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Energie

Anlage läuft prima mit Gülle und Mist

von , am
08.10.2013

Das EEG 2012 sieht eine spezielle Förderung für 75-kW-Gülleanlagen vor. Die Praxis hat bisher nur zögerlich darauf reagiert. Doch Olaf Borchers hat gebaut. Lesen Sie hier, welche Tipps er weiter gibt.

Die Gülle wird aus den 300 m entfernten Ställen in die Anlage gepumpt, die Wärme von der Biogasanlage zurück zum Hof geleitet. © Gaul
Heute erzählt Olaf Borchers aus Burweg im Landkreis Stade: "Eigentlich wollte ich gar keine Biogasanlage bauen". Denn die üblichen Anlagen, die mit Mais als Substrat arbeiten, waren ihm alle zu groß. Doch als mit dem EEG 2012 eine neue Vergütungsklasse für Kleinanlagen auf Güllebasis geschaffen wurde, begann sich der Landwirt für das Thema zu erwärmen. Heute ist er froh, diesen Schritt gewagt zu haben: "Das ist eine tolle Sache", begeistert er sich.

Große Behälter

Seine Anlage mit einer installierten elektrischen Leistung von 75 kW wird fast ausschließlich mit Gülle, Mist und etwas Futterresten betrieben. Genügend Substrat liefert der eigene Betrieb mit 175 Milchkühen und der entsprechenden Nachzucht. 13 t Gülle und 4 t Mist sowie Futterreste wandern täglich in den Fermenter.

Auf den ersten Blick überrascht die Größe des Gärbehälters etwas. Borchers erklärt: "Das ist durch die Verweilzeit von rund 120 Tagen bedingt." Mit einem Fermentervolumen von 1.400 m3 würde der Gärbehälter auch mindestens für eine übliche Anlage der 250 kW-Klasse ausreichen. Das Gärproduktelager fasst 2.500 m3, hinzu kommt noch ein vorhandenes Güllelager mit 1.100 t. Damit ist ausreichend Lagerraum geschaffen, um die Gärreste im Hinblick auf die Düngeverordnung lange genug lagern zu können und zum richtigen Zeitpunkt ausbringen zu können.

Mit der Anlagentechnik ist Olaf Borchers zufrieden. "Mehr als 20 Minuten täglich brauche ich für den Anlagenbetrieb nicht." Borchers entschied sich für ein Ingenieurbüro aus Georgsmarienhütte. Die Anlagen werden dort geplant und schlüsselfertig übergeben. Verbaut werden wie auf dem Betrieb Borchers die Komponenten namhafter Hersteller.
"Die Technik ist klasse", berichtet Borchers. "Da war auch der Mann von der Berufsgenossenschaft überrascht. Das hat er auf anderen Anlagen so nicht gesehen. Die musste er zum Teil stilllegen, weil die Technik nicht den Anforderungen entsprach." Denn gerade bei den kleinen Anlagen versuchen manche Hersteller, den Preis zu drücken, indem sie minderwertige Komponenten einbauen. Ein wichtiges Argument für Borchers war auch, dass ein Gasmotor für das BHKW eingesetzt wurde. "Die anderen Hersteller hatten mir Zündstrahler angeboten. Doch beim Gasmotor habe ich einen hohen Wirkungsgrad und muss kein Zündöl einsetzen." Eingebaut wurde ein Sechszylinder-Gasmotor mit 6,2 l Hubraum.

Keine Fremdkörper

Mit den als schwierig geltenden Substraten kommt die Anlagentechnik vom Eintrag bis zum Fermenter gut zurecht. Bei den Tauchmotorrührwerken mussten nur die Flügel getauscht werden. Sorgfalt ist beim Feststoffeintrag geboten: "Da dürfen keine Fremdkörper enthalten sein", betont der Landwirt. Sonst kommt es zu Störungen an der Schnecke. Die Gülle wird aus den 300 m entfernten Ställen herübergepumpt - Straßentransporte entfallen somit. Die Wärme nimmt den umgekehrten Weg über eine Wärmeleitung und beheizt die beiden Wohnhäuser auf dem Betrieb. Mehr bleibt nicht übrig, weil die Hälfte der Wärme zum Beheizen des Fermenters benötigt wird. Doch das ist gemeinsames Merkmal aller mit Gülle betriebenen 75-kW-Anlagen. Eine Besonderheit der Anlage ist, dass sie sich komplett selbst mit Strom versorgt.

Mehr Sicherheit

Heute ist Olaf Borchers froh, den Schritt vom Landwirt zum Biogasanlagenbetreiber gewagt zu haben. "Alternativ hätte ich in die Milchviehhaltung investieren müssen", sagt er. Doch der Bau eines neuen Stalles ist teuer und mit Risiko behaftet. "Bei Biogas erhalte ich die Vergütung für 20 Jahre garantiert. Diese Sicherheit habe ich bei der Milch nicht."
Doch auch für die Biogasanlage musste eine Investitionssumme von 650.000 € gestemmt werden. Zudem mussten für die Genehmigung zahlreiche Anforderungen und gesetzliche Auflagen erfüllt werden. Nachdem im März 2012 der Bauantrag gestellt wurde, konnte die Anlage schließlich im vergangenen November in Betrieb gehen. "Wenn alles optimal läuft, könnte eine solche Anlage auch in sechs Wochen gebaut werden", schätzt Borchers.
Zuvor galt es, auch die Nachbarn zu überzeugen. "Die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen Biogas sind da", sagt Borchers. "Genannt wird immer wieder der Flächenverbrauch und der Maisanbau". Doch hier konnte Borchers schließlich mit seinem Konzept überzeugen. Zumal sich durch den Betrieb der Anlage mit Gülle und Mist noch weitere positive Effekte ergeben. So lagert der Mist jetzt an der Anlage und nicht mehr an den Ställen im Ort. Und die Gülle riecht durch das Vergären auch nicht mehr. Dadurch, dass Olaf Borchers die auf seinem Hof ohnehin vorhandene Gülle und den Mist zum Vergären nutzt, macht er sich auch unabhängig von den Steigerungen der Substratpreise. "Bei den mit Mais betriebenen Anlagen werden die Substratpreise davonlaufen" erwartet der Landwirt. "Den Bau einer mit Gülle betriebenen Anlage habe ich auf keinen Fall bereut."
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