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Energie

Aufwind bald auch in Südniedersachsen?

von , am
12.03.2013

Ein Seminar der Landwirtschaftskammer in Northeim zeigte Möglichkeiten und Grenzen der Windenergienutzung in Südniedersachsen auf. Hier die wichtigsten Inhalte.

Die Tagungsteilnehmer besichtigten am zweiten Tag eine von den Einbecker Stadtwerken betriebene Windenergieanlage. © landpixel

Das stimmt, da die Windverhältnisse im stürmischen Norden zumeist besser und vorhersehbarer sind als im Süden des Bundeslandes, wo Flusstäler, Hügel und Berge die Landschaft prägen. Und doch drehen sich auch zwischen Harz und Weser etliche Windräder. Mit der beschlossenen Energiewende und dem Ziel der Bundesregierung 80 % der Energie bis 2050 aus den erneuerbaren Energien zu erzielen, werden es auch in den nächsten Jahren mehr werden.

Moderne Anlagen mit bis zu 150 m Nabenhöhe, die zudem für Grenzertragsstandorte im Binnenland optimiert worden sind, machen die Erzeugung von Windenergie auch in den südlichen Landesteilen zunehmend interessant. Derzeit geben etliche Landkreise und Kommunen ihre zurückhaltende Haltung beim Thema Windkraft auf und ändern ihre Planungen für die Errichtung von Windenergiestandorten. Sie setzen damit die Vorgaben der Gerichte um, die die Planungsbehörden wiederholt aufforderten, "der Windkraft substanziell Raum zu geben."

Grund genug für die Bezirksstelle Northeim der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, über die neuen Möglichkeiten zu informieren. "Vom Winde gedreht", so der passende Titel des Seminars, das fast 40 Interessierte aus dem südlichen Niedersachsen anzog. "Die vergangenen Jahre war es zu diesem Thema eher ruhig, seit Herbst vergangenen Jahres häufen sich aber die Anrufe", sagt Klaus-Dieter Golze, Regionaler Energieberater bei der Bezirksstelle Northeim der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der das Seminar organisierte. Man wolle in dem Seminar für die Interessierten neben allgemeinen Informationen auch Klärung in der Frage bringen, ob und unter welchen Bedingungen die Grundstückseigentümer ein eigenes Windrad betreiben könnten, sofern sie denn bereit seien, die 10 % Eigenkapital einer fast 5 Mio. € teuren Windenergieanlage (mit Planungskosten) zu tragen.

Die Umsetzung von Windenergieprojekten unterliege jedoch in Südniedersachsen einigen Besonderheiten. Neben der Windhöffigkeit - das stark kupierte Gelände Südniedersachsens macht Aussagen zu den Windverhältnissen nicht gerade einfach - spielen laut Golze weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Da Windkraft im Wald derzeit in Niedersachsen (noch) nicht umsetzbar sei, konzentriere sich die Windkraft im Süden auf die Offenlandstandorte.
Diese Feldfluren umgeben meist kleine oder größere Ortschaften, zu den gewisse Mindestabstände eingehalten werden müssten. Auch die zahlreichen Gebiete, die einem Schutz durch FFH (Flora-Fauna-Habitat-Gebiete) unterliegen sowie Vogelschutzgebiete seien ausgenommen bzw. es seien Mindestabstände einzuhalten. Hinzu kämen Leitungstrassen, Richtfunktrassen, Autobahnen und andere Verkehrswege. Alles in allem summiere sich die Anzahl der Ausschlussgründe. Die Auswahl der möglichen Standorte sei durch diese Vorgaben stark eingeschränkt.

Schwarzstorch und Rotmilan

Eine Besonderheit stellen in Südniedersachsen der seltene Schwarzstorch, zu dessen Horsten ein Mindestabstand von 3 km zur nächsten Windkraftanlage gefordert wird, sowie der Rotmilan dar. So hat sich beispielsweise der Landkreis Göttingen, der bislang die Planungen zur Windkraft den Mitgliedskommunen überlassen hatte, über das Regionale Raumordnungsprogramm der Windkraftplanung wieder angenommen. Um mögliche Vorrangflächen für Windenergie im Landkreis auszuweisen, ließ der Landkreis auch die Horste des Rotmilans kartieren. Mit Erfolg, denn der Milan fühlt sich offensichtlich wohl im Süden Niedersachsens.

Das Thema wurde in den örtlichen Medien intensiv diskutiert, denn etliche mögliche, windhöffige Standorte zur Produktion von Windenergie, die weit genug von den Ortschaften entfernt liegen und auch ansonsten durch keinerlei Restriktionen ausgeschlossen wurden, sind durch die tatsächlich nachgewiesenen oder vermuteten Horste des Rotmilans ausgeschlossen worden -  denn es gilt, den Mindestabstand von über 1 km zum nächsten Horst zu berücksichtigen.

So war es nicht verwunderlich, dass das Thema Rotmilan von den Tagungsteilnehmern, die am zweiten Seminartag eine von den Einbecker Stadtwerken betriebene Windenergieanlage besuchten, immer wieder intensiv diskutiert wurde. Aber auch sonst boten die Themen intensiven Diskussionsbedarf. So referierte Theo Eilers von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über "Windkraftnutzung 2013 - wie kann die Landwirtschaft die Energiewende mitgestalten?".

Während Dr. Bernd von Garmissen, Rechtsanwalt und Justiziar bei den südniedersächsischen Landvolkverbänden, auf die rechtlichen Aspekte der Windenergienutzung auf landwirtschaftlichen Flächen einging, widmete sich Gebhard Lüdecke von der VR-Bank in Südniedersachsen der Finanzierung von Windkraftanlagen aus Bankensicht. Das Referat "Windenergie als Chance für Flächeneigentümer" von Martin Prisson von der Enercon rundete das Seminar schließlich ab.
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