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Kommentar

Chemischer Pflanzenschutz: Die Grenze ist erreicht

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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von , am
02.02.2017

Der chemische Pflanzenschutz im Ackerbau stößt an seine Grenzen. Das hat gravierende Auswirkungen wie zum Beispiel Resistenzen. Ein Kommentar.

LAND & Forst-Redakteur Werner Raupert © Philipp von Ditfurth

Wer gerät nicht ins Schwärmen, wenn Ende April das gelbe Blütenmeer der Rapsbestände das Landschaftsbild prägt und die Bienen fleißig Nektar sammeln. Auch bei den Bauern ist Raps aufgrund der attraktiven Erzeugerpreise sehr beliebt.

Also alles zum Besten? Mitnichten. Der Raps wird nicht nur von Nützlingen geschätzt. Auch Heerscharen von Schaderregern fallen regelrecht über diese Kultur her.

Lebenskünstler entwickeln Resistenzen

In der Vergangenheit hielt der Pflanzenschutz immer Lösungen bereit. Durch Fehlanwendungen, übertriebene Prophylaxe, falsche Beratungsempfehlungen mit Minimengen und wandlungsfähige Schädlinge bleibt jedoch heute manche Waffe stumpf.

Die Natur ist ein Überlebenskünstler, passt sich an und entwickelt auch gegen chemische Wirkstoffe Resistenzen. Das Fatale ist, dass Politik und Behörden die Lage teilweise entgegen wissenschaftlicher Expertisen durch immer höhere Auflagen und Anwendungsverbote dramatisch verschärft haben.

Weniger Wirkstoffe im Pflanzenschutz

Bestes Beispiel sind die hochwirksamen Neonikotinoid-Beizen, die nach einer einzigen Fehlanwendung im Mais verboten wurden. Das spielt den Schädlingen in die Karten. Rapserdfloh, Kohlfliege oder die hoch resistenten Pfirsichblattläuse können sich nun ungehemmt ausbreiten und die Bestände schädigen. Auch bei anderen Rapsschädlingen stößt man an Grenzen.

Wirksame Gegenmittel gibt es kaum mehr und ein sinnvolles Resistenzmanagement ist nicht mehr möglich. Dazu kommt, dass neue EU-Bewertungen die Anzahl der bestehenden Wirkstoffe weiter schrumpfen lässt.

Auch Fruchtfolge und Bodenbearbeitung überdenken

Was die Bauern erwartet, lässt sich an den Öko-Rapserzeugern ablesen. Viele von ihnen haben durch den immensen Schaderregerdruck das Handtuch geworfen und den Anbau wegen der miserablen Erträge aufgegeben. Das könnte schon bald auch den konventionellen Rapsanbauern drohen.

Hilfe ist dieses Mal auch von Seiten der Züchter nicht so schnell zu erwarten. Sie sind zwar am Problem dran. Bis die ersten resistenten und konkurrenzstarken Sorten auf den Markt kommen, dürften aber noch einige Jahre vergehen. Und auch die von der Politik favorisierten biologischen Bekämpfungsmethoden sind noch lange nicht ausgereift, geschweige denn praxisreif.

In dieser Situation gibt es nur eins: klassische, ackerbauliche Prinzipien wie Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Aussaattermine und Hygiene müssen neu justiert und überdacht werden. Daran führt kein Weg vorbei, da wir auch in anderen Kulturen an unsere Grenzen stoßen.

  Einen Bericht zum Thema "Resistenzen in Kartoffeln" lesen Sie in der LAND & Forst 05/17 auf Seite 26. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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