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Energie

Bald kein Rückhalt mehr für Biogas?

von , am
19.11.2013

Die bei den Berliner Koalitionsverhandlungen vorgeschlagene Streichung der Energiepflanzen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trifft die Biogasbranche wie ein Schlag. Hier mehr dazu.

In Sorge um die Biogasbranche (von links): Der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudio da Costa Gomez, Verbandspräsident Horst Seide, stellv. Präsident Hendrik Becker und Claus Rückert, Sprecher des Firmenbeirates im Fachverband. © Preugschat
Vom Fachverband Biogas, dem 4.800 Landwirte, Firmenvertreter und Wissenschaftler angehören, kommt daher harsche Kritik. Nicht nur die Windstromerzeuger verzweifeln an den Vorschlägen der schwarz-roten Energie-AG, auch die Biogasszene ist bestürzt. Sogar vom Ende der Energiewende ist die Rede. "Es muss wieder mehr Sachverstand in die Diskussionen kommen", betonte Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, vergangene Woche auf einer Pressekonferenz anlässlich der Agritechnica in Hannover.

Im Vordergrund der Kritik steht vor allem, dass bei Neuanlagen anstelle von Energiepflanzen künftig nur noch Abfall- und Reststoffe verwendet werden dürfen. "Ohne den Anreiz im EEG, alternative Energiepflanzen zum Mais zu entwickeln, wird es keine ökologisch und ökonomisch sinnvollen Pflanzen zum Mais geben", erklärte hierzu der Verbandspräsident. Er wehrte sich gegen den Vorwurf der Vermaisung durch Biogasanlagen, sieht aber den Widerstand in einigen Regionen gegen den Mais als einen der Gründe für die derzeit in Berlin geführte Diskussion.

Der Bauer aus dem Wendland, der auch zwei Biogastankstellen betreibt, hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, doch noch etwas ändern zu können. "Es hat bisher kein Gesetz gegeben, das bei Inkrafttreten noch genauso aussieht wie zu Beginn der parlamentarischen Beratungen." Er hofft jetzt auf Unterstützung vor allem der auf dem flachen Land beheimateten Parlamentarier, die sich mit der Materie bestens auskennen.

Klares Signal gefordert

Heftige Kritik kommt auch vom stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Hendrik Becker, Geschäftsführer des Anlagenherstellers PlanET aus Vreden (NRW). "Wir haben die Energiewende angestoßen und wir können den Strom so liefern wie ihn der Kunde braucht, die Speicher sind auch da."

Becker machte deutlich, dass die Branche nicht wieder einen vierstelligen Zubau an Anlagen wie in den Jahren 2009 bis 2011 anstrebe, würde jedoch gern moderat 300 MW flexible elektrische Leistung pro Jahr neu zur Verfügung stellen, bis 2030 also rund 10 Gigawatt Strom.

Er erwartet von der künftigen Bundesregierung ein klares Signal, wie es mit Biogas weitergehen soll. Die Branche stehe bereit, den eingeschlagenen Weg der Flexibilisierung der Strombereitstellung bei Bestands- und Neuanlagen konsequent weiter zu beschreiten.
Verbandsgeschäftsführer Dr. Claudio da Costa Gomez  machte deutlich, dass Biogasanlagen erheblich flexibler betrieben werden können als Kohlekraftwerke, die bei der derzeitigen Diskussion auf politischer Ebene präferiert würden. Er warnte davor, die deutsche Biogasbrache zu zerschlagen. Das hätte auch erhebliche Auswirkungen auf andere Länder. "Deutschland muss zeigen, dass es mit der Energiewende voran geht."

Weniger Mais

Claus Rückert, Sprecher des Firmenbeirates im Fachverband Biogas, erklärte bei der Pressekonferenz, dass der angestrebte Zubau ohne Ausweitung des Maisanbaus erreicht werden könne, denn künftige Biogasanlagen sollten überwiegend auf der Basis von Gülle, landwirtschaftlichen Nebenprodukten und alternativen Energiepflanzen errichtet werden. Darüber hinaus sollen auch organische industrielle Nebenprodukte z.B. aus der Lebensmittelverarbeitung und getrennt gesammelte Bioabfälle verstärkt den Weg in die Vergärungsanlagen finden.

"Durch die Nutzung der Abfälle schließen wir Energie- und Nährstoffkreisläufe und zeigen auch anderen Ländern den Weg auf, wie eine nachhaltige Energieversorgung mit Nebenprodukten und Abfällen aufgebaut werden kann", erläuterte der Inhaber eines Biogas-Ingenieurbüros aus Lauf bei Nürnberg.

Und Präsident Seide ergänzt: "Mit alternativen Energiepflanzen können wir Landwirte einen zusätzlichen positiven ökologischen Mehrwert für die Fruchtfolgen leisten, zum Beispiel mit Wild- und Blühpflanzen." Er spielte hier auf die Greening-Flächen an, die künftig stillgelegt werden müssen. "Lasst uns darauf Blumen anpflanzen und in Biogasanlagen vergären, das sind genau die Flächen, die wir als Ausbaukorridor benötigen."

Weniger Anlagen

Bei der Pressekonferenz wurden auch die neuesten Zahlen über den Zubau an Anlagen bekannt gegeben. So werden in diesem Jahr nur 205 gebaut und in 2014 vermutlich nur noch 180. Im Verhältnis zu 2011 mit 1.270 Anlagen ein ernüchterndes Ergebnis. Knapp die Hälfte der Neuanlagen sind Gülle-Kleinanlagen mit einer Leistung von maximal 75 kW.

Die Branche schrumpft, einige Firmen sind schon vom Markt verschwunden, andere haben Personal abgebaut, von über 63.000 in 2011 auf derzeit etwa knapp 40.000. Insgesamt sind derzeit 7.515 Anlagen in Betrieb, von denen 109 keinen Strom erzeugen, sondern Methan direkt in das Erdgasnetz einspeisen. Die installierte elektrische Leistung wird mit 3.547 MW angegeben.
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