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Betriebsführung

Von der Wissenschaft zur Praxisreife

von , am
24.04.2013

Die Anforderungen an eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft und entsprechende Steuerungsinstrumente standen im Fokus einer KTBL-Fachtagung. Wichtige Fakten haben wir für sie zusammengefasst.

Werden Landmaschinen im beginnenden Zeitalter des servicebasierten Internets künftig über Internetdienste gesteuert? © Werkfoto

Jan Grenz von der Berner Fachhochschule präsentierte in Neu-Ulm die Zielsetzungen verschiedener Bewertungssysteme sowie deren regionale Verbreitung in Form eines Vergleichs internationaler Ansätze zur Nachhaltigkeitsbeurteilung. Grenz machte deutlich, dass es noch nicht „das“ kompakte System gebe, mit dem ganze Wertschöpfungsketten auf Nachhaltigkeit geprüft werden könnten. Wichtig sei jedoch, dass Indikator- und Kriteriensysteme unterstützend und nicht bevormundend eingesetzt werden sollten.

Auf übergreifende Bewertungssysteme für landwirtschaftliche Betriebe ging Prof. Reiner Doluschitz  von der Uni Hohenheim ein.
Er wies darauf hin, dass solche Systeme bislang nur wenig Anwendung in der praktischen Landwirtschaft gefunden hätten.

Effizienz steigern und Bürokratie weiter abbauen

Einem erhöhten Dokumentationsaufwand könne man durch den Einsatz moderner Kommunikationstechnologie, einheitlichen Standards und der Nutzung vorhandener Audits entgegenwirken. Dabei gelte es, nicht nur die Effizienz zu steigern, sondern auch Bürokratie abzubauen.

René Kolbe  gab Einblicke in die Auswertung von Kriterien umweltverträglicher Landwirtschaft (KUL) in einem landwirtschaftlichen Unternehmensverbund. Nach Kolbes Ansicht ist eine Umweltverträglichkeit nicht automatisch gegeben; vielmehr müsse sie ständig erstrebt und gelebt werden. Wie das System RISE in der Praxis auf einem Mutterkuhbetrieb angewendet werden kann, erläuterte Richard Bircher. Die Nachhaltigkeitsbeurteilung decke mögliche Schwachstellen im Betrieb auf, werfe eine andere Perspektive auf die eigene Arbeit und zeige Veränderungsmöglichkeiten auf.  
Prof. Eberhard von Borell von der Uni Halle stellte das Forschungsprojekt "Tierwohllabel - Aufbau eines marktgerechten Tierwohlprogramms in der Schweinefleischkette" in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Von Borell sieht in einem angepassten Daten- und Wissensmanagement auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, bei regionalen Organisationen sowie bei vor- und nachgelagerten Unternehmen die Voraussetzung für die Erfassung, Speicherung und Verarbeitung von Daten und Informationen. Mittlerweile stünden Bewertungs- und Managementsysteme an der Schwelle von der Wissenschaft zur Praxis. Entscheidend für die erfolgreiche Markteinführung eines Tierschutzlabels sind von Borell zufolge die Akzeptanz des Verbrauchers und die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Betriebe gegenüber konventionellen Produktionsformen.

Vorteile automatischer Systeme herausstellen

Die Landmaschine der Zukunft werde im beginnenden Zeitalter des servicebasierten Internets über Internetdienste gesteuert, so die Kernaussage von Prof. Peter Pickel. Eine Voraussetzung dafür sei allerdings eine offene, nicht proprietäre und dennoch sichere Datenkommunikation. Beispielhaft seien die Projekte iGreen und SmartAgriFood, die den Beginn der landwirtschaftlichen Automatisierungstechnik kennzeichneten.
Laut Darstellung von Prof. Joachim Krieter von der Uni Kiel liegen im Bereich Tierhaltung die Herausforderungen der Zukunft in der tierindividuellen Modellierung der Sensorinformationen und in der exakten Definition von Zielgrößen, beispielsweise im Hinblick auf Erkrankungen.

Allerdings sieht Krieter auch Akzeptanzprobleme von computergestützten Expertensystemen vor dem Hintergrund der Tierschutzdebatte.
Entscheidend werde hier sein, überzeugend darzulegen, dass die Vorteile der automatischen Systeme die Nachteile - bezogen auf das Tierwohl - überwiegen würden.
Die Entwicklung offener Strukturen für den Wissensaustausch in der Landwirtschaft, bei der aktuell 23 Partner im iGreen-Konsortium kooperieren, war Thema des Vortrags von Dr. Ansgar Bernardi.

Er stellte das Forschungsprojekt am Beispiel der Kommunikation zwischen Landwirt und Lohnunternehmer vor.
Nach seinen Angaben können schon heute beispielsweise georeferenzierte Aufträge vom Landwirt zum Lohnunternehmer und vom Lohnunternehmer zur Maschine oder zum Fahrer automatisch übermittelt werden.

Damit Daten zukunftssicher verfügbar seien, müssten Form und Inhalt der Daten für andere Systeme verständlich und der Datenaustausch natürlich dann auch in der Praxis herstellerübergreifend möglich sein.  
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