahlung geschützt werden, um Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung zu mindern bzw. vermeiden. Bei starken Hautreaktionen unbedingt den Hautarzt aufsuchen.

    Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) ist von Nordamerika aus unbeabsichtigt nach Europa gebracht worden. Auch in Deutschland ist sie über Bayern und Baden-Württemberg nach Norddeutschland auf dem Vormarsch.

    Der Pollen der Ambrosia artemisiifolia ist stark allergieauslösend. Zunächst tritt Heuschnupfen mit allen üblichen Symptomen auf. Ein hoher Anteil der „Ambrosia–Allergiker“ entwickelt starkes Asthma.

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