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Fütterung Milchvieh

Mit Zuckerrüben die Milchkuh-Ration aufwerten

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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
09.11.2016

Klaus Schröder aus Deinstedt (Lkr. Rotenburg/Wümme) verfüttert seit zwei Jahren Zuckerrüben an sein Milchvieh. Jetzt will er die Ration weiter optimieren.

Klaus Schröder mit seinem Milchvieh und Zuckerrübenschnitzeln

Klaus Schröder, Milchviehhalter und Biogaserzeuger, hat sich aus zwei Gründen wieder für den Anbau von Zuckerrüben entschieden: Zum einen passen diese sehr gut in seinen Biogasfermenter. Zum anderen erhöht die Zuckerrübe in der Futterration für seine Milchkühe vor allem die Milchinhaltsstoffe. „Viele Milcherzeuger würden jetzt sagen, Zuckerrüben an Kühe verfüttern, das geht nicht“, sagt Schröder. Aber er tut es seit zwei Jahren mit Erfolg.

Der Landwirt aus Deinstedt im Landkreis Rotenburg/Wümme hat sich jetzt zusammen mit Berufskollegen als Teilnehmer einer von der KWS organisierten Fahrt auf dänischen Betrieben über die Verfütterung von Zuckerrüben an Kühe informiert. Dabei fiel Schröder auf, dass jeder Betrieb dort seine individuelle Lösung beim Umgang mit den Rüben erst finden musste.

Mit Zuckerrüben die Milchinhaltsstoffe verbessert

Und so füttern die Dänen bis zu 6 kg Trockenmasse (TM) pro Kuh und Tag aus Zuckerrüben. Das sind immerhin 24 kg Frischmasse (FM) und damit die Hälfte der Ration. Soweit geht Schröder noch nicht. Seine Kühe bekommen zurzeit 12 kg FM (etwa 4 kg TM) pro Tag. „Bei weniger als 1,5 kg TM pro Kuh und Tag sieht man keine positiven Effekte auf die Milchleistung“, weiß Schröder aus den Gesprächen mit den Dänen.

Wichtig ist, dass die Kühe gesund sind und die Zuckerrübenanteile in der Ration langsam gesteigert werden. Mit seiner Zuckerrübenration konnte Schröder die Milchinhaltsstoffe Eiweiß von 3,47 % auf 3,65 % und Fett von 3,8 % auf 4,1 % verbessern. Die Harnstoffwerte sind gesunken.

Gesamte Rübenkette technisch optimiert

Da Schröder 30 ha Zuckerrüben selber anbaut, musste er sich die gesamte Rübenkette technisch optimieren. Vor allem bei der Ernte durch den Lohnunternehmer und der Zwischenlagerung als Rübenmiete am Feldrand (zum Abtrocknen zwischen 7 und 14 Tagen) sowie beim Überladen auf die Transportfahrzeuge muss bei der Bewegung der Rübe möglichst viel Schmutz vom Rübenkörper abfallen. „Das erreichen wir gut auch mit unseren älteren Überladebändern, wenn wir die Rüben aus der Miete holen“, so der Betriebsleiter.

Gemessen wurde danach ein Schmutzanteil von 0,5 %. Allerdings baut der Betrieb die Rübe auf sandigen und sandig-lehmigen Böden an, und das mit gutem Ertrag. „Auf den jungfräulichen Rübenflächen sind hier 85 bis 90 t je ha möglich“, so Schröder.

Zwar mehr Kosten, aber höhere Energieerträge

Zwar kostet ihn der Rübenanbau je Hektar aufgrund der Pflanzenschutzmaßnahmen und teurem Saatgut 300 € mehr als der Maisanbau. „Entschädigt“ wird der Landwirt aber durch deutlich höhere Energieerträge je Hektar: Mais 100 GJ NEL/ha, Zuckerrübe 150 GJ NEL/ha. Außerdem muss Schröder durch Greening die Fruchtfolge erweitern (190 ha Mais, 30 ha Getreide, 30 ha Zuckerrübe), und da ist ihm eine energiereiche Kultur am liebsten.

Rüben täglich frisch geschnitzelt

Im vergangenen Jahr hat der Biogaserzeuger seine Zuckerrüben als ganze Rüben auf der Siloplatte einsiliert. Von diesen Rüben hat er die tägliche Ration für seine Kühe frisch mit einer Frontschaufel geschnitzelt und im Futtermischwagen mit den anderen Komponenten vermischt. Dieses Jahr begann die Rübenernte Mitte September.

Die benötigte Menge Rüben lagert auf der Siloplatte und wird geschnitzelt. Die anderen Rüben bleiben so lange, wie die Witterung frostfrei ist, im Acker sitzen. Schröder: „Wir haben hier seit elf Jahren keinen nennenswerten Frost mehr gehabt und deshalb können wir die Rüben etwa sechs bis acht Monate unsiliert lagern“.

Trotzdem existiert auch ein Plan für die Konservierung der spät geernteten Zuckerrüben. Sie sollen zusammen mit dem letzten Grassilageschnitt und Zuckerrübenschnitzeln einsiliert werden. „Dafür werden wir das Grassilo öffnen und mit den anderen Komponenten gemischt wieder einsilieren“, so Schröder. Diese Kombination soll jeglichen Sickersaft, der ja auch zuckerhaltig ist, auffangen.

Bedenken wegen hohem Zuckergehalt und Schmutz

Aber auch andere Kombinationen werden auf anderen Betrieben ausprobiert, so z.B. mit Mais oder Stroh. Ein Einsilieren geschnitzelt mit Mais kommt für Schröder aber nicht in Frage, da die Rüben dann früh gerodet werden müssten. „Im Oktober und November haben diese auf dem Feld aber noch erhebliche Zuwächse“, so der Landwirt.

Hierzulande wurden früher Futterrüben verfüttert. Von dieser Kultur hat sich die Praxis, aber auch die Züchtung, weitestgehend verabschiedet. Zu schwierig war die Rodung und zu hoch der Wassergehalt der Rüben.Bedenken gegen eine Verfütterung von Zuckerrüben bestehen vor allem wegen des hohen Zuckergehaltes und des Schmutzanhangs. Beides lässt sich durch entsprechende Rationsgestaltung und Erntetechnik in den Griff bekommen. Auch die Züchtung trägt hier durch geeignete Sorten zu einer Verbesserung bei.    

Immer mehr Landwirte verfüttern Rüben

Die Verfütterung von Zuckerrüben an Milchkühe und auch Mastbullen ist nicht nur bei den dänischen Nachbarn im Kommen. Auch England, Irland, Großbritannien und Neuseeland versuchen mit der Rübe energiereiches (7,7 bis 8  MJ NEL) Grundfutter für Kühe zu gewinnen und bei den Futterkosten zu sparen sowie die Milch- und Mastleistung bzw. die Milch- und Fleischqualität zu steigern. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern springen immer mehr Landwirte auf diesen Zug auf. 

Für Klaus Schröder steht fest: „Für mich stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob ich Zuckerrüben verfüttere, sondern wie ich deren Einsatz in der Ration weiter optimiere“. Auf der EuroTier können Sie sich auf dem Stand der KWS SAAT SE in Halle 27, Stand E 32 über die Verfütterung von Zuckerrüben (KWS Feedbeet) weiter informieren.

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