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Betriebsführung

Wachstum allein reicht nicht aus

von , am
19.02.2014

Wandel ist nichts Neues, birgt mehr Chancen als Risiken. Und hellwache Betriebsleiter nutzen diese, indem sie intelligente Verfahren einsetzen. Diesen Eindruck nahm man vom 4. Braunschweiger Unternehmerforum mit.

Wie ist der Wandel zu schaffen? Die Referenten Täger-Farny, Meyer, Loritz-Hoffmann, Herlinghaus (v. l.) und Grefe (r.) stellten sich, moderiert von LAND & Forst-Chefredakteur Stephan, den Fragen der Zuhörer. © LWK Braunschweig
Zwei Landwirte, die von der "Papierform" nicht unterschiedlicher hätten sein können, zogen die über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des nun schon zum vierten Mal von Landwirtschaftskammer und Volksbanken gemeinsam veranstalteten Unternehmerforums in den Bann. Beide berichteten, wie sie „Landwirtschaft im Wandel und Wandel in der Landwirtschaft“ - so das Thema des Tages - erleben.

Starker Druck von außen

Der eine, Wolfgang Täger-Farny aus Volkmarsdorf im Braunschweiger Land, bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit 450 ha LF. "Wir haben es uns nicht ausgesucht, die 1975 auch bei uns übliche Tierhaltung abzuschaffen, Grünland in Ackerland umzuwandeln und alles durchzurationalisieren. Der Strukturwandel kam auch von oben", stellte Täger-Farny mit Blick auf damalige Anforderungen von Gesellschaft, Politik und Markt fest.

Der Landwirt engagiert sich seit langem für fortschrittliche Technologien, hat in seinem Betrieb ein auditiertes Qualitätsmanagement eingeführt und gilt als einer der Pioniere der Präzisionslandwirtschaft. Entgegen landläufigen Vorurteilen über modernen Ackerbau stellte er fest: "Diese GPS-gestützten Verfahren haben dazu geführt, dass wir uns mehr für den Boden interessierten. Plötzlich sahen wir genau, was wir für ihn tun müssen."
 
Obwohl Täger-Farny einen erfolgreichen Betrieb leitet, sieht der bestimmte Entwicklungen mit Sorge: "Wir kommen mit weniger als sechs Stunden Arbeitszeit pro Hektar, abe zahlen einen immens hohen Preis für die dafür benötigte Technik." Bestimmte Grenzen sollten nicht überschritten werden. "Wachstum ist nicht alles. Was wir brauchen, ist eine intelligente Wirtschaftsweise, damit das Eigentum möglichst breit gestreut bleibt."

In Richtung Politik - zuvor hatte Dr. Josefine Loritz-Hoffmann von der EU-Kommision die Grundzüge der GAP-Reform erläutert - formulierte der Landwirt den Wunsch, pragmatische Lösungen zu finden, die den Betriebsleitern Platz zum Handeln ließen.
Der andere Unternehmer, Hans-Heinrich Grefe, sah vor 13 Jahren im Biolandbau die besseren Pespektiven und stellte seinen Betrieb in Algermissen am Nordrand der Hildesheimer Börde um. Inzwischen gehören der Bio Börde Land GbR fünf ehemals eigenständige Betriebe mit 320 ha an, ein sechster ist auf dem Sprung. Das Unternehmen erzeugt, lagert und vermarktet vor allem Getreide, Möhren und Kartoffeln. Auch hier wird viehlos gewirtschaftet, Wirtschaftsdünger gegen Kleegraslieferungen eingekauft.

Umstiegsziel erreicht

Auch Grefe und seine Partner setzen auf modernste Technik: Ihr 2.700 t-Lagerhaus wird mit Solarenergie gekühlt, was kostengünstig eine hohe Qualität sichert. Der Absatz solcher Mengen über verschiedene Partner, darunter große Handelsketten, erfordert überdies eine ausgefeilte Strategie.

Grefes Plan ist aufgegangen: "Ich kann mehr mehr verdienen als mit konventionellen Ackerfrüchten", berichtet er offenherzig. Die im Bioackerbau niedrigeren Erträge sind insofern sogar ein betriebswirtschaftlicher Vorteil, als dass Einbußen weniger stark ins Gewicht fallen. Die Sommertrockenheit könne er somit besser abfedern, sagt Grefe und nennt ein weiteres Plus: "Unsere Akzeptanz bei den Verbrauchern ist sehr hoch."
Wandel in der Landwirtschaft sei etwas Selbstverständliches, hatte Kammer-Vizepräsident Gerhard Schwetje eingangs festgestellt. "Landwirte haben sich spezialisiert, weil sich die Einkaufsgewohnheiten änderten und werden nun oft dafür gescholten", beklagte er. Trotzdem ermutigte Schwetje die Zuhörer, sich dem Wandel zu stellen und die darin steckenden Chancen zu nutzen.

Preise bleiben oben

Dass die globalen Rahmenbedingungen dafür anhaltend gut sind, machten die Zahlen von  Axel Herlinghaus, Rohstoffanalyst der DZ Bank, deutlich. "Die Preise für Agrarrohstoffe sind trotz der aktuellen Rückgänge historisch hoch und werden es bleiben", versicherte er. Seit der Jahrtausendwende wächst die weltweite Nachfrage schneller als das Angebot, konkret beim Weizen sind die Lagerbestände zum fünften Mal in Folge gefallen.
Den Wandel bzw. die sanfte Agrarwende als sinnvolle Weiterentwicklung des Bestehenden zu sehen, dafür warb Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Darunter sei keine Abkehr vom Wachstum zu verstehen, allerdings seien Grenzen erreicht, mehr Umsatz über mehr Produkte zu erzielen. Meyer plädierte stattdessen für mehr Höherwertigkeit. Hinsichtlich der Akzeptanz bestimmter Produktionsverfahren sagte der Minister allerdings auch: "Es muss sich etwas ändern. Besseres Marketing allein reicht dafür nicht aus."
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