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Kommentar

Vogelgrippe: Sack zu und draufhauen als Lösung?

von , am
29.03.2017

Die Vogelgrippe hat immense Schäden verursacht. Pauschale Schuldzuweisungen sind völlig fehl am Platze.

Christa Diekmann-Lenartz Porträt
Christa Diekmann-Lenartz ist Redakteurin bei der LAND & Forst. © Philipp von Ditfurth

Gott sei Dank kommt endlich der Frühling! Niedersachsens Geflügelhalter dürften sich noch mehr als sonst über die ersten Sonnenstrahlen gefreut haben. Die Chancen stehen gut, dass das Vogelgrippe-Virus endlich verschwindet. UV-Strahlung mag der Erreger nämlich nicht.

Am schlimmsten betroffen ist der Landkreis Cloppenburg, über 400.000 Tiere, überwiegend Puten, sind dort bisher getötet worden. Das Zentrum der Ausbrüche liegt um die Gemeinden Garrel und Bösel. Hier gibt es eine enorme Dichte von Geflügelhaltern. 786 Betriebe mit zusammen 5,3 Mio. Stück Geflügel waren vergangene Woche in den Sperr- und Beobachtungsgebieten erfasst. Es ist eine Binsenwahrheit, dass Regionen mit hoher Tierdichte bezüglich übertragbarer Krankheiten anfälliger sind als andere Regionen. Hier muss Vorsorge deshalb dreifach groß geschrieben werden.

Jetzt Bilanz ziehen

Veterinärbehörden, Tierseuchenkasse und Wirtschaft tun aus diesem Grund auch gut daran, im Nachgang gemeinsam Bilanz zu ziehen: Warum lief die Seuche weiter? Wo gab es Mängel? Was ist zu ändern, um das Risiko künftig zu reduzieren? Hinsichtlich der bekannten Biosicherheitsmaßnahmen darf es keine falsch verstandene Solidarität geben. Was machbar ist, muss in jedem Betrieb umgesetzt werden. Wer das nachweislich nicht tut, muss mit Konsequenzen rechnen. Er ist nämlich derjenige, der massiv gegen das Solidarprinzip verstößt.
 

Ein Schlag ins Gesicht

Betroffen von der Vogelgrippe sind aber auch solche Betriebe, die sich peinlich genau an alle Hygienevorschriften und Vorsichtsmaßnahmen halten. Ställe sind nun einmal kein luftdicht abgeschlossenes System. Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.

Für diese Geflügelhalter und ihre Familien ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn Landwirtschaftsminister Christian Meyer die Geflügelhalter pauschal verantwortlich macht dafür, dass die Seuche bisher nicht eingedämmt werden konnte. Wenn die Politik nicht differenziert, wie soll dann „Otto Normalverbraucher“ differenzieren können? Sind ja also selbst schuld, die Massentierhalter, wenn sie die Vogelgrippe selbst in ihre Ställe schleppen, lautet da schnell das einfache Resümee.

Das Vogelgrippe-Virus bleibt draußen?

Und wenn Grünen-Agrarsprecher Friedrich Ostendorff auch noch eine Abkehr von der Intensivhaltung zugunsten einer „artgerechten“ Geflügelhaltung fordert, sucht und findet er sicher Beifall. Da darf man gespannt sein: „Artgerechte“ Ställe, wie er sie meint, sind vermutlich offen und mit Stroh eingestreut. Das Vogelgrippe-Virus bleibt dort ganz gewiss freiwillig draußen.

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