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Betriebsführung

Verschärfung kommt, aber wann?

von , am
02.07.2014

Bei der Ermittlung des Düngebedarfs, bei der Festsetzung der Sperrfristen, beim Güllelagerraum und der Ausbringung wird es durch die neue Düngeverordnung Verschärfungen geben. Details von einer DBV-Tagung.

Wann, wie und wo der organische Dünger in Zukunft ausgebracht werden darf, wird teilweise strenger geregelt. © Mühlhausen/landpixel

Die Gewässerbelastung durch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft ist nicht so massiv wie manche Messverfahren und Medienberichte besagen; an einer spürbaren Verschärfung der Düngeverordnung führt gleichwohl kein Weg vorbei. Das war das Fazit einer Vortrags- und Diskussionsrunde zum Thema Düngung, die der Deutsche Bauernverband (DBV) im Rahmen seiner 2. Ackerbautagung in Berlin veranstaltet hat.

Wie der Leiter des Referats Pflanzenbau im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Hermann Stürmer, erklärte, resultiert der bekannte "Malta-Chart", wonach Deutschland neben der Mittelmeerinsel EU-weit die höchsten Nitratwerte im Grundwasser aufweist, aus der Tatsache, dass beim sogenannten Belastungsmessnetz im Jahr 1992 die 162 Messpunkte speziell in Gegenden mit besonders hoher Grundwasserbelastung gesetzt wurden. So habe man die Entwicklung in den Regionen mit hohem Nährstoffeintrag verfolgen wollen.

Spezielle Messpunkte

Dadurch ergebe sich zwangsläufig eine hohe Grundbelastung, die aber nicht direkt mit den Werten anderer europäischer Länder verglichen werden könne, in denen die Messpunkte breiter gestreut seien. Stürmer zufolge weist beispielsweise das Messnetz "Monitoring Grundwassergüte" mit wesentlich mehr Messpunkten und einer breiteren räumlichen Streuung einen deutlich besseren Zustand des deutschen Wasserhaushalts aus, was nach seiner Einschätzung aber nichts an den Problemen mit hohen Nitratwerten in bestimmten Landesteilen ändert.

Dabei handelt es sich nach Angaben des Ministerialbeamten nicht nur um die intensiven Viehhaltungsregionen im Nordwesten der Bundesrepublik. Ähnliche Werte seien auch in reinen Ackerbaugebieten zu finden, in denen wegen geringer Niederschläge nur eine langsame Grundwasserneubildung stattfinde. Diese ungelösten Probleme, aber insbesondere auch ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland sind laut Stürmer Anlass für die Novellierung der Düngeverordnung.

Steffen  Pingen vom Referat Umweltpolitik des DBV warnte in diesem Zusammenhang vor Überregulierung und warb für einen fachlichen und praxisgerechten Ansatz bei der Novellierung der Düngeverordnung.

Stürmer zufolge sind aus Sicht der EU-Kommission weder die Begrenzung der Ausbringung von Düngemitteln in Bezug auf Menge und Zeit noch die Einhaltung der Höchstgrenze von 170 kg N/ha in Deutschland ausreichend reguliert. Moniert werden im Zuge des Vertragsverletzungsverfahrens zudem vermeintliche regulatorische Mängel bei der Düngerlagerung, beim Schutz von Oberflächengewässern sowie bei der Ausbringung von Dünger auf Hanglagen und auf gefrorenen Böden.

Nach Angaben des Referats-leiters hat die vom Bundeslandwirtschaftsministerium beauftragte Bund-/Länder-Arbeitsgruppe "Evaluierung der Düngeverordnung" daher zu den kritischen Punkten Empfehlungen formuliert, die in den kommenden Monaten in die Novelle der Verordnung einfließen sollen.

Diese sehen beispielsweise im Gegensatz zur aktuell noch sehr flexiblen Düngebedarfsermittlung ein einheitliches und verbindliches Sollwertesystem mit standortspezifischen Obergrenzen vor. Um auf regionale und betriebliche Unterschiede reagieren zu können, soll dabei ein Zu- und Abschlagssystem mit verbindlichen Vorgaben zur Anwendung kommen. Geplant sind weiter deutlich schärfere Dokumentations- und Berichtspflichten.

