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Kommentar

Wirtschaftsdünger überregional: Den Druck aus dem Kessel nehmen

Edith Kahnt-Ralle
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
23.11.2017

In diesem Herbst ist der überregionale Nährstofftransport ein Problem. Wohin mit Mist und Gülle, fragt LAND & Forst-Redakteurin Edith Kahnt-Ralle.

Die Vermittlung von Wirtschaftsdünger ist schwieriger geworden, die Kosten für den Transport von Gülle und Mist steigen deutlich. Grund sind das Wetter und die neue Düngeverordnung. Verunsichert durch Neuregelungen bei Nährstoffbilanzen und Herbstdüngung halten sich Ackerbauern bei der Aufnahme von organischen Nährstoffen verstärkt zurück.Wer will es ihnen verdenken? Nährstoffe auszubringen, die voll angerechnet werden, aber anfänglich nur gering wirken, kommt einem Blindflug gleich. Die Veredlungsbetriebe haben damit Erfahrung, auch sie griffen, oft unnötig, zur Sicherheit in den Düngersack.

Die Düngeverordnung fachgerecht auslegen

Sollen Ackerbaubetriebe auch zukünftig den Nährstoffkreislauf schließen und Mineraldünger einsparen, brauchen sie nicht nur verlässliche Angaben zu Inhaltsstoffen in den organischen Düngern. Sie brauchen auch eine ideologiefreie und fachgerechte Auslegung der Düngeverordnung.

Hier gehören Aspekte des Bodenschutzes genauso dazu wie Aspekte der Kreislaufwirtschaft. Diese muss in Niedersachsen überregional gestaltet werden, um jedes Kilogramm Stickstoff und Phosphat effizient nutzen und Futtergetreide in Nachbarregionen absetzen zu können.

Nicht nur die Beratung muss hier viel Überzeugungsarbeit leisten. Auch die neue Landwirtschaftsministerin erwartet eine erste große Aufgabe. Diese gilt es vor dem kommenden Frühjahr zu lösen.

Transportwürdige Wirtschaftsdünger zu passenden Preisen

Zudem ist es höchste Zeit, dass sich alle Tierhalter bei der Nährstoffverwertung auf eine stabile Basis stellen. Die Recherche für das LAND & Forst-"Thema der Woche" in Ausgabe 47/17 zeigt: Einige Veredler und Dienstleister gehen mit gutem Beispiel voran.

Zuerst sind Nährstoffüberschüsse bei der Fütterung, den Mineraldüngern und gegebenenfalls auch durch geringere (Tierwohl)-Besatzdichten zu vermeiden. Behälterbau und nährstoffgesteuerte Aufbereitung sind Pflichtprogramme, keine Kür mehr.

Denn der Ackerbau braucht keine Rohware, sondern standardisierte, wirksame, transport- und lagerwürdige Wirtschaftsdünger zu konkurrenzfähigen Preisen. Eine Vollaufbereitung zum Düngerpellet ist attraktiver geworden, bleibt ökonomisch aber ein „dickes Brett“.

Tauziehen um Wertigkeiten von Gülle und Co beendet

Aus Sicht des Klimaschutzes ist die Energiegewinnung aus Wirtschaftsdünger über Biogasanlagen noch mehr anzustreben und als Standbein dieser Anlagen nach dem EEG zu stützen.

Es war ein jahrelanges Tauziehen um Wertigkeiten von Gülle und Co. sowie Ausbringungsauflagen. Die Praxis hat jetzt längere Anpassungszeiten verdient, um den damit geschaffenen Druck aus dem Kessel zu nehmen.

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