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Betriebsführung

Weiter wachsen, aber künftig anders

von , am
04.03.2014

Beim 14. Forum emsländischer Landwirte gab es spannende Diskussionen darüber, was auf die Wachstumseuphorie der vergangenen Jahre folgen könnte. Wir waren für Sie dabei.

Referenten und Diskussionsteilnehmer (v. l.): Andreas Freytag, Prof. Bernhard Brümmer, Bernd Terhalle, Bernd Schulte-Lohmöller, Moderator Ralf Stephan, Jan Wulkotte. © Lemke
Das Wachstum, wie es das Emsland in den letzten 10 bis 15 Jahren erlebte, hat seine Grenzen erreicht. Daran ließen Referenten und Diskussionsteilnehmer aus  Wissenschaft, Beratung, Handel und Praxis keinen Zweifel. Doch zugleich wurde deutlich, dass damit kein Abschwung für die Landwirtschaft verbunden sein muss - sofern es ihr gelingt, sich auf neue Wachstumsziele zu orientieren.

Mehr Tierwohl statt Label

Welche das sein könnten, dazu gab der Agrarökonom Prof. Bernhard Brümmer mit seinen Einblicken in die Märkte erste Anregungen. Weltweit herrschen insgesamt stabil gute Aussichten für Schweine- und Hähnchen-fleisch-erzeuger. Brümmer mahnte aber, die  trotzdem immer wieder auftretenden Preisausschläge für Fleisch ebenso wie für Futter in die eigene Liquiditätsrechnung einzukalkulieren.

Für den heimischen Markt wies der Göttinger Wissenschaftler darauf hin, dass sich der größte Teil der Verbraucher nicht aktiv mit Produktdetails auseinandersetzen will. Es genüge, Tierwohl durch allgemeinverbindliche Standards zu sichern. Besondere Labels seien dagegen für eine eher kleine Zielgruppe interessant, die nur wenig Fleisch konsumierten. Die allgemeinen Standards könnten zugleich einen Schutz bieten, wenn im Zuge neuer Freihandelsabkommen mehr ausländische Ware auf den deutschen Markt kämen.

Mit der veränderten Praxis der Baugenehmigungen ließ die Bautätigkeit im Vergleich zu den Boomjahren 2009 und 2010 zwar deutlich nach, kam aber keineswegs zum Stillstand. "Es werden nach wie vor Ställe genehmigt", berichtete Jan Wulkotte aus der Bezirksstelle Emsland der Landwirtschaftskammer. Da das Bauen an der Hofstelle schwieriger wurde, wächst der Druck auf den Außenbereich. Unterm Strich wird es auf jeden Fall teurer, sagte der Berater mit Blick auf zusätzliche Auflagen aus dem Bau- bzw. Düngerecht und zum Immissionsschutz .

Hinsichtlich der Verwertung von Wirtschaftsdünger gab Wulkotte diese Empfehlungen:

Lagerraum schaffen (acht bis zwölf Monate);
Bilanzen neu rechnen;
transportwürdigen organischen Dünger abgeben und
Flächen vertraglich sichern.

Belastungen eingrenzen

"Wachsen ja, wuchern nein!" Diese Aussage stellte Andreas Freytag, Leiter der LWK-Bezirksstelle Braunschweig, seinem Vortrag voran. Er riet den Unternehmern dazu, bei allen Zukunftsplänen auch die damit verbundenen Belastungen für sich und für die Familie in Maßen zu halten. "Lassen Sie sich nicht zu Entscheidungen drängen, die Sie eigentlich nicht wollen, nur weil es alle anderen angeblich auch so machen", sagte Freytag.

In seiner vergleichenden Beispielrechnung  schnitt bei einem angenommen Preisverfall derjenige Schweinemäster am besten ab, der einen neuen Stall gebaut hatte. Das Selbstbild und das in Medien oder in der Öffentlichkeit angestrebte Bild stimme eben nicht überein, folgerte Freytag.

"Wir müssen darauf achten, unseren jungen Hofnachfolgern nicht alle Perspektiven zu nehmen. Wachstum darf man nicht verbieten", machte der Landwirt Bernd Schulte-Lohmöller in der von LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan geleiteten Diskussion entschlossen deutlich. "Wir brauchen neue Ställe und wir brauchen technische Lösungen, mit denen wir den wertvollen Wirtschaftsdünger so effizient wie möglich einsetzen können", sagte er.

Ende nicht in Sicht

Dass sich Wachstum künftig noch stärker an anderen Kriterien als Stückzahlen messen wird, liegt für Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Hümmling in Lorup, auf der Hand. Einheitlichere Partien mit fest definierten Qualitätskriterien zu erreichen, die mit verbesserter Rentabilität erzeugt werden, erfordere das Drehen an vielen kleinen Schrauben. Hier ist nach seiner Einschätzung das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht.
Wichtig ebenso aus Sicht des Genossenschafters: Die Zusammenarbeit bei der Vermarktung, aber auch in der Produktion, kann helfen, der Konkurrenz untereinander etwas entgegenzusetzen. Die aber wird bei knapperen Flächen eher zu- als abnehmen.

"Ohne Landwirtschaft wären wir nicht so erfolgreich, wie wir sind", machte Bankdirektor Frank Thiel in seinem Grußwort deutlich. Rund ein Fünftel ihrer Kredite reichte die Emsländische Volksbank für landwirtschaftliche Investitionen aus. Dann folgen Erneuerbare Energien mit etwa 15 % Anteil, alles andere erst "mit ganz großem Abstand".
Zufällig vermeldeten am Tag der Veranstaltung die regionalen Medien die Februarzahlen zur Arbeitslosenstatistik. Der Landkreis Emsland weist mit vier Prozent einen der niedrigsten regionalen Werte auf, der Landesdurchschnitt beträgt sieben Prozent.
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