Sperrzeit für Festmist

Darüber hinaus sollen die Sperrzeiten für die Düngerausbringung spürbar ausgeweitet werden. Die Bund-/Länder-Arbeitsgruppe hat laut Stürmer beispielsweise für Ackerland eine Sperrzeit vom 1. Oktober bis zum 31. Januar empfohlen, womit das Ausbringverbot einen Monat früher einsetzen würde als bisher. Zusätzlich soll die Düngerausbringung nach der Haupternte nur noch bei bestimmten Kulturen wie Zwischenfrüchten oder Winterraps möglich sein.

Die Sperrzeit auf Grünland soll nach dem Willen der Arbeitsgruppe künftig vom 1. November bis zum 31. Januar gelten, also 14 Tage früher einsetzen als bisher. Für Festmist soll zum ersten Mal überhaupt eine Sperrzeit eingeführt werden, die im Falle ihrer Umsetzung künftig vom 1. Dezember bis zum 31. Januar gelten wird.

Bei der Lagerung von Gülle soll es bei der generellen Vorhaltung von Lagerraum für sechs Monate bleiben. Ausnahmen sind lediglich für Betriebe geplant, die über wenig Ausbringfläche verfügen. Hier wird für Unternehmen mit mehr als 3 GV/ha über obligatorische Lagerkapazitäten von neun Monaten nachgedacht.

Auflagen bei Schnee

In die Novelle sollen zudem laut Stürmer auch strengere Kriterien für die Düngerausbringung auf Hanglagen einfließen. So soll künftig bereits bei Neigungen zwischen 5 % und 10 % auf einem 3 m breiten Streifen in Gewässernähe die Düngung verboten sein, ab 10 % Neigung gilt das Verbot auf 4 m. Die Ausbringung auf wassergesättigten, überschwemmten und gefrorenen Böden soll untersagt bleiben. Bei Schnee ist sogar eine Verschärfung geplant. Statt wie bisher erst ab einer Schneedecke von 5 cm soll das Aufbringen von Düngemitteln in Zukunft bereits bei einer leichten Schneebedeckung verboten werden. Ferner sieht das Maßnahmenpaket der Bund-/Länder-Arbeitsgruppe vor, dass organische Düngemittel auf den Ausbringflächen künftig spätestens nach vier Stunden eingearbeitet sein müssen.
 
Geplant ist auch, für die Ausbringung flüssiger organischer Dünger auf Ackerflächen ab dem 1. Februar 2020 nur noch Injektions- oder Streifenverfahren zuzulassen. Auf Grünland soll dieses Gebot fünf Jahre später gelten. Wie Stürmer weiter mitteilte, befindet sich der Vorschlag zur Novellierung der Düngeverordnung derzeit in der Ressortabstimmung und muss nach der Notifizierung des Entwurfs bei der EU-Kommission noch einer Strategischen Umweltprüfung unterzogen werden, bevor die Novelle den Bundesrat passiert. Unter günstigen Umständen kann sich der Fachmann vorstellen, dass die neue Düngeverordnung bis Jahresende in Kraft tritt, wobei hier aber durchaus noch Verschiebungen möglich sind. Eine wesentliche Lockerung beziehungsweise Flexibilisierung der aktuell vorgeschlagenen Regeln sei eher unwahrscheinlich, zumal man mit den jetzigen Punkten bereits einige "rote Linien" der EU-Kommission erreicht oder sogar überschritten habe. Im Sinne der deutschen Landwirtschaft seien mit dem Vorschlag des Agrarressorts aber zumindest die von der EU geplanten starren Obergrenzen für den Düngemitteleinsatz kein Thema mehr, betonte der Referatsleiter.

Praxisnah bleiben

Pingen hob in seinem Vortrag die gravierenden Auswirkungen hervor, die die Novelle der Düngeverordnung nach seiner fachlichen Einschätzung für nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebe mit sich bringt. So sei damit zu rechnen, dass die neue Regulierung nicht ohne Spuren an Erträgen, Qualitäten und Pachtpreisen vorbeigehen werde. Zudem drohten hohe Investitionskosten durch die Anschaffung neuer Ausbringtechnik und zusätzlicher Lagerkapazitäten. Daneben schrumpften wegen der immer längeren Ausbringverbote auch die Zeiträume zusammen, in denen die Landwirte mit Düngergaben fachgerecht auf den Nährstoffbedarf der Bestände reagieren könnten. Der DBV-Umweltreferent rief dazu auf, die Novelle praxistauglich zu gestalten und Bürokratie zu vermeiden. Er warb für ein bundesweit einheitliches Düngerecht, aber gleichzeitig mit regionalen Besonderheiten.
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