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Interview

Wegränder am besten abschnittweise mähen

Mahd-Feldrand-Bluehstreifen
Christian Mühlhausen
am
29.07.2019

Gerade in Zeiten des Insektensterbens ist Wegrandpflege sehr wichtig. Expertin Sinja Zieger gibt Tipps. Sie ist verantwortlich für das Projekt „Blühender Wegränder“ beim Landschaftspflegeverband (LPV) Landkreis Göttingen.

Frau Zieger, warum sind Wegränder als Lebensraum so wichtig?

sinja-Zieger-Wegraender-Göttingen

Auf Wegrändern wachsen viele verschiedene Gräser und Blütenpflanzen. Diese bieten Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Kleintieren und Insekten. Die erfüllen auch für die Landwirtschaft wichtige Funktionen in Form von Bestäubung oder biologischer Schädlingskontrolle.

Auch als Überwinterungsversteck sind sie extrem wichtig, da viele Insekten in hohlen Pflanzenstängeln oder wie einige Hummelarten in selbstgebauten Grasnestern überwintern.

Wie werden Wegränder denn derzeit gepflegt und warum ist das für die Natur nicht gut?

Die meisten Wegränder im Landkreis Göttingen werden seit einigen Jahrzehnten mindestens einmal im Jahr gemulcht. Durch die Mulchschicht, die auf der Fläche liegen bleibt, schaffen es meist nur Obergräser und Brennesseln zu wachsen.

Die Blütenpflanzen, die wir gerne fördern würden, werden unterdrückt und im Laufe der Zeit immer weniger. Außerdem reichern sich durch das Mulchen Nährstoffe auf der Fläche an, was ebenfalls zu einer Verarmung der Pflanzenvielfalt führt.

Was können Kommunen und Feldmarkgenossensschaften als Alternative zum meist praktizierten Mulchen tun?

Um die Insekten, die auf den Wegrändern vorkommen, zu schützen, ist es wichtig, dass nicht überall zur gleichen Zeit gemulcht wird. Durch eine abschnittsweise Mahd kann man Rückzugsräume erhalten. Das ist möglich durch die Mahd der linken und der rechten Wegseite mit einem zeitlichen Abstand von mindestens drei Wochen. Es können auch Längsstreifen oder kleine „Inseln“ stehen gelassen werden.

Auch sollte die Mahd nicht gleichzeitig mit der Ernte erfolgen, sondern möglichst spät im Jahr, also im September oder Oktober. Außerdem ist es extrem wichtig, dass auch im Winter Strukturen stehen bleiben. Wo möglich, sollte sogar nur jedes 2. oder 3. Jahr gemäht werden. Hier müssen wir dann lernen, diese vermeintliche „Unordnung“ zu ertragen.

Mehr zur Wegrandpflege lesen Sie im LAND & Forst-Thema der Woche in Ausgabe 31/19.

